Mit Eva Spranger kamen Streit, Eifersucht und Feindseligkeit ins Dorf. Am Schluss wartete der Tod. Aber davon ahnten sie alle miteinander im Juni noch nichts.
Die bildsaubere Urlauberin aus der Stadt wohnte seit zwei Wochen im Gasthof»Zum heiligen Martin« beim Fritz Stammer und dessen Frau, der rundlichen Maria.
Eva ließ sich verwöhnen, machte nebenbei hohe Zechen und sorgte für einen guten Geschäftsgang, denn ihretwegen kamen jeden Abend an die zwanzig Bauern. Zu allen war sie überaus liebenswürdig, scherzte und lachte. Doch so sehr sich auch die Männer bemühten, keiner wurde von ihr den anderen vorgezogen.
Am Abend saß sie mit dem Bürgermeister, dem Kramer, dem Pfarrer und noch ein paar Großkopferten am Stammtisch und sonnte sich in den bewundernden, begehrlichen Blicken der Männer, aber es sah nie so aus, als wolle sie jemanden herausfordern.
Aus lauter Gutmütigkeit rief der Bürgermeister Gerhard Tannberg einem jungen Bauern, der abseits und allein vor seiner Maß Bier saß, zu: »Peter, setz dich zu uns! Wir sind in Kirchberg eine große Familie und schließen niemanden aus. Besonders freuen wir uns über liebe Gäste. Und wenn eine Dame aus der Stadt so bildsauber ist …«
Eva Spranger hörte seine schmeichelnden Worte gar nicht, sondern schaute aufmerksam dem Mann entgegen, der nun mit seinem Maßkrug an den Stammtisch kam.
»Ich bin der Peter Winkler«, stellte er sich vor, »Bauer auf dem vorletzten Hof an der Straße nach Eckern hinaus.«
Der Tannberg hatte schon vier Maß durch die Kehle gejagt, und auch die Nähe der Spranger-Eva machte ihn rauschig. Also verbesserte er den Peter großmütig: »Von wegen Bauer! Fräulein Eva, unser Peter ist nicht nur stinkreich, sondern auch ein Musterbauer, der besonders viel von der Landwirtschaft versteht. Dazu ein ganz besonders lieber Kerl, zu allen freundlich, hilfsbereit. Und ledig!«
»Halt den Mund!«, fuhr nun Josef Sturm unwillig auf. Er betrieb mit seiner Frau, der Agnes, einen der beiden Kramerläden. »Wir hocken im Wirtshaus, da hat kei