: Amber Smith
: The way I used to be Ausgabe ebook
: Adrian& Wimmelbuchverlag
: 9783985852376
: 1
: CHF 4.50
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Alles, was Eden will, ist die Uhr zurückdrehen. Um diesen Tag noch mal zu leben. Sie würde alles anders machen. Nicht über seine Witze lachen und ignorieren, wie er sie an diesem Abend ansah. Und sie würde definitiv ihre Schlafzimmertür abschließen. Aber Eden kann die Zeit nicht zurückdrehen. Also begräbt sie die Wahrheit, zusammen mit dem Mädchen, das sie mal war. Sie tut so, als bräuchte sie keine Freunde, keine Liebe, keine Gerechtigkeit. Als ihre Welt aus den Fugen gerät, wird klar: Die einzige Person, die Eden retten kann ... ist Eden.

Amber Smith ist preisgekrönte New-York-Times-Bestsellerauto in. Als Verfechterin eines stärkeren Bewusstseins für psychische Gesundheit, geschlechtsspezifische Gewalt und LGBTQIA+-Gleichstellung schreibt sie in der Hoffnung, dass ihre Bücher dazu beitragen können, Veränderungen zu fördern und den Dialog anzustoßen. Sie wuchs in Buffalo, New York, auf und lebt heute mit ihrer Frau und ihrer ständig wachsenden Familie geretteter Hunde und Katzen in Charlotte, North Carolina.

ICH WEISS NICHT MEHR viel. Ich weiß zum Beispiel nicht, warum ich die Tür nicht gehört habe. Warum ich die beschissene Tür abends nicht einfach abgeschlossen habe. Oder warum mir nicht sofort klar war, dass da etwas falsch war – ganz fürchterlich falsch – als die Matratze unter seinem Gewicht nachgab. Warum ich nicht geschrien habe, als ich die Augen öffnete und sah, wie er unter meine Decke kroch. Oder warum ich mich nicht gewehrt habe, als es noch eine Chance gab.

Ich weiß nicht, wie lange ich danach dagelegen und mir gesagt habe: Kneif die Augen zu, versuch es, versuch, es einfach zu vergessen. Versuch, alles zu ignorieren, was sich falsch angefühlt hat, so falsch, als könnte es sich nie wieder richtig anfühlen. Ignoriere den Geschmack in deinem Mund, das klebrigfeuchte Laken, das Brennen in deinen Oberschenkeln, den Übelkeit erregenden Schmerz – dieses projektilförmige Etwas, das dir durch den Körper schießt und sich dann irgendwie in deinem Bauch festsetzt. Nein, nicht weinen. Weil es nichts zu weinen gibt. Weil es nur ein Traum war, ein schlechter Traum – ein Albtraum. Nicht real. Nicht real. Nicht real. Das sage ich mir permanent:NichtrealNichtrealNichtreal. Wieder und wieder und wieder. Wie ein Mantra. Wie ein Gebet.

Ich ahne nicht, dass diese Bilder, die mir immer wieder durch den Kopf schießen – wie aus einem Film über eine Andere, an einem anderen Ort – nie wieder verschwinden, mich für immer verfolgen werden. Ich mache die Augen wieder zu, aber das ist alles, was ich sehe, spüre, höre: seine Haut, seine Arme, seine Beine, seine viel zu starken Hände, sein Atem auf mir, gespannte Muskeln, knirschende Knochen, ein brechender Körper, mich, die schwächer wird, langsam verblasst. Nur das – es gibt nichts anderes mehr.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden vergehen, bis mich der übliche Sonntagmorgenlärm weckt – Töpfe und Pfannen, klappern auf dem Herd. Gerüche bahnen sich den Weg unter meiner Tür hindurch – Speck, Pfannkuchen, Moms Kaffee. Fernsehgeräusche – eine Kaltfront und ein Sturmsystem werden gegen Mittag über die Region ziehen –, Dad schaut den Wetterbericht. Spülmaschinengeräusche. Der kleine Kläffer von gegenüber, der wie immer vermutlich nichts ankläfft. Und dann ist da noch der fast nicht auszumachende Rhythmus eines Basketballs, der gegen den morgentaufeuchten Asphalt prallt, vermischt mit dem leisen Quietschen von Sportschuhen. Unsere dumme, verpennte kleine Vorstadt erwacht wie jede andere dumme, verpennte kleine Vorstadt, die sich ihrer Irrelevanz nicht bewusst ist, sich nur einen weiteren Samstag wünscht, weil ihr vor der Hausarbeit graut, dem Gottesdienst, den To-do-Listen und dem drohenden Montag. Das Leben geht einfach weiter, so wie immer. Normal. Und es will mir nicht in den Kopf, dass das Leben einfach so weitergehen wird, egal ob ich nun aufwache oder nicht. Erschreckend normal.

Während ich mich zwinge, die Augen zu öffnen, ahne ich noch nicht, dass die Lügen schon am Werk sind. Ich versuche zu schlucken. M