: Michael Böhm
: Zwei kleine Galerien unsterblicher Namen - E-Book-Bundle
: Bookspot Verlag
: 9783956692208
: 1
: CHF 5.40
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 421
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wer von uns hat nicht schon einmal im Stillen überlegt - vielleicht, weil man gerade das Buch einer bekannten Autorin gelesen oder aber das Gemälde eines berühmten Künstlers betrachtet hat -, wie es wäre, in deren Leben hineinzusehen? Zumindest einmal einige Schritte neben ihnen zu gehen? Mit den hier versammelten Geschichten aus der Geschichte ermöglicht Michael Böhm Begegnungen mit großen Persönlichkeiten, deren unsterbliche Namen noch heute nachklingen. Und wen fasziniert der Gedanke nicht, zu entdecken, wie wohl Marie Curie, Maria Stuart oder Lawrence Durrell gewesen sind? Eine literarische Annährung an große Persönlichkeiten von Michael Böhm - lebendig, poetisch, lebensecht. Zwei zauberhafte Galerien unsterblicher Namen, die in diesen Erzählungen fortleben. »Mit großem erzählerischen Geschick« (Süddeutsche Zeitung) begibt sich Michael Böhm auf die Spur bemerkenswerter Frauen und erträumt sich dabei deren fiktive Lebenswirklichkeit. Ob als verkleidete Geburtshelferin im antiken Athen, als erste Doktorin der Chemie oder als im Schatten forschende Ingenieurin der NASA: Michael Böhm zeigt bedeutende Frauen, die sich für ihre Ziele eingesetzt und entgegen aller Widerstände für diese gekämpft haben. Er lässt die Pianistin Clara Schumann in Erinnerungen schweifen, gewährt einen Blick hinter die Kulissen von Helene Weigels Leben im Exil und erzählt von Marilyn Monroe abseits des Scheinwerferlichts. Wir folgen Elisabeth von Österreich und Romy Schneider zu einem unerwarteten Treffen auf der Roseninsel, begleiten George Sand nach Mallorca und verbringen einen Novembertag mit der Schriftstellerin Luise Rinser.

Michael Böhm, der im Ruhestand in der Nähe von München lebt, schreibt seit seiner Jugendzeit. Der erste Teil seiner »Petermann«-Trilogie mit dem Titel »Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe« wurde 2014 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert, im Jahr 2016 erhielt er die begehrte Auszeichnung für den zweiten Band »Herr Petermann und das Triptychon des Todes«. Mit »Quo vadis, Herr Petermann?« schloss er die Reihe im selben Jahr ab. 2018 kooperierte er mit Dieter Hentzschel für den gemeinsamen Kriminalroman »Dinner mit Elch« und widmete sich dann »Träume am Ende des Weges«, einer zauberhaften Galerie großer Persönlichkeiten. In den Jahren 2020 bis 2022 kehrte Michael Böhm dann mit seinen kriminologischen Gesellschaftsporträts »Die zornigen Augen der Wahrheit«, »Mein Freund Sisyphos« und »Der verborgene Gast« zum Spannungsgenre zurück.

Bis an das Ende der Welt


Heinrich der Seefahrer – Ein Essay


Eine Tafel am Eingang zur geheimnisumwitterten Seefahrerakademie in Sagres im Algarve erinnert an den Prinzen Heinrich:

»Aeternum sacrum! Von dieser Stelle aus hat der große Prinz Heinrich, Sohn Johanns I., König von Portugal, es unternommen, die vorher unbekannten Regionen von Westafrika zu erforschen und um Afrika herum einen Weg zu den entlegenen Ländern des Orients zu suchen. Er hat auf eigene Kosten sein Schloss, die berühmte Schule der Kosmographie, das astronomische Observatorium und das Seearsenal errichtet und bis an sein Lebensende mit bewunderungswürdiger Ausdauer erhalten, gefördert und erweitert zum größten Segen der Wissenschaft … Als seine Expeditionen den 8. Grad nördlicher Breite erreicht hatten, als manche Insel im Ozean entdeckt und mit portugiesischen Kolonien versehen war, starb dieser große Prinz am 13. Nov. 1460 …«

Prinz Heinrich von Portugal ist eine geheimnisumwitterte Figur der Geschichte, sogar eine zwiespältige, egal von welchem Blickwinkel aus man das wenige, welches man sicher von ihm weiß, auch betrachten mag.

