: Karoline Toso
: Esmeralda Reihe Band 1-3: Esmeraldas Blick, Esmeraldas Geheimnis, Esmeraldas Liebe (3in1-Bundle)
: Bookspot Verlag
: 9783956692178
: 1
: CHF 8.90
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 1536
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Brand der Kathedrale Notre-Dame hat Victor Hugos 'Der Glöckner von Notre-Dame' wieder ins Bewusstsein gerückt und die Frage nach dem Schicksal der Protagonisten gestellt, die nun endlich äußerst spannend und unterhaltsam beantwortet wurde. Denn die schöne Esmeralda geht in diesem bewegenden Roman einen besonders schweren Weg. Schreckliches muss sie erdulden ehe Rettung naht. Doch wie findet sie sich in ihrer neuen Rolle zurecht? Wird es auch Rettung für den buckeligen Quasimodo geben? Und wie ergeht es Dom Frollo, der fromm und gut sein wollte, sich jedoch schuldig und verdammt fühlt? Eine völlig neue Perspektive entsteht, Zeiten verrinnen ineinander, Schicksale nehmen ihren eigenen Lauf. Flucht, Gewalt und Sehnsucht fragen nicht nach Zeit; sie suchen nach Glück und einemÜberleben im Ankommen. Als Esmeralda jedoch der Hexerei bezichtigt wird, scheint ihr grausames Ende im Kerker gewiss ... 'Der Glöckner von Notre-Dame' aus einem spannenden neuen Blickwinkel betrachtet - eine Verneigung vor Victor Hugo, bewegend, härter, spannender und zugleich historisch unterhaltsam. Für Leser von spannenden Historischen Romanen ein Leckerbissen! Chartres, 1487 Von der Freiheit einer Tänzerin in die Starre des aristokratischen Lebens. So erging es Esmera-lda, als sie den Duc de Valois ehelichte, um der Inquisition zu entkommen. Fünf Jahre sind seitdem vergangen und der Druck, dem Haus de Valois einen Erben zu schenken, wächst. Dann wird Esmeraldas ehemaliger Schänder nach Chartres beordert und ihre Tochter erkrankt schwer. Kann die Duchesse mit seiner Hilfe das Leben der jungen Prinzessin retten, ohne ihr Geheimnis preiszugeben? Quasimodo und Sophie werden währenddessen abermals zur Zielscheibe der Kirche und sind gezwungen, die Notre-Dame zu verlassen. Auf dem Weg zu Esmeralda muss sich Sophie den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Ist das Erbe des Marquis bereits verloren oder kann sich das Blatt noch wenden? Ein unerwartetes Erbe und ein Geheimnis, das alles verändert: In der spannenden Fortsetzung ihrer Historien-Saga lässt Karoline Toso die Figuren aus 'Der Glöckner von Notre-Dame' ganz neue Wege einschlagen. Der langersehnte Erbe, Felix de Valois, erreicht nun das zweite Lebensjahr. Doch die Freude seiner Mutter Agnès wird getrübt, als sie als Esmeralda enttarnt wird - eine Bedrohung, die nicht nur sie selbst, sondern auch ihre geliebten Kinder und das Ansehen des gesamten Hauses de Valois zu Chartres gefährdet. Unter königlichem Auftrag begibt sich Agnès mit ihren Kindern in die freie Bretagne, um die verwaiste Herzogin Anne für Frankreich zu gewinnen. Doch am Hof der Bretagne wird sie mit Missachtung behandelt und als Persona non grata abgestempelt. Die düstere Situation wird noch komplizierter, als eine verheerende Masernepidemie nahe Chartres ausbricht. Währenddessen plant das Königshaus einen unerbittlichen Angriff auf die Bretagne, und Duc Raphael de Valois wird an den Hof beordert, um König Karl VIII. bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Die Helden rund um den ehemaligen Glöckner von Notre-Dame stehen vor gewaltigen Herausforderungen und müssen sich den Stürmen der Zeit stellen. Werden Agnès und ihre Kinder enttarnt und müssen fliehen? Kann sich Anne de Bretagne gegen Karl VIII. behaupten? Entdecken Sie die Antworten auf diese Fragen und mehr in diesem atemberaubenden dritten Band der Trilogie: Ein unvergessliches Abenteuer erwartet Sie!

