PROLOG
DAS CHARMANTE KENNENLERNEN
30. August 1999
JOEY
»DU MUSST NUR den Kopf unten halten und dein Temperament zügeln. Du bist ein schlauer Junge. Du schaffst das. Halt einfach deine Zunge im Zaum und lass dich nicht von irgendwelchem Unsinn provozieren. Willst du, dass ich mit dir reingehe?«
»Auf keinen Fall.«
»Es ist okay, nervös zu sein, Joey.«
»Ich bin nicht nervös.«
»Und es ist auch okay, Angst zu haben.«
»Sehe ich aus, als hätte ich Angst?«, knurrte ich, genervt von seiner ständigen Bemutterung. »Ich bin kein Baby, Dar.«
»Ich weiß, dass du kein Baby bist«, gab mein großer Bruder nach, als wir den Weg zur Ballylaggin Community School gingen – einen Weg, der jeden Wochentag in den letzten sechs Jahren auch seiner gewesen war. Seine Zeit an der weiterführenden Schule war jetzt vorbei, während meine gerade erst begann. »Ichwill einfach, dass das hier gut für dich läuft.«
»Ja«, schnaubte ich. »Nun, wir wissen beide, das wird nicht passieren.«
»Das ist dein Neuanfang, Joey«, sagte er. »Was in der Grundschule passiert ist, liegt jetzt hinter dir. Schleppe nicht diesen ganzen Ärger mit dir herum.«
»Es gibt keine Neuanfänge«, zog ich das Wort in die Länge. »Nur verschiedene Orte voll desselben Mists.«
»Du bist zu jung, um so zynisch zu sein.«
»Und du bist zu klug, um deine Zeit und deinen Atem für diese Motivationsrede zu verschwenden«, entgegnete ich. »Ich bin nicht Shannon, Kumpel. Ich brauche weder die Worte noch das Händchenhalten.«
»Ist es so falsch von mir, dich an deinem ersten Tag an der weiterführenden Schule sehen zu wollen?«
»Das hättest du auch zu Hause machen können«, erinnerte ich ihn.
»Du musstest mich nicht zur Schule bringen. Ich bin kein Baby.«
»Du bist mein kleiner Baby-Bruder.«
»Ich war nie irgendjemandes Baby, Dar.«
»Immer so selbstständig.« Mit einem Kopfschütteln schenkte er mir ein wehmütiges Lächeln. »Vielleicht wollte ich einfach noch etwas mehr Zeit mit dir verbringen.«
»Wir teilen uns ein Zimmer«, entgegnete ich trocken und verlagerte das Gewicht meines einem Schulranzen ähnelnden Rucksacks auf die andere Schulter.
»Wir verbringen doch schon genug Zeit miteinander.«
»Ich hab dich lieb, Joey«, platzte er heraus. »Das weißt du doch, oder?«
»Du hast michlieb?« Mit taumelnden Schritten drehte ich mich zu ihm um und sah zu ihm hoch. »Was zum Teufel ist los mit dir?«
»Nichts«, antwortete er mit emotionsgeladener Stimme