Sofern an Geschichte interessiert, begegnet einem Interessierten immer wieder dieser Name, es ist nie viel, meist nur Bruchstückhaftes. Heinrich ist nur eine Randfigur der Weltgeschichte. Andere Namen überstrahlen ihn ganz leicht mit ihrem Nachruhm. Doch mit dem Zusatz zu seinem Namen, vermag er sich doch im fantasiebegabten Gedächtnis verankern: »Der Seefahrer«. Wen, welchen Mann bedachten da die Chroniken mit diesem ungewöhnlichen Beinamen? Hatten nicht viele andere glorreiche Figuren der Geschichte »der Große« als Zusatz hinter ihrem Namen? »Der Seefahrer« war einmalig, ließ Abenteuer ahnen, roch er doch nach Ferne und Träumen.

Wer war dieser Heinrich?

Vor Jahren bin ich ihm, Heinrich dem Seefahrer, begegnet, nicht persönlich natürlich, nur virtuell. Ich stand dort, wo auch er einst stand. In Sagres, auf dem Kap Sao Vincente, in der äußersten Südwestecke Portugals, im Algarve, wo jeder Besucher den heute noch eindrucksvollen Ort der ehemaligen Seefahrerakademie des Prinzen auf sich wirken lassen kann. Von diesem mächtigen, tief in ein wütend brausendes Meer abfallenden Felsen aus organisierte Heinrich seine Expeditionen ins Unbekannte. Der Prinz war ohne ein damals bekanntes Vorbild an diese Aufgabe herangetreten, ohne sich auf irgendwelche Erfahrungen stützen zu können, ohne schnelle Ergebnisse vor Augen zu haben, ohne eigentlich mit Erfolgen überhaupt rechnen zu können. Zudem kämpfte er von Anfang an gegen das Unverständnis seiner Umgebung.

Wer also war dieses Phantom der Geschichte?

Ich hatte Sagres gesehen, kehrte von der Urlaubsreise heim und »der Seefahrer« ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Schnell stellte ich fest, dass die Literatur über Heinrich nicht gerade eine Bibliothek füllt, nicht mal eine kleine. Die brauchbaren Quellen sprudelten nur spärlich. Was ich fand, sichtete, verglich, war oft widersprüchlich, in manchen Angaben sogar fehlerhaft. So wurde Heinrich, um ein Beispiel zu nennen, direkt mit Kolumbus in Verbindung gebracht, der jedoch im Todesjahr des Prinzen, 1460, noch ein Kind war.

In einigen Texten wird das Wirken Heinrichs, die Existenz seiner Akademie in großen Teilen, manchmal sogar gänzlich angezweifelt. Hat es den Prinzen überhaupt gegeben?

Gerade solche Punkte reizten mich, Heinrich weiter auf der Spur zu bleiben. Meine Sammlung über den portugiesischen Königssohn und seine Zeit wuchs langsam, aber doch stetig. Werden sich vielleicht die Lücken schließen, für die noch Vermutungen oder die Fantasie herhalten müssen?

Wenn ich auf den folgenden Seiten von diesem besonderen Mann erzählen will, seinen letzten Tag mit seiner Lebensgeschichte verwebe, erhebe ich nicht den Anspruch der Vollständigkeit und auch nicht den der reinen Wahrheit. Es soll nur der Versuch einer Annäherung an Heinrich den Seefahrer sein.

1 TAGESANBRUCH


Der halb nackte Mann ist nur noch Haut und Knochen. Völlige Stille umgibt ihn. Durch das eine größere und das zweite kleinere Fenster graut der neue Tag herein in die mehr als karge Klause. Mit brennenden Augen starrt der Mann hinauf zur tiefdunklen Decke. Irgendwann in der Nacht, er hatte es nur kurz im Halbschlaf wahrgenommen, rüttelte ein starker Wind an dem Haus. Unbewusst hatte er entschieden, dass der Wind nicht die Kraft zu einem S