Die österreichische Schriftstellerin Karoline Toso lebt als Religionspädagogin in Wien. Nach zahlreichen Kurzgeschichten und Gedichten veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Der fromme Ehebrecher«, erschienen bei BC Publications. Es folgte »DASDA«, ein Band mit Geschichten und Gedichten der Autorin. »Esmeraldas Blick« war ihr erster historischer Roman, der Auftakt zu einer Trilogie rund um die Figuren aus »Der Glöckner von Notre-Dame«. Bei Karoline Toso gehen Victor Hugos Charaktere ganz neue Wege, packend und unterhaltsam erzählt. Nach »Esmeraldas Geheimnis«, der Fortsetzung, schließt diese Trilogie mit »Esmeraldas Liebe« ab. Alle Bände erschienen im Bookspot Verlag.

Kapitel 1


Reise nach Paris


Nach all den Jahren lag eine Erstausgabe auf seinem Schoß. Liebevoll öffnete er das Buch, roch an den Seiten, befühlte es, dachte daran, wie viele Menschen es seit 1831 wohl schon in den Händen gehalten und gelesen hatten. Kaum wagte er zu beginnen. Dann aber tauchte Albert Alden in den Trubel des Narrenfestes am sechsten Jänner 1482 ein. Das Französisch des neunzehnten Jahrhunderts las sich zwar sperrig, aber er war zu gespannt, um sich davon abhalten zu lassen. Fast hörte er den Lärm der aufgeheizten Menge, die in den Justizpalast strömte, um dem Mysterienspiel beizuwohnen und die Gesandten aus Flandern zu bestaunen. Albert befand sich selbst inmitten des ausgelassenen Treibens vor den Türmen der Notre-Dame.

Der zehnjährige Claude Frollo stand gehorsam hinter seiner Mutter und der Magd, die den Einkauf trug. Selten durfte er das bunte Treiben des Marktes miterleben, doch diesmal galt es, auch für ihn einiges einzukaufen: Stoffe für neue Kleidung, ein zweites Paar Schuhe, Papier, Federn und Tinte. In wenigen Tagen begann für ihn ein neues Leben als Aspirant bei den Benediktinern in Paris. Das Neue zog ihn an, aber der Gedanke, für immer von zu Hause weg zu müssen, ängstigte ihn auch. Im Augenblick aber faszinierte ihn die Vielfalt am Markt. Eine Gruppe Zigeuner zeigte allerlei erstaunliche Kunststücke und spielte Musik, die Claude noch nie zuvor so nah gehört hatte. Am liebsten wäre er zum Takt herumgesprungen.

Dann sah er sie. Zwischen Kisten musterten ihn zwei kecke schwarze Augen, Kinderaugen. Er konnte nicht anders als zu dem Gewürzstand zu gehen, hinter dem sich das Kind verbarg. Sein süßes Gebäck, das er in der Hand hielt, vergaß er fast, obwohl er selten solche Geschenke von der Mutter bekam. Auch sie sah dem neuen Lebensabschnitt ihres Ältesten mit gemischten Gefühlen entgegen. Dass er ein gebildeter Priester werden sollte, erfüllte sie zwar mit Stolz, doch er wurde ihrer Obhut entzogen. Es stand ein großer Abschied bevor. Das stimmte sie mild, sie erlaubte ihm, ein wenig zwischen den Ständen herumzuschlendern, kaufte Nüsse und getrocknete Früchte für die Reise nach Paris.

