: Florian Schwiecker, Prof. Dr. Michael Tsokos
: Der zweite Verdächtige Justiz-Krimi | Der 5. Justiz-Krimi des SPIEGEL-Bestseller-Duos Florian Schwiecker& Michael Tsokos - das große Finale von »Eberhardt& Jarmer ermitteln«
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426446263
: & Jarmer ermitteln
: 1
: CHF 10.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was, wenn du unschuldig bist, aber sämtliche Beweise gegen dich sprechen? Im 5. Justiz-Krimi des SPIEGEL-Bestseller-Duos Florian Schwiecker& Michael Tsokos müssen Anwalt Rocco Eberhardt und Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer gegen Machtmissbrauch, Blind Spots und Vorurteile im Justizsystem kämpfen. Strafverteidiger Rocco Eberhardt steht vor einem Rätsel: Sein neuer Mandant, Jan Staiger, soll in einem Berliner Nachtclub einen Bekannten mit Liquid Ecstasy vergiftet haben. Doch Staiger beteuert hartnäckig seine Unschuld. Rocco glaubt ihm und setzt alles daran, ihn freizubekommen. Als es ein weiteres Todesopfer gibt, das ebenfalls in einem Club mit Liquid Ecstasy vergiftet wurde, wendet sich das Blatt. Die vorgelegten Beweise sprechen eindeutig gegen Staiger, und die Anklage lautet jetzt auf Doppelmord. Kann Rocco seinem Mandanten wirklich vertrauen? Als Rocco die einzelnen Ermittlungsschritte und Spuren noch einmal überprüft, tun sich ungeahnte Abgründe auf. Und mehr denn je ist er auf die Hilfe von Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer angewiesen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Temporeicher Justiz-Thriller mit Insiderwissen zweier Top-Experten und Bestseller-Autoren Der ehemalige Strafverteidiger Florian Schwiecker und der Rechtsmedizinier Prof. Dr. Michael Tsokos gewähren spannende und aufsehenerregende Einblicke in die Arbeit von Polizei, Rechtsmedizin, Staatsanwaltschaft und Gericht. Und decken ebenso erschreckende Abgründe auf: Homophobie, Machtmissbrauch, bias-based Profiling. Ein Kriminalroman der Extraklasse: hochspannend und am Puls der Zeit, temporeich und authentisch bis zum überraschenden Ende. Die Justiz-Krimis der Krimi-Reihe »Eberhardt& Jarmer ermitteln« sind in folgender Reihenfolge erschienen: - Die siebte Zeugin - Der dreizehnte Mann - Die letzte Lügnerin - Der 1. Patient - Der zweite Verdächtige

Florian Schwiecker ist 1972 in Kiel geboren und hat viele Jahre in Berlin als Strafverteidiger gearbeitet. Während seiner Tätigkeit für ein internationales Wirtschaftsunternehmen in den USA entstand die Idee zu seinem ersten Thriller 'Verraten'. Seit einigen Jahren ist er im Management eines führenden globalen Unternehmens im Bereich Künstlicher Intelligenz in der Medizin tätig und hält Vorträge dazu in der ganzen Welt. Florian Schwiecker empfiehlt regelmäßig Krimis in seiner Thriller-Kolumne auf freundin.de. Folgen Sie Florian Schwiecker auf Instagram: @florianschwiecker

14. Kapitel


Berlin-Moabit,JVA, Untersuchungsgefängnis, Montag,7. August,12.59 Uhr

Rocco hatte im Lauf der Jahre die unterschiedlichsten Menschen vertreten. Und mit der Zeit hatte er gelernt, sie zu lesen. Von brutalen, rücksichtslosen Schwerverbrechern über Einmaltäter, die selbst Opfer ihrer überschäumenden Emotionen geworden waren, bis hin zu den wenigen, die tatsächlich unschuldig waren.

Jan Staiger konnte er auf den ersten Blick in keine dieser Kategorien einordnen, was ungewöhnlich war. Er sah dem jungen Mann in die geröteten Augen und erkannte darin weder Schuld noch Unschuld.

Staiger hielt Roccos Blick nur kurz stand und fummelte dann eine Schachtel Zigaretten aus seiner Tasche. »Kann man hier rauchen?«, fragte er.

»Klar«, erwiderte Rocco.

