PROLOG
Der Atem des Abgrundes begrüßte mich wie einen alten Freund. Stoßartig strömte die Luft aus dem Inneren der Erde hervor, eine Mischung aus Metall und Kälte, die mein Blut in Wallungen brachte – wenn da nicht das ständige Hupen der Autos gewesen wäre. Es störte diesen magischen Moment, einen Augenblick, den ich seit meinem Eintreffen in London herbeigesehnt hatte: den Eintritt in die Katakomben, jene Bereiche unterhalb der Stadt, die einst nur U-Bahn-Tunnel beherbergt hatten.
Unschlüssig betrachtete ich die unbarmherzigen Arme der Finsternis, die erst den Tourguide und dann alle weiteren Abenteuerlustigen erfassten. Nach und nach passierten sie die Barriere zwischen der hellen und der dunklen Welt.
Das Smartphone in meiner Umhängetasche vibrierte, eine leise Erinnerung an die panischen Nachrichten meiner Kommilitonin Amy, die sich auf dem Weg hierher immer weiter angehäuft hatten. Ich seufzte lautlos, die ungelesenen Nachrichten lagen inzwischen im dreistelligen Bereich. Die angezeigte Vorschau: »Tu das nicht, Maeve! Du musst niemandem etwas beweisen!«, wurde sofort von einer neuen Nachricht davongeschwemmt. Ich steckte das Telefon weg, ohne den Nachrichtendienst zu öffnen. Denn Amy irrte sich.
Hinabsteigen in die Dunkelheit, jedem einzelnen dieser verdammten Arschlöcher zeigen, dass ich sehr wohl das Zeug zum Mudlark hatte – ichwollte das, mehr als alles andere. Auch wenn es bedeutete, ein Risiko einzugehen.
»Die junge Dame mit den roten Haaren, beeilen Sie sich!«
Der Ausruf der Kartenverkäuferin beendete mein Grübeln, sodass ich mich eilends in Bewegung setzte – obwohl es in meinem Inneren brodelte.Junge Dame. Ja, so sah sie mich, die Verkäuferin hinter dem Glas und wohl auch die gesamte Welt. Es brachte nichts, sie zu korrigieren. Ich unterdrückt