: Julia Hausburg
: Fleeing From Deep Waters Roman. Atmosphärischer New-Adult-Roman der SPIEGEL-Bestseller-Autorin
: Heyne Verlag
: 9783641320218
: Die Deep Waters-Reihe
: 1
: CHF 11.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Den Wellen der Vergangenheit kannst du nicht entfliehen. Nicht einmal auf hoher See ...

Nach einer schmerzhaften Trennung hofft Jules auf einen Neuanfang als studentische Hilfskraft auf der luxuriösen SegeljachtSapient Sailor.Doch seine Pläne werden von einer unerwarteten Mitbewohnerin durchkreuzt: Durch einen Fehler muss er sich seine kleine Kabine mit Elisa teilen, deren überbordender Optimismus und chaotisches Auftreten Jules zur Verzweiflung treiben. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto stärker sprühen die Funken. Als sie eine blinde Passagierin an Bord entdecken, werden ihre aufkeimenden Gefühle füreinander auf eine harte Probe gestellt. Gefangen zwischen Verantwortung und Selbstschutz, Vergangenheit und Zukunft, Leidenschaft und Schuldgefühlen versuchen sie herauszufinden, was ihre Herzen wirklich wollen. Wagen Jules und Elisa gemeinsam den Sprung ins kalte Wasser?

Julia Hausburg wurde 1998 geboren und studierte Bildungswissenschaften, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Katzen in Bayern, liebt warmen Sommerregen und Schreibnachmittage im Café. Ihre »Dark Elite«-Reihe landete auf Anhieb auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Wenn die Autorin nicht gerade an ihrem nächsten Buch arbeitet, findet man sie mit einem spannenden Liebesroman in ihrer eigenen kleinen Bibliothek.

Kapitel 2

Jules

Das Segelschiff hebt sich majestätisch vor der untergehenden Abendsonne ab. Mein Atem stockt, es ist viel größer, als ich es mir vorgestellt habe. Ich schätze die Länge auf ein Fußballfeld, vielleicht sogar eineinhalb. Die cremefarbenen Segel an den fünf Masten sind ordentlich aufgerollt, das Schiff liegt ruhig im Hafenbecken von Los Angeles. Möwen ziehen gierig ihre Kreise über dem Oberdeck, auf der Suche nach Essensresten. Sie werden keinen Erfolg haben, noch ist kaum jemand auf dem Schiff. Die Crew und die Professoren reisen zwar heute schon an, aber die Studierenden folgen erst morgen.

Erleichtert, nach dem langen Flug endlich anzukommen, steige ich aus dem Taxi aus und lasse mir vom Fahrer mit meinem Gepäck helfen. Ich bedanke mich bei ihm und wende mich zum Schiff um. Sofort breitet sich ein Kribbeln in meinem Innern aus. Durch die tiefstehende Sonne wirft dieSapient Sailor einen großen Schatten auf den Pier, in dem die Hitze des Tages erträglich ist. In der Ferne höre ich das regelmäßige Rumpeln, wenn im Hafen Container verladen werden, und das Tuten von Schiffshörnern.

Ich schlinge mir die Gitarrentasche über die Schulter und greife nach dem Henkel des Koffers, um mich in Bewegung zu setzen, als hinter mir ein weiteres Taxi auf den Pier brettert. Es scheint den Hafenbereich mit einemFast&Furious-Film zu verwechseln und driftet mit quietschenden Reifen auf mich zu. Erschrocken mache ich einen Satz zurück, während es abrupt vor mir zum Stehen kommt. Die Tür öffnet sich, und eine Frau steigt aus.

Nein. Ich blinzele heftig. Das kann nicht sein, meine Augen müssen mir einen Streich spielen, weil ich seit mittlerweile zweiundzwanzig Stunden auf den Beinen bin. Doch meine Sitznachbarin aus dem Flugzeug löst sich leider nicht in Luft auf.

Sobald sie auf dem Pier steht, bekreuzigt sie sich. Mir fällt auf, dass sie ein bisschen grün um die Nase ist. Kein Wunder bei dieser Fahrweise. Zum Glück habe ich den Taxirennfahrer nicht erwischt. Dieser stellt einen Koffer neben ihr ab, bevor er sich von ihr verabschiedet und davonrast.

Erst jetzt schaut sie auf, entdeckt mich und hält perplex inne. »Du?«

»Ich bin auch nicht besonders begeistert, dich zu sehen«, erwidere ich, woraufhin sie schuldbewusst den dunkelroten Fleck auf meiner Brust mustert. Es sieht aus, als hätte mich jemand angeschossen. Dass ich nicht von der Polizei angehalten wurde, gleicht einem Wunder. Dafür habe ich am Flughafen haufenweise skeptische Blicke kassiert.

»Arbeitest du auf derSapient Sailor?«, fragt sie.

»Ja, als studentische Hilfskraft.«

»Ich auch! Wahrscheinlich saßen wir deshalb im Flugzeug nebeneinander. Ich bin übrigens Elisa.«

Na super. Meine Hoffnung, sie nach der Landung nie wieder sehen zu müssen, ist damit offiziell zerschlagen. Schlimmer noch, wir werden die nächsten Monate auf demselben Schiff verbringen. Es hat eine Fläche von knapp 3000 Quadratmetern, was ungefähr einem Supermarkt entspricht. Unsere Wege werden sich demnach häufig kreuzen.

»Jules«, murmele ich.

»Eigentlich hätten wir auch mit demselben Taxi herfahren können. Unverschämte hundert Dollar hat der Fahrer von mir verlangt. Dabei hätte er mir diese Summe als Schmerzensgeld zahlen sollen, weil er gefahren ist, als würde er uns beide umbringen wollen!« Elisa schnaubt, bevor sie zu lächeln beginnt. »Wie auch immer, jetzt sind wir ja hier. Ich freue mich