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Die Gefangenen saßen verstreut auf dem Rasen. Sie hatten Decken ausgebreitet und sich darauf niedergelassen. Manche von ihnen hatten sich bis zum Bauch entblößt, sie saßen mit geschlossenen Augen da, rückwärts auf die Hände gestützt, und genossen die Sonnenwärme auf ihrem behaarten Körper. Andere hatten Klappstühle herausgetragen und sie zu kleinen Runden zusammengestellt, sie plauderten. Als sie Asta bemerkten, verstummten die Gespräche.
»Wie war Ihr Flug?«, fragte der amerikanische Sergeant, der sie zum Hotelgebäude begleitete.
»Wir wurden ziemlich durchgeschüttelt.« Sie warf erneut einen Blick auf die Gefangenen. War es ihre Unbeschwertheit? Das Selbstbewusstsein, das sie zur Schau stellten? Die Männer so zu sehen, ließ ihr die Galle hochkommen.
Die Gerüchte waren falsch. Weder waren die Naziführer nach Südamerika geflohen, noch versteckten sie sich in den Alpen, um sich neu zu formieren. Sie waren hier im Badeort Mondorf-les-Bains. Reichsminister, hohe Funktionsträger und Generäle.
Die Szenerie glich einem fröhlichen Picknick. Der Stacheldraht, der das elegante luxemburgische Hotel umgab, war mit Stoffbahnen und Tarnnetzen behängt. Über den blauen Himmel zogen Schäfchenwolken.
»Die Nazis wohnen hier im Hotel?«, fragte sie, als sie in den Schatten des Gebäudes traten.
»Sie haben Zimmer im dritten und vierten Stock.« Der Sergeant war jung. Seine Augen saßen unter buschigen blonden Brauen. »Unten sind die Verhörräume und der Speisesaal.«
Gewöhnliche Kriegsgefangene schliefen in Massenunterkünften, in Baracken oder schlammigen Zelten. Warum behandelte man die Naziführer so freundlich, ausgerechnet diese Männer, die den Weltkrieg zu verantworten hatten?
Sie lagerten beieinander wie Raubtiere nach getaner Jagd, zufrieden und satt gefressen. Unter dem friedlichen Himmel, beim Tschilpen der Spatzen im Gebüsch, hockte das Böse auf der Wiese, es hatte sich eingenistet, es klebte wie Schlamm an den Gräsern.
Sich Zugang zu diesem Ort zu verschaffen, war nicht leicht gewesen. . Sie hatte lügen müssen, hatte Dinge tun müssen, die sie verwerflich fand. Aber es war ihr gelungen, alle Widerstände zu überwinden.
Der Sergeant hielt ihr höflich die Tür auf. Die Sessel in der Lobby waren abgenutzt, der Teppich an einigen Stellen verschlissen. Trotzdem besaß der Raum Eleganz. Schwere samtene Vorhänge schmückten die Fenster, und Trockenblumensträuße aus vergangenen Zeiten sorgten für Behaglichkeit. Hinter dem Tresen der Rezeption blinkten Dutzende goldener Haken, an denen einst Schlüssel gehangen hatten.
Ein älterer Offizier verlangte ihre Papiere. Nachdem er sie kurz studiert hatte, reichte er ihr einen Schlüssel. »Zimmer Nummer vierzehn, im Nebengebäude. Mahlzeiten um sieben, um zwölf und sechs Uhr am Abend.« Sein Englisch war gestochen scharf, das Englisch eines Mannes, de