Kapitel 1
Tanner
»Hey, Green! Wirst du mir da draußen heute den Arsch retten, oder wirst du einfach nur rumstehen und hübsch aussehen?«, fragt Hunter Browning, Star-Quarterback der San Diego Lightnings – und einer meiner engsten Freunde seit zehn Jahren –, als wir zum Start der zweiten Woche des Trainingslagers aufs Feld gehen.
»Nur kein Neid«, antworte ich, nachdem ich ihm beiläufig den Mittelfinger gezeigt habe. »Es ist nicht leicht, so schön zu sein.«
»Ich kann mir vorstellen, wie sehr du leiden musst.« Mit gespielt ernster Miene klopft er mir auf den Rücken. »Aber jetzt mal ernsthaft: Hast du den neuen Trick gesehen, den wir heute probieren sollen? Diesen Spielzug? Wie zum Teufel willst du bis zur Hälfte der Sequenz verhindern, dass ich geblitzt werde,und deinen Arsch dort hinkriegen, wo der Coach ihn haben will?«
»Deswegen zahlt man mir die fette Kohle, Baby«, sage ich zu ihm, während wir durch den Tunnel aufs Feld laufen. »Diese Füße haben Flügel.«
»Aus Beton vielleicht«, sagt Shawn Wilson mit einem Schnauben, als er vorbeijoggt.
»Warum sind wir noch mal Freunde?«, rufe ich ihm nach.
Er grinst. »Weil ich dich und Hunter gut aussehen lasse. Offensichtlich.«
»Und da dachte ich, das wäre, weil wir so groß in Sachen Wohltätigkeit sind«, zieht Hunter ihn auf.
»Ja, wenn Wohltätigkeit heißt, in meinem Fahrwasser zum Superbowl zu schwimmen.« Er reißt die Knie hoch, als er mit einem kleinen extraFuck you vorbeirennt.
»Hey jetzt, nur weil du der schnellste Wide Receiver in der Liga bist, bedeutet das nicht, dass du dich deswegen wie ein Arsch benehmen musst«, sage ich zu ihm, während ich die Geschwindigkeit steigere. »Schon gar nicht, nachdem ich dich in diesem Sommer zweimal geschlagen habe.«
»Da wollte ich jeweils nur großzügig sein.« Er verlangsamt sein Tempo zu einer Schrittgeschwindigkeit, sodass wir ihn einholen können. »Dir einen Knochen hinwerfen, damit du dich besser fühlst, weil du immer Letzter wirst.«
»Oh, richtig. Schätze, das hätte ich im Kraftraum für dich tun sollen, was? Mein Fehler.«
Diesmal ist er es, der mir den Mittelfinger zeigt, während Hunter sich vor Lachen einen abbricht.
»Nein, wirklich. Wie viel kannst du mit diesen dürren Ärmchen gleich wieder bankdrücken? Zweiundzwanzig Reps mit zweihundertfünfundzwanzig?«
»Alter, nur weil du ein genetischer Freak bist, heißt das nicht, dass es der Rest von uns auch sein muss«, antwortet er und verdreht die Augen. »Niemand außer dem Hulk kann drücken, was du drückst.«
»Sei nicht verbittert. Was du machst, ist auch wichtig.«
Shawn schnaubt. »Worüber soll man da verbittert sein? Du stehst buchstäblich einfach nur so da.«
Jetzt bin ich an der Reihe zu lachen. »Wir könnten ja mal Plätze tauschen. Du weißt schon, ich mache den Run, und du blockst die gesamte Defensive Line.«
Er zeigt mir noch mal den Mittelfinger.
»Herrje! Und da dachte ich, bei all dem Yoga, das du in letzter Zeit machst, solltest du Zen-mäßig ausgeglichen sein«, neckt ihn Hunter, als wir aus dem Tunnel hinaus aufs Feld treten.
»Willst du mich verarschen?«, frage ich ihn. »Sage mag zwar Wunder wirken können, aber sogar sie stößt bei unserem Jungen hier an ihre Grenzen.«
»Ich bin hundertmal ausgeglichener als Sage, vielen Dank auch.«<