: Sara Goodman Confino
: Sommer fängt mit Freiheit an Roman
: Heyne Verlag
: 9783641329716
: 1
: CHF 3.60
:
: Erzählende Literatur
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein unvergesslicher Sommer in den Sixties mit zwei Frauen, die nach der Freiheit greifen

New York, 1960. Als Marilyn Kleinman beim Knutschen mit dem Sohn des Rabbiners erwischt wird, schicken ihre Eltern sie den Sommer über zu ihrer Großtante Ada. Wenn irgendjemand den Ruf ihrer Tochter retten kann, dann ist es Philadelphias führende Heiratsvermittlerin. Zu Marilyns Überraschung ist Ada nicht die humorlose Siebzigjährige, die ihre Mutter beschrieben hat. Ada trägt platinblondes Haar, einen Hermès-Schal und fährt Cadillac. Sie ist scharfsinnig, geradeheraus, und sie lebt ein unabhängiges Leben, wie es für Frauen in dieser Zeit kaum denkbar ist. Für Marilyn wird es ein unvergesslicher Sommer, der letzte, bevor der Ernst des Lebens beginnt und sie sich entscheiden muss, welchen Weg sie gehen will.

Die US-Bestsellerautorin Sara Goodman Confino unterrichtet Englisch und Journalismus an einer Highschool in Montgomery County, Maryland, wo sie mit ihrem Mann, zwei Söhnen und zwei Zwergschnauzern lebt. Wenn Sara nicht gerade schreibt oder trainiert, findet man sie am Strand oder auf einem Bruce-Springsteen-Konzert, manchmal tanzt sie sogar auf der Bühne.

KAPITEL
FÜNF


Ada trieb das Auto durch die Stadt, schnitt Kurven und wich nur um Haaresbreite entgegenkommenden Straßenbahnen und Fußgängern aus. Wir sahen vielleicht zwei Dutzend andere Autos und kein einziges Taxi. Thomas wirkte unbeeindruckt, aber ich sah, wie er sich mit seiner rechten Hand fest an den Türgriff klammerte, und fragte mich, ob er nur so lässig tat, um mich zu beeindrucken. War Ada tatsächlich die Sorte Frau, die ihre eigene Nichte auf den Rücksitz verbannte, damit ein Mann mit einer anderen Hautfarbe vorne sitzen konnte? Oder wollte sie mich bloß in meine Schranken weisen? Ich tippte auf Letzteres, wegen der fest verwurzelten Fremdenfeindlichkeit, die ich bei den älteren Leuten bei mir zu Hause erlebt hatte. Aber keine der Siebzigjährigen, die ich kannte, sah so aus oder verhielt sich wie Ada. Also war ihre Weltoffenheit vielleicht echt.

Schließlich bremste sie abrupt vor einem großen Reihenhaus in einem Viertel voller Nullachtfünfzehngebäude.

»Ich habe es doch gesagt: Das Seil hat gehalten.«

»Ich nehme alles zurück«, sagte Ada und lächelte Thomas an. Und kurz hätte ich schwören können, dass sie mit ihm flirtete. »Wärst du so lieb und bringst das Gepäck nach oben ins Gästezimmer, ja, Darling?«

Darling. So so.

»Sehr gerne, Ma’am.«

Sie bedankte sich bei ihm, dann wandte sie sich an mich. »Wir müssen einige Regeln aufstellen, bevor du dich hier zu heimisch fühlst.«

Jetzt fing es also an. Meine Mutter hatte mich vor ihrer Strenge gewarnt.

»Nummer eins: Du tust, was dir gesagt wird. Ich habe keine Zeit, unerzogene Kinder zu disziplinieren.«

»Ich bin kein Ki…« Sie reckte einen Finger in die Höhe und brachte mich zum Schweigen.

»Wie gesagt, ich habe keine Zeit, dich zu disziplinieren. Also benimm dich, sonst sitzt du ganz schnell wieder im Zug. Und wie ich gehört habe, willst du das ebenso wenig wie deine Eltern.«

Ich verschränkte mürrisch die Arme, ließ sie aber weitersprechen.

»Nummer zwei: keine Männer. Ich lebe von meinem Ruf in dieser Gemeinde, und den werde ich mir nicht von deinem Buntglasvorfall ruinieren lassen. Hast du mich verstanden?«

Ich nickte. In mir drin brodelte es, aber das würde ich dieser Hexe auf keinen Fall zeigen.

»Nummer drei: Niemand kommt ohne meine Erlaubnis in mein Haus. Es ist mir egal, mit wem du befreundet bist. Aber ich will diese Leute nicht bei mir zu Hause haben. Nummer vier: Du fasst nichts ohne meine Erlaubnis an. Du ›leihst‹ dir nichts ohne meine Erlaubnis aus. Und ich werde dir diese Erlaubnis nicht erteilen.«

»Du darfst also meinen Lippenstift klauen, und wenn ich mir etwas von dir nehme, werde ich rausgeschmissen?«

Sie lächelte. »Jetzt hast du es verstanden.«

Mama, was hast du mir da angetan?

»Und Nummer fünf: keine Lügen. Mir ist egal, wie hässlich d