Staiger zündete sich eine Zigarette an, schloss die Augen und sog den Rauch tief in seine Lunge. Dreimal. Als er seine Augen wieder öffnete, wirkte er ruhiger. Das Nikotin schien zu wirken. Die Unsicherheit, die ihn eben noch umgeben hatte, war gleichfalls wie weggeblasen. Mit einem geradezu hochmütigen Ausdruck musterte er Rocco von oben bis unten.

»Sind Sie wirklich Rocco Eberhardt? Der Anwalt aus dem Fernsehen?«

»Warum fragen Sie?«

»Ich hatte Sie mir größer vorgestellt. Außerdem mit Anzug und so. Irgendwie anders.«

Rocco ignorierte die Bemerkung. Er war es gewohnt, dass seine Mandanten erst einmal checken wollten, woran sie bei ihm waren. Ob sie ihm vertrauen und wie weit sie gehen konnten. Generell galt die Faustregel: Man hat etwa dreißig Sekunden Zeit, um seinem Gegenüber klarzumachen, dass man der Chef im Raum ist. Erstaunlicherweise war es genau das, was die meisten Straftäter brauchten. Sie trauten ihrem Anwalt nur, wenn sie ihn respektierten.

»Weil ich gerade keinen Anzug trage, bin ich nicht weniger ein Anwalt. Tatsächlich ist heute eigentlich mein freier Tag, und bin lediglich aufgrund der Empfehlung des Kollegen Humke hier. Harald Humke, der Sie gestern in Tempelhof vertreten hat.«

»Und der mir nicht weiterhelfen wollte«, fügte Staiger zynisch hinzu.

»Spielt das eine Rolle?«, entgegnete Rocco. »Er hat gestern seine Arbeit erledigt, und wenn wir beide uns einig werden, kann ich Ihnen ab jetzt weiterhelfen.«

»Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich Sie als Anwalt haben will«, erwiderte Staiger.

»Das ist Ihre Entscheidung. Es steht Ihnen natürlich frei, sich von einem anderen Anwalt vertreten zu lassen«, hielt Rocco ihm entgegen und blickte ihn mit festem Blick direkt an. Von einem Moment auf den anderen fiel Staigers Selbstbewusstsein in sich zusammen. Die Positionen waren geklärt. Staiger realisierte, dass er Rocco dringender brauchte als der ihn.

Nervös blickte er sich um. Rocco, der sofort wusste, was Staiger suchte, holte den billigen Blechaschenbecher von der Fensterbank. Er stellte ihn vor Staiger auf den Tisch und setzte sich wieder.

»Und wie geht es jetzt weiter?«, fragte Staiger.

»Vielleicht sagen Sie mir einfach mal, warum Sie hier sind«, sagte Rocco und lehnte sich in dem in die Jahre gekommenen Behördenstuhl zurück.

»Keine Ahnung. Weiß ich nicht.«

Natürlich, dachte Rocco,das weiß ja keiner. Doch anstatt mit einer spitzen Bemerkung auf den Satz einzugehen, den er schon Hunderte Male zuvor von Menschen in Staigers Situation gehört hatte, schwieg er einfach. Er wollte Staiger erst einmal seine Version der Dinge erzählen lassen, ohne ihn mit irgendwelchen Fragen in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Staiger schwieg.

Eine knappe Minute, die sehr lang war, saßen sich die beiden wortlos gegenüber. Bis Staiger die Stille offensichtlich nicht mehr ertragen konnte.

»Ich weiß auch nicht. Irgendwie ist das alles scheiße gelaufen.« Er zog an seiner Zigarette. »Ich hatte mich Freitagabend mit Lukas imKönigssohn getroffen. Wir wollten einfach was trinken. Und quatschen und so.« Staiger schüttelte den Kopf. »Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, sind diese Bullen. Die haben mich Sonntagfrüh aus dem Bett geklingelt, in die Wohnung zurückgedrängt und mir Handschellen angelegt. Und dann haben die meine Bude auseinandergenommen.« Staiger aschte seine Zigarette ab. »Dass ich Lukas ermordet haben soll, hat der Oberbulle behauptet. Und mich dabei so hämisch angegrinst. Sonst haben sie nichts gesagt. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass Lukas tot ist!«

Sta