Kapitel 1 - Knut und Anita
Knut war in Anitas Ohrensessel eingenickt, sein Kinn war auf seine Brust gesackt und er gab leise schnarchende Töne von sich. Alles in allem ein Bild völligen Friedens und absoluter Ruhe. Bis zu dem Moment, in dem Anita im Flur ohrenbetäubend aufschrie und es ziemlich laut polterte. Knut schreckte hoch, riss die Augen auf und griff sich an die rechte Seite, um seine Waffe zu ziehen. Dem Lärm nach, den er eben im Zustand seiner Schlafdämmerung gehört hatte, wurde Anita gerade von einem potentiellen Mörder bedroht und kämpfte um ihr Leben.
Als er jedoch bemerkte, dass er anstatt seiner „Arbeitskleidung“ nur eine Jogginghose trug, in deren sich in der rechten Hosentasche lediglich ein völlig zerfleddertes Taschentuch befand, überlegte er kurz fieberhaft, wie und vor allem mit was er seiner Lebensgefährtin hilfreich zur Seite eilen könnte.
Aber noch ehe er den Gedanken zu Ende denken konnte kam Anita ins Wohnzimmer gerannt. Ihre Augen glänzten fast schon fieberhaft und ihr Atem flatterte. Knut sprang auf und machte sich bereit, dem Tod ins Auge zu blicken und dem (hoffentlich nicht allzu großem) Einbrecher ein paar auf die Glocke zu hauen.
Er zischte ihr zu: „Hierher und hinter mich! Schnell!!"
Anita sah ihn völlig entgeistert an. Sie trat einen Schritt auf ihn zu und legte ihm die Hand auf seine Wange.
„Hast du schlecht geträumt, Puschi? Oder bist du jetzt völlig durchgedreht??"
Knut schielte argwöhnisch zur Tür und lauschte, dann wandte er sich wieder Anita zu.
„Ich habe dich schreien gehört und dachte, du wirst gerade eiskalt gemeuchelt. Warum in aller drei Teufels Namen veranstaltest du denn hier so ein Affentheater? Ich hätte einen Herzinfarkt kriegen können, weißt du das??"
Schweratmend ließ er sich zurück in den Sessel fallen und rieb sich über sein schweißnasses Gesicht. Anita störte sich keinesfalls an den stark gebeutelten Nerven von Knut, sondern wedelte nun aufgeregt mit einem Brief vor seinem Gesicht herum.
„Da, guck doch mal. Ich kann`s noch gar nicht wirklich glauben. Ich habe gewonnen! Ich könnte gerade völlig ausflippen, echt jetzt. Stell dir das mal vor. Du und ich, fünf Tage am Titisee!!"
Sie tänzelte durchs Wohnzimmer und jubelte. Knut richtete sich im Sessel auf, zog die Augenbrauen nach oben und kratzte sich hinter dem rechten Ohr.
"Würdest du das bitte nochmal wiederholen? Offenbar lässt mich mein Gehör auf den Schreck hin gerade völlig im Stich. Ich habe nur irgendwas mit „Titten" verstanden."
Anita zog eine kleine Schnute und rollte dann mit den Augen.
„Nicht Titten du Dösbaddel, sondern Titisee. Ich habe vor einiger Zeit bei einem Preisausschreiben mitgemacht, eigentlich nur wegen dem Kaffeevollautomaten, den es als zweiten Preis zu gewinnen gab. Aber jetzt habe ich den ersten Preis gewonnen. Und könnte gerade auf der Stelle durchdrehen vor Freude. Ist das nicht phantastisch? Fünf Tage nur du und ich? Ach so, was den Lärm betrifft, den du gehört haben willst… ich habe vor lauter Aufregung aus Versehen den Schirmständer umgerannt, also kein Einbrecher oder Mörder weit und breit."
Sie strahlte über alle verfügbaren Backen, flitzte