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Ich schlage die Augen auf und starre ins Dunkel. Ich brauche einen Moment, um mich zu orientieren. Mein Schlafanzugoberteil ist nass geschwitzt, mein Herz rast, ich atme flach und hektisch. Moritz’ Finger haben sich tatsächlich um meine Hand gelegt, aber als ich den Arm erschrocken zurückziehe, hält er mich selbstverständlichnicht fest – seine Hand fällt einfach schlaff auf die Matratze. Ganz entspannt liegt er auf der Seite, sein Kopf sinkt in das weiche Daunenkissen, das braune Haar zerstrubbelt, eine Strähne fällt ihm in die Stirn. Sein Mund steht leicht offen, aber sosehr ich die Stelle auch fixiere, da ist kein Käfer zwischen seinen hübsch geschwungenen Lippen.
Natürlich nicht.
Es war bloß ein Traum, das ist alles.
Einfach nur ein blöder, böser Traum.
Ich horche in mich hinein und warte darauf, dass sich mein Herzschlag verlangsamt, doch nichts dergleichen geschieht. Mein Herz pumpt und pumpt und pumpt. Es pumpt, als würde ich rennen, als würde ich vor etwas fliehen. Und dann, mit einem Mal, glaube ich, ein leises Fiepen zu vernehmen. Ist das die Heizung? Es klingt wie die Heizung. Aber kann das sein? Ist unsere Suite nicht eine von denen, die vor Kurzem renoviert worden sind? Damals wurden doch Fußbodenheizungen eingebaut, und Fußbodenheizungen fiepen nicht. Oder?
Außerdem ist es der fünfzehnte Mai. Die Heizungen laufen seit Wochen nicht mehr.
Mit wackeligen Knien stehe ich auf. Ich tapse ins Badezimmer und schließe die Tür. Um nicht auch noch einen Helligkeitsschock zu bekommen, schalte ich nur das kleine Nachtlicht neben dem Klo an – ebenfalls eine Neuerung nach der Renovierung. Eine ziemlich angenehme, wie ich finde, denn das Nachtlicht reicht gerade so aus, um sich beim nächtlichen Toilettengang in der Dunkelheit zu orientieren.
Auch hier im Bad ist das Fiepen hörbar. Es ist sogar ein bisschen lauter als vorhin.
Bestimmt nur der Widerhall von den Fliesen.
Ich nehme den kleinen Papierdeckel von einem der Zahnputzgläser, fülle es mit Wasser aus dem Hahn und leere es in einem Zug. Ich atme immer noch zu schnell,viel zu schnell, darum gehe ich zum Fenster und öffne es leise. Weit, ganz weit, lehne ich mich hinaus. Ich nehme nichts wahr, nicht den Nachthimmel über der Stadt, nicht die Silhouette der Hausdächer um mich herum, nicht die Türme der Frauenkirche, die sich hell in die Höhe schieben. Ich halte die Augen geschlossen, sauge die kühle Frühlingsluft durch die Nase ein. Ich atme und atme.
Doch das Herzrasen geht nicht weg. Und das Fiepen – es ist sogar noch lauter als gerade eben.
Ist das die berühmte Panik kurz vor der Hochzeit, von der man manchmal liest?
Atme, Hanna. Atme.
Ein ähnliches Gefühl hatte ich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder mal, aber da habe ich es stets zur Seite schieben können. Diesmal offenbar nicht.
Ich gehe zurück ins Schlafzimmer. Wir haben die Verdunkelungsvorhänge vor den Fenstern gestern Abend nur hal