Meine Welt bestand aus Wasser. Ein rauschender Vorhang anstatt Fenstern, dahinter ein Hunderte Meter tiefer Abhang ohne Aussicht auf Flucht – denn man hielt mich gefangen. Weder Gitterstäbe noch Schlösser fesselten mich, nur das Licht des Energiekristalls erreichte mich durch den nassen Schleier von jenseits des Wasserfalls. Doch es blieb ein Gefängnis und ich allein.
Es gab keine Tür, nur einen zweiten Wasservorhang, wesentlich kleiner als jener an der Wand. Kräftiger toste das Wasser hinab, sein Brausen gewaltig genug, mich zu verletzen, falls ich ihn zu durchqueren versucht hätte. Nur einmal am Tag setzte das Sprudeln aus, jedes Mal, kurz bevordey diesen Raum betrat. So wie jetzt.
Ich hob den Kopf, als ich deren Stimme vernahm: ein tiefes Brummen in der Sprache der Unterwelt. Sie verhallte zeitgleich mit dem Rauschen; dey schob sich in den Raum: die grauen Augen kalt, das Gesicht eine starre Grimasse, die Härte ausstrahlte.
Es gab keine Stühle, nicht einmal ein Bett. Nur ein gewöhnungsbedürftiges Nest aus grünlichen Pflanzen auf dem kargen Boden, wenigstens versorgten sie mich regelmäßig mit Nahrung, Wasser konnte ich von dem dünnen Wasserschleier schöpfen. Doch außer jenem Unterweltler bekam ich niemanden zu Gesicht – wahrscheinlich handelte es sich um den einzigen Bewohner dieser Stadt, der meine Sprache beherrschte.
»Wo ist Blaise?«
Jeden Tag aufs Neue stellte ich diese Frage, ohne eine Antwort zu erhalten. Mit Gewalt hatten sie uns voneinander getrennt, am Tag unserer Ankunft, direkt nach dem Kampf gegen den Wächter. Keine Erklärungen, niemand, der mir zuhörte. Seither hatte ich Blaise nicht wiedergesehen.
Der Unterweltler vor mir starrte mich an und verschränkte die Arme.
»Wie bist du an die Zeichnung des Wächters gekommen?« Es überraschte mich immer wieder, wie gut dey meine Sprache beherrschte, stammte dey schließlich aus einer so weit von der Oberfläche entfernten Tiefenschicht. Nur die Sprachmelodie gab einen Hinweis auf die Herkunft unter Tage, allein Selvice hatte akzentfrei gesprochen. Ich kräuselte die Nase, doch nicht wegen deren Sprachfähigkeiten.
»Wie oft soll ich euch das noch sagen? Hast du es bei den ersten zehn Malen nicht verstanden oder warum fragst du mich das immer wieder?« Allmählich wa