: Cai Marin
: Nordkap Thriller - Packende und brisante Unterhaltung für alle Fans von skandinavischer Spannung
: Blanvalet Verlag
: 9783641312503
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 608
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Tatort Norwegen: Ein toter Minister und die entführte Enkelin eines Physikers stürzen das Land beinahe in eine Staatskrise – Simen Sundby und sein Team ermitteln den brisanten Zusammenhang ...

Nordnorwegen. Blutüberströmt liegt ein kleiner Junge am Ufer. Kurz darauf fordern unerklärliche Vorgänge vor der Küste des Europäischen Nordmeers weitere Opfer. Während Kriminaloberrat Simen Sundby und sein Team noch vor einem Rätsel stehen, erhalten sie unerwartete Unterstützung von dem Apnoetaucher Eric und dem Aktivisten Cai. Alle Spuren führen zu einem geheimen Forschungsstandort. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse, und Simen Sundby wird klar, dass hinter den Kulissen ein gnadenloser Machtkampf tobt, der ganz Norwegen erschüttern wird …

Hervorragend recherchierter und hoch spannender Thriller von einer neuen Stimme in der skandinavischen Spannung.

Cai Marin ist ein Pseudonym. Aufgewachsen in Deutschland und Frankreich, lebt Cai heute östlich des Rheins und liebt das Wasser und die Farbe Blau. Dem Nordic Noir fühlt sich Cai seit frühester Jugend verbunden.

Biarritz/Fort de Socoa

Jenseits der Festungsanlage präsentierte sich die Biskaya glatt und schimmernd wie ein Aventurinspiegel, in den dieMayol eine schmale, kaum sichtbare Furche zog. Eric Perrain fühlte sich jetzt völlig entspannt. Die Umgebungsreize erreichten ihn abgeschwächt, gefiltert, und der Ruhepuls war bereits auf fünfzehn Schläge pro Minute gefallen. Mit einem raschen Manöver steuerte er den viersitzigen Außenborder an einem kleinen Schwarm Portugiesischer Galeeren vorbei. Der Körper führte all die eingespielten, hundertfach geübten Handlungen aus, während der Geist sich längst in einer anderen Welt befand. In der Lautlosigkeit der Tiefe.

Nach wenigen Minuten hatte er Belhara Perdun erreicht, ein Felsriff im französisch-spanischen Grenzgebiet, zweieinhalb Kilometer vor der baskischen Küste, unweit der historischen HafenbefestigungFort de Socoa. An seltenen Tagen mit entsprechender Dünung war die Stelle mit ihren bis zu zwanzig Meter hohen Brechern eine Herausforderung für Big-Wave-Hasardeure, für den Rest des Jahres ein stilles Unterwasserparadies. Er drosselte den Motor und warf den Anker aus. Anschließend streifte er langblättrige Tauchflossen über die Füße, setzte die Brille auf und nahm mehrere tiefe Atemzüge. Er füllte seine Lunge bis zur maximalen Sauerstoffkapazität mit Luft, presste mit Lung Packing noch ein weiteres Drittel darauf und ließ sich ins Wasser gleiten. Augenblicklich setzte der Tauchreflex ein, der allen Lungenatmern das Überleben im anderen Element ermöglicht. Der Herzschlag verlangsamte sich, die Gefäße in den Extremitäten verengten sich, und der Körper konzentrierte sich auf die Versorgung der lebenswichtigen Organe, während der zunehmende Wasserdruck die Lunge auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe komprimierte.

Mit kräftigem Flossenschlag tiefer sinkend, breitete Eric die Arme aus. Die Schwerelosigkeit im endlosen Blau euphorisierte leicht wie nach ein paar Gläsern Sekt. Weit entfernt, unwirklich erschienen Welt und Leben jenseits der Wasseroberfläche. Tiefe Ruhe und ein Gefühl des Angekommenseins, das sich jeder Beschreibung entzog, ließen alles andere verblassen. Zeit spielte keine Rolle, nicht der Hauch eines Bedürfnisses zu atmen. Nur flockiges Plankton, das die herabfallenden Lichtstrahlen reflektierte, ein in zehn Metern Tiefe vorbeihuschender Schwarm Meeräschen …

Das Riff lag bei vierzehn bis achtzehn Metern, der umliegende Meeresboden fiel auf etwa zwanzig Meter ab. Mit weichen, gleichmäßigen Bewegungen glitt Eric an den Felsen entlang, so verschmolzen mit seiner Umgebung, dass sich nicht einmal die bunt schillernden, gierig Krill einsaugenden Lippfische von ihm gestört fühlten. Er hangelte sich noch tiefer hinab, bis er sich schließlich, am Punkt des negativen Auftriebs angekommen, auf dem sandig-steinigen Grund niederließ.

Rote und orangefarbene Lichtanteile waren hier bereits ausgefiltert, das verbliebene Gelb- und Grünspektrum tauchte die Umgebung in gleichmäßig trüben blaugrünen Schein. Kein Bedürfnis zu atmen nach wie vor oder jemals wieder aufzutauchen. Jahrelanges Training bewirkte, dass Eric die Stoffwechselvorgänge in seinem Körper genau kannte. Selbst wenn er unter Wasser das Gefühl für Zeit verlor, brauchte er keine Uhr, um denCO2-Gehalt in seinem Blut exakt genug einzuschätzen und eine Bewusstlosigkeit relativ sicher auszuschließen. Absolute Sicherheit gab es gleichwohl nie, weshalb die erste Regel des Freedivings besagte, sich niemals und unter keinen