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Es war ein ruhiger Tag, also saß ich am Tresen, las in einem Buch und blickte in die Zukunft.
Nur zwei Kunden waren im Laden. Einer war ein Student mit wirren Haaren, der sich immer wieder nervös umsah. Er stand am Regal mit den Kräutern und Pulvern und hatte die Entscheidung, was er kaufen wollte, bereits vor zehn Minuten getroffen. Allerdings musste er noch den Mut aufbringen, mich danach zu fragen. Der andere Kunde war ein Junge in einem Linkin-Park-Shirt, der sich eine Kristallkugel ausgesucht hatte, die er erst dann zur Kasse tragen wollte, wenn der andere Typ gegangen war.
Der Junge war mit dem Fahrrad da, und in fünfzehn Minuten würde ein Verkehrspolizist vorbeikommen und ihm einen Strafzettel verpassen, weil er das Rad am Zaun festgemacht hatte. Danach würde ich einen Anruf erhalten, bei dem ich ungestört sein wollte, also legte ich das Taschenbuch auf den Tresen und blickte den Studenten an.
»Kann ich dir helfen?«
Er zuckte zusammen, kam zu mir, wobei er sich kurz nach dem Jungen umblickte, und sagte leise: »Äh, hallo. Hast du …«
»Nein. Ich verkaufe keine Zauberbücher.«
»Nicht einmal …?«
»Nein.«
»Gibt’s eine Möglichkeit, wo ich nachsehen könnte?«
»Der Zauberspruch, den du im Sinn hast, wird nichts Schlimmes anrichten. Probier ihn einfach aus, dann rede mit dem Mädchen und schau, was passiert.«
Der Student starrte mich an. »Das wusstest du wegen denen hier?«
Die Kräuter in seiner Hand hatte ich nicht einmal angesehen, aber die Erklärung war genauso gut wie jede andere auch. »Willst du eine Tüte?«
Er steckte Verbene, Myrrhe und Weihrauch in die Tüte, die ich ihm gab, und bezahlte, während er mich immer noch voller Ehrfurcht anstarrte, dann ging er. Sobald die Tür hinter ihm zugefallen war, kam der andere Junge zu mir und fragte betont lässig nach dem Preis für die zweitgrößte Kristallkugel. Ich machte mir nicht die Mühe nachzusehen, wofür er sie haben wollte – mit einer Kristallkugel kann man wohl nur Schaden anrichten, indem man sie sich gegen den Kopf haut, und das ist immerhin mehr, als man von anderen Dingen behaupten kann, die ich in meinem Laden verkaufe. Sobald auch der Junge mit der Papiertüte in der Hand gegangen war, stand ich auf, trat zur Tür und drehte das Schild um, von »Geöffnet« zu »Geschlossen«. Durch das Fenster sah ich, wie der Junge auf das Fahrrad stieg und davonfuhr. Etwa dreißig Sekunden später lief der Verkehrspolizist vorbei.
Mein Laden befindet sich in Camden Town, einem Stadtteil Londons, der nördlich des Zentrums liegt. Es gibt da einen Ort, an dem der Kanal, drei Brücken und zwei Bahnlinien aufeinandertreffen und eine Art urbanen Kreuzknoten bilden, und meine Straße liegt genau in der Mitte. Die Brücken und der Kanal zäunen das Gebiet gut ein, und so ist es fast eine Oase mitten in der Stadt. Von den Zügen abgesehen ist es hier überraschend ruhig. Ab und an gehe ich auf das Dach und blicke über den Kanal und die merkwürdig geformten Dachfirste. Manchmal, am Abend und am frühen Morgen, wenn der Verkehrslärm und das Licht gedämpft sind, fühlt es sich fast wie das Tor zu einer anderen Welt an.
Auf dem Schild über der Ladentür steht Arcana Emporium. Darunter hängt ein kleineres Schild, auf dem einige der Dinge abgebildet sind, die ich verkaufe – Werkzeuge, Reagenzien und Fokusgegenstände, solche Dinge eben. Man sollte meinen, »Zauberladen« wäre einfacher, aber ich hatte die Schnauze voll von all den Leuten, die nach Zauberringen und gezinkten Karten fragten. Also schloss ich einen Deal mit einem Laden für Bühnenzauberbedarf, d