Golden stieg die Sonne an diesem frühen Augustmorgen über die karstige Spitze des Wambergs, um von einem wolkenlos klaren und tiefblauen Sommerhimmel zu strahlen.
Den Wamberg zierte ein Gipfelkreuz, das einst von mutigen Bergsteigern dort aufgestellt worden war, zum Lobpreis des Allmächtigen und zugleich als Landmarke für Einheimische und Fremde.
Die Bewohner von Berghausen, das im Tal darunter lag, waren an seinen Anblick gewöhnt. Für Bergsteiger und Heimkehrer aus der Fremde aber hatte es schon oft als Orientierungshilfe und Trost fungiert. Wer lange nicht daheim gewesen war, der empfand bei seinem Anblick die Gewissheit, bald wieder nach Hause zu kommen. Und manch ein Wanderer, der zwischen Dreitorspitze, Alpspitze und der berühmten Zugspitze den Weg verloren hatte, konnte mithilfe des schweren Kreuzes aus Metall zurück auf den rechten Pfad finden.
Dem Wamberg gegenüber erhob sich der Griesen, an dessen Westseite mehrere Berghöfe zu finden waren. Einige Bergbauern hatten in den vergangenen Jahrzehnten aufgegeben. Das Wirtschaften auf der Höhe war mühselig, die Erträge waren gering. Wer kein Land im Tal hinzukaufen oder sich in einer Marktnische spezialisieren konnte, rutschte unweigerlich in die roten Zahlen.
Doch es gab sie noch, die bodenständigen Gebirgler, die ihren Betrieb gegen alle Widerstände am Leben erhielten. Die Familie Theisen zum Beispiel.
Max Theisen hatte den Betrieb oberhalb von Berghausen vor einer Weile von seinem verwitweten Vater Alois übernommen. Die beiden Männer kamen gut miteinander aus. Mithilfe einiger Saisonkräfte und weniger Knechte hatten sie auf dem über zweihundert Jahre alten Hof ihr Auskommen.
Max hatte die Landwirtschaftsschule in Garmisch besucht und sich aufs ökologische Wirtschaften verlegt. Für seine Heumilch und den selbst hergestellten Almkäse erzielte er ebenso anständige Preise wie für Schinken und hausgemachte Wurst. Der Metzger in Berghausen arbeitete Hand in Hand mit den Bergbauern und lieferte hochwertige Produkte, die entsprechend bezahlt wurden. Abnahmeschwierigkeiten gab es keine.
Alois Theisen hatte den Plänen seines Sohnes zunächst skeptisch gegenübergestanden. Doch als sich abzeichnete, dass die Bilanz stimmte, hatte der alte Bergbauer sich überzeugen lassen.
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