Als Claude bei den Kisten ganz im Bann dieser Augen stand, die nur so sprühten vor Lebenslust, lachte das Kind laut auf, sauste hervor, entriss ihm das Gebäck und rannte damit davon. Er wusste nicht, wie ihm geschah, starrte dem Mädchen hinterher. Die kleine Zigeunerin lachte noch immer in ihrem bunten Gewand, mit den offenen, langen, dunklen Haaren und mit Schellen an ihrem Fußgelenk, das jeden ihrer Schritte zu Musik werden ließ. Ihr roter Rock reichte nur bis knapp unters Knie, an den Füßen trug sie Stoffsandalen. Sie war kleiner als er und schöner als ein Engel, jedenfalls empfand Claude es so. Am schönsten fand er ihre fröhliche Lebendigkeit. Nie hätte er gewagt, zwischen den Ständen so wild herumzulaufen. Für diesen kurzen Moment des Staunens opferte er gern das seltene Geschenk des Süßgebäcks. Doch das kecke Kind verschwand nicht mit seiner Beute. Hinter den Ständen blieb es stehen und wartete auf den Verfolger, der wie angewurzelt mit weit aufgerissenen Augen dastand. Das Mädchen winkte ihn zu sich heran. Claude konnte sein Glück kaum fassen.

Nach der Mutter blickte er sich nicht einmal um, denn bestimmt würde sie ihm verbieten, so weit von ihr wegzugehen und noch dazu Kontakt zu dem Mädchen aufzunehmen. Seit jeher galt für alle Christenmenschen, dass Zigeuner und Gaukler zum zwielichtigen Gesindel gehörten, dem nicht zu trauen war. Sie kannten keinen Gott und keine Kirche, das war verdammenswürdig. Doch man musste sie dulden, solange sie keiner bösen Tat überführt wurden, deren sie gewiss täglich mehrere verübten. Claude hatte bisher nur selten Gaukler erleben dürfen, doch er fand es schade, dass die Fröhlichkeit und das Gefühl der Freiheit, die sie verbreiteten, Teil des Bösen sein sollten. Das sogenannte Gute, wie er es kannte, war für ihn als Kind doch recht langweilig. Es bestand aus Gehorsam, Fleiß, Gebet und Bescheidenheit.

Mit zaghaft langsamen Schritten erreichte er endlich die kleine Zigeunerin. Rasch zog sie ihn an eine Hausecke, damit sie vor den Blicken der meisten Leute am Markt verborgen blieben. Dort biss sie herzhaft in das Süßgebäck und hielt es ihm hin. Als er nicht reagierte, presste sie es ihm laut lachend auf die Lippen. Verwirrt biss er ab, dann lief sie noch weiter vom Markt weg.

»Komm!«, rief sie und bog in die nächste Gasse. Er zauderte, da kehrte sie zurück und zog ihn wieder an der Hand mit sich. Seine Lederschuhe klapperten, ihre Schellensandalen klangen hell. Vor einem Tor blieb sie stehen, setzte sich auf die Schwelle und brach das Süßgebäck in zwei gleich große Teile. Eines davon reichte sie ihm. Als er danach griff, entzog sie es wieder, kicherte, wiederholte das Spiel, bis er sie am Handgelenk fasste und das Gebäck an sich riss.

»Ja! Gewonnen!«, rief er vergnügt und setzte sich zu ihr. Doch er aß nicht. Lieber starrte er in ihre schwarzen fröhlichen Augen. Sie kaute an ihrem Teil des Gebäcks.

»Wie heißt du denn?«, fragte er. Sie kicherte schelmisch.

»Und wie heißt du?«

»Ich heiße Claude Frollo de Molendino und werde Priester bei den Benediktinern.«

»Wie willst du das jetzt schon wissen?«

»In ein paar Tagen holt mich ein Pater nach Paris ins Kloster.«

»Macht es Spaß, ein Priester in Paris zu werden?«

»Ich glaube eher nicht.«

»Das glaube ich auch nicht. Mir wäre es zu langweilig. Die tanzen und lachen nicht und singen nur heilige Lieder. Warum willst du denn so einer werden?«

»Das haben meine Eltern bestimmt. Mir wäre es auch lieber, mit dir herumzutanzen.« Er schaute sie vertrauensvoll an.

»Ach ja?!«, rief sie überrascht, legte ihr angebissenes Gebäck auf seinen Schoß und schlug ein paar Räder, die den roten Rock fliegen ließen. Er sah ihre Beine durch die Luft wirbeln. Unter dem Rock trug sie Beinkleider, die bis zum Knie reichten.

Dann setzte sie sich wie selbstverständlich wieder an seine Seite, nahm das Gebäck von seinem Schoß und verzehrte es. Claude sah ihr bei allem