: Markus D. Mühleisen
: Bauvoranfrage Die Leiden des jungen Architekten B.
: Books on Demand
: 9783759756688
: Architekten-Zyklus
: 1
: CHF 6.60
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 196
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der junge Architekt Franz von Brrand erbt überraschend das Häuschen seiner Tante. Dies liegt in einer verträumten Kleinstadt, so macht es jedenfalls zuerst den Anschein. Völlig unvermittelt findet er sich plötzlich in eben jenem verschlafenen Städtchen als freier Architekt mit eigenem Büro wieder, das er vom ebenfalls verstorbenen, ehemaligen Lebensgefährten der Tante übernommen hat. Er freut sich auf eine geruhsame und friedliche Zukunft, aber die Niederungen der Architektentätigkeiten und der kleinstädtischen Bürokratien warten hinter jeder Ecke auf ihn. Band 1 des Architekten-Zyklus (2. verbesserte Auflage)

Markus Mühleisen wurde 1966 in Stuttgart geboren. Er war schon immer von Geschichten und Erzählungen begeistert. Markus Mühleisen ist selbständig, verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Heimat ist in Süddeutschland.

4 Ein Ausschuss tagt


Für seine Verhältnisse hat Franz von Brrand sich für den heutigen Abend herausgeputzt. Statt der üblichen Turnschuhe trägt er Lederschuhe, statt Jeans eine Stoffhose. Er möchte einen seriösen Eindruck machen, deshalb trägt er auch sein einziges Leinensakko. Das gute Stück ist zwar bereits etwas in die Jahre gekommen. Als er sich mit kritischem Blick heute Abend nach dem Umziehen für die Sitzung des technischen Ausschusses der Stadt Kleinberghain zu Hause in der Diele im großen Spiegel gemustert hat, war er mit seiner Erscheinung zufrieden. Das schüttere, blonde Haar hatte er mit sauberem Linksscheitel gekämmt. Es schaut ihm aus dem Spiegel ein aufgeweckter, junger Architekt entgegen. Seine Nickelbrille unterstützt diesen Eindruck seiner Meinung nach noch.

Heute Abend ist Premiere. Zum ersten Mal tritt er öffentlich als Architekt seines Büros auf. Zum Glück sind heute Morgen gerade noch rechtzeitig die neuen Visitenkarten von der Druckerei gekommen. Er hat sich im Zuschauerbereich im großen Ratsaal der Stadtverwaltung Kleinberghain auf einen Stuhl in der zweiten Reihe gesetzt. Aufmerksam beobachtet er, wie sich der Saal langsam füllt. Noch kennt er niemanden der Anwesenden, aber das war auch nicht zu erwarten. Schließlich ist Franz von Brrand erst vor zwei Wochen nach Kleinberghain gekommen. Aus dem traurigen Anlass der Beerdigung seiner Tante hat sich in kurzer Zeit eine komplett neue Lebenssituation für ihn entwickelt. Nun ist er freier Architekt mit seinem eigenen Büro.