Kapitel 1
Dianna
Im Ernst jetzt? Ihr wollt doch diese uralten, von allen gefürchteten Krieger sein, und nun kriegst selbst du es mit der Angst zu tun? Dabei steht euch das Schlimmste erst noch bevor.«
Wieder holte ich aus, und diesmal traf meine Faust seine Wange. Sein Kopf wurde zur Seite gepeitscht, und die Knochen knirschten unter der Wucht meines Schlages. Kobaltblaues Blut spritzte über den Parkettboden des Arbeitszimmers, das im oberen Stockwerk dieser überdimensionalen Villa lag. Der gefesselte Celestrier schüttelte ein weiteres Mal den Kopf, bevor er sich wieder aufrichtete. Er starrte mich an, sein Gesicht war blutverschmiert und seine Stirn vor Schmerz gerunzelt.
»Deine Augen«, stieß er zwischen aufgeplatzten, geschwollenen Lippen hervor und hielt kurz inne, um mir Blut vor die Füße zu spucken. »Ich weiß, was du bist.« Er hatte erbittert gekämpft, vor Schweiß und Blut klebte ihm das Haar am Kopf. Seine Hände waren auf dem Rücken gefesselt, und seine Muskeln spannten sich unter dem zerrissenen Stoff seines vormals so tadellosen Anzugs. Er sackte auf dem Stuhl zusammen, der in der Mitte des ehemals glanzvollen Raums stand. »Aber es ist unmöglich. Du kannst nicht existieren. Die Ig’Morruthen sind im Krieg der Götter umgekommen.«
Ich hatte mein Leben nicht als Ig’Morruthen begonnen, aber ich war zu einer geworden, und meine Augen würden mich immer verraten. Wenn ich wütend, hungrig oder alles andere als menschlich war, brannten sie wie zwei glühende Kohlen – ein Erkennungszeichen unter vielen, das bewies, dass ich keine normale Sterbliche mehr war.
»Ah ja, der Krieg der Götter.« Ich legte den Kopf schräg und musterte ihn. »Wie ist der noch mal abgelaufen? Ach ja, richtig: Vor Tausenden von Jahren ging eure Welt unter, verbrannte und stürzte auf unsere Welt, wodurch Leben und Technologie hier verwüstet wurden. Und jetzt geben deine Leute und du so ziemlich die Regeln vor, stimmt’s? Die Welt weiß jetzt von Göttern und Monstern, und ihr seid die großen Wohltäter, die alle Bösewichte in Schach halten.«
Ich ging zu ihm und stützte mich auf die Stuhllehne, als er versuchte, den Kopf wegzudrehen. »Weißt du, was euer Absturz mit meiner Welt angestellt hat? Während ihr alle mit dem Wiederaufbau beschäftigt wart, brach in meiner Heimat in den Wüsten von Eoria eine Seuche aus. Weißt du, wie viele gestorben sind? Interessiert dich das überhaupt?«
Als er schwieg, ließ ich die Stuhllehne los und richtete mich auf. Die Knöchel meiner erhobenen Hand waren feucht von seinem Blut. »Ja, das dachte ich mir. Hm, dein Blut ist blau, also ist wohl doch nicht alles so, wie es scheint.«
Als ich vor ihm in die Hocke ging, knirschten Glassplitter unter meinen Sohlen. Das einzige Licht drang aus dem Flur durch die Tür und beleuchtete das Schlachtfeld von einem Arbeitszimmer. Herausgerissene Buchseiten und alle möglichen anderen Trümmer bedeckten den Boden ebenso wie der Schreibtisch, gegen den ich den Celestrier geschleudert hatte und der unter ihm zusammengekracht war.
Wegen dieses Mannes waren wir hergekommen, und obwohl es unwahrscheinlich war, dass genau das Artefakt, das Kaden suchte, hier sein würde, sah ich trotzdem nach. Mein gefesselter und verprügelter Celestrier sagte nichts, während er mir dabei zusah, wie ich die Ruinen des Zimmers durchstö