1 Vorspiel
Valentin
Ich bemühte mich, keine Miene zu verziehen, während ich durch die ersteMorning Glory Ausgabe meiner Präsidentschaft scrollte und mein eigenes »Porträt« las wie das eines unehelichen Sohnes von Hugh Hefner mit Vegas-Vergangenheit. Amüsant.
DerMorning Glory war schlechter recherchiert und noch reißerischer als diese zweitklassigen Klatschmagazine, die mit retuschierten Promi-Gesichtern um Body Positivity warben, um ironischerweise ein paar Seiten später die besten Abnehmtricks anzupreisen. Die aus Schnappschüssen Skandale strickten und aus Schlagzeilen Shitstorms.
Aber so war die Welt nun einmal, besonders für die privilegierte Elite, die besser früher als später lernte, souverän durch das Blitzlichtgewitter der Öffentlichkeit zu navigieren.
Wer ganz oben steht, kann umso tiefer fallen …
Deswegen nahm ich all das zur Kenntnis, filterte die relevanten Informationen heraus und wechselte kurz die App, um eine Notiz für eine spätere Recherche zu machen.
Da sah ich aus dem Augenwinkel, wie Nicoley auf mich zukam. In einer Welt, in der die meisten Freundschaften so flüchtig und falsch waren wie billige Parfüms, hatten wir es irgendwie geschafft, seit unserer Kindheit befreundet zu bleiben – und diese Freundschaft selbst dann zu erhalten, als wir uns letztes Jahr in die zwei gegnerischen Häuser von St. Gloria eingeschrieben hatten.
Seit heute war das anders. Jetzt waren wir wohl Rivalen.
»Wie war Paris?«, fragte ich, oh