KAPITEL
FÜNF
Ada trieb das Auto durch die Stadt, schnitt Kurven und wich nur um Haaresbreite entgegenkommenden Straßenbahnen und Fußgängern aus. Wir sahen vielleicht zwei Dutzend andere Autos und kein einziges Taxi. Thomas wirkte unbeeindruckt, aber ich sah, wie er sich mit seiner rechten Hand fest an den Türgriff klammerte, und fragte mich, ob er nur so lässig tat, um mich zu beeindrucken. War Ada tatsächlich die Sorte Frau, die ihre eigene Nichte auf den Rücksitz verbannte, damit ein Mann mit einer anderen Hautfarbe vorne sitzen konnte? Oder wollte sie mich bloß in meine Schranken weisen? Ich tippte auf Letzteres, wegen der fest verwurzelten Fremdenfeindlichkeit, die ich bei den älteren Leuten bei mir zu Hause erlebt hatte. Aber keine der Siebzigjährigen, die ich kannte, sah so aus oder verhielt sich wie Ada. Also war ihre Weltoffenheit vielleicht echt.
Schließlich bremste sie abrupt vor einem großen Reihenhaus in einem Viertel voller Nullachtfünfzehngebäude.
»Ich habe es doch gesagt: Das Seil hat gehalten.«
»Ich nehme alles zurück«, sagte Ada und lächelte Thomas an. Und kurz hätte ich schwören können, dass sie mit ihm flirtete. »Wärst du so lieb und bringst das Gepäck nach oben ins Gästezimmer, ja, Darling?«
Darling. So so.
»Sehr gerne, Ma’am.«
Sie bedankte sich bei ihm, dann wandte sie sich an mich. »Wir müssen einige Regeln aufstellen, bevor du dich hier zu heimisch fühlst.«
Jetzt fing es also an. Meine Mutter hatte mich vor ihrer Strenge gewarnt.
»Nummer eins: Du tust, was dir gesagt wird. Ich habe keine Zeit, unerzogene Kinder zu disziplinieren.«
»Ich bin kein Ki…« Sie reckte einen Finger in die Höhe und brachte mich zum Schweigen.
»Wie gesagt, ich habe keine Zeit, dich zu disziplinieren. Also benimm dich, sonst sitzt du ganz schnell wieder im Zug. Und wie ich gehört habe, willst du das ebenso wenig wie deine Eltern.«
Ich verschränkte mürrisch die Arme, ließ sie aber weitersprechen.
»Nummer zwei: keine Männer. Ich lebe von meinem Ruf in dieser Gemeinde, und den werde ich mir nicht von deinem Buntglasvorfall ruinieren lassen. Hast du mich verstanden?«
Ich nickte. In mir drin brodelte es, aber das würde ich dieser Hexe auf keinen Fall zeigen.
»Nummer drei: Niemand kommt ohne meine Erlaubnis in mein Haus. Es ist mir egal, mit wem du befreundet bist. Aber ich will diese Leute nicht bei mir zu Hause haben. Nummer vier: Du fasst nichts ohne meine Erlaubnis an. Du ›leihst‹ dir nichts ohne meine Erlaubnis aus. Und ich werde dir diese Erlaubnis nicht erteilen.«
»Du darfst also meinen Lippenstift klauen, und wenn ich mir etwas von dir nehme, werde ich rausgeschmissen?«
Sie lächelte. »Jetzt hast du es verstanden.«
Mama, was hast du mir da angetan?
»Und Nummer fünf: keine Lügen. Mir ist egal, wie hässlich d