PRINZIPIEN DER PFLEGELEICHTEN GARTENGESTALTUNG
Wie geht eigentlich pflegeleicht? Wie gelingt es, das Fleckchen Garten vor der Tür lebendig zu gestalten? Ich zeige euch, wie ihr einen grünen Vorgarten ohne viel Arbeit hinkriegt.
Eine Studie, die die Initiative »Rettet den Vorgarten« des BGL in Auftrag gegeben hat, zeigt sehr deutlich, aus welcher Richtung der Wind weht:»Als Hauptmotiv für einen versiegelten Vorgarten geben 80 Prozent aller befragten Kiesgartenbesitzer Pflegeleichtigkeit an.« Es ist, bei aller Naturliebe und Freude an grüner Ästhetik, also vor allem wichtig, dass unser Vorgarten es auch mal verzeiht, wenn das Leben uns gerade anderweitig fordert. Damit Nachbarn und Passanten nicht gleich beim Blick auf die Fläche vor der Haustür sehen, dass ihr gerade eine stressige Zeit habt, solltet ihr euch bei der Gartengestaltung an ein paar Grundregeln halten.
Eine der wichtigsten lautet: Augen auf vorm Pflanzenkauf. Pflanzen wachsen, das liegt in der Natur aller Lebewesen. Wie stark sie wachsen, wie hoch und wie breit sie werden, das ist genetisch festgelegt und darüber solltet ihr euch unbedingt vorher informieren. Denn die durchdachteste Struktur, der aufgeräumteste Plan wird spätestens in ein paar Jahren gesprengt, wenn die gewählten Pflanzen nicht mehr hineinpassen, über die für sie vorgesehenen Grenzen hinauswachsen und anderen Vorgartengewächsen auf die Füße treten. Dann entsteht auch in einem geordneten System Chaos, das entweder seine ganz eigenen Wege geht oder mit der Ast- oder Heckenschere regelmäßig unter Kontrolle gehalten werden muss. Und das riecht gewaltig nach genau der Arbeit, die ihr vermeiden wollt!
Informationen darüber, wie hoch und breit die jeweilige Pflanze wird, findet ihr in den Tabellen hier im Buch. Das sind die »Fertiggrößen«, die einzuplanen sind, auch wenn die Pflanze beim Kauf und bei der Pflanzung erst einmal viel kleiner ist und euer Vorgarten anfangs dadurch sogar ein bisschen leer wirken kann. Die Pflanzen werden dann in den Plan hineinwachsen und nicht darüber hinaus. Wenn ihr eine Lieblingspflanze im Vorgarten einplanen möchtet und diese nicht in meinen Tabellen findet, dann informiert euch bitte – egal ob Staude oder kleiner Baum – darüber, wie groß sie wird, wenn sie ausgewachsen ist. Bevor ihr euch einen Welpen in eine Zweizimmerwohnung holt, würdet ihr das ja genauso machen. Es gibt gut sortierte Internet-Seiten und auch dicke Kataloge von einigen Baumschulen, in denen man alle Informationen bekommt, die man zu einer bestimmten Pflanze braucht.
1. Der Rotdorn ‘Paul’s Scarlet’ kommt sehr gut mit einem sonnigen und trockenen Standort zurecht.2. Strauch- und Bodendecker-Rosen verlangen keinen komplizierten Schnitt, man stutzt sie einfach nach der Blüte mit der Heckenschere zurecht.3. Nicht oft gießen muss man Wollziest und Thymian. Beide eignen sich auch gut als Bodendecker für kleinere Flächen.
KEINE LUST AUF ÜBERRASCHUNGEN
Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass die gewählten Pflanzen zum Standort passen. Pflanzen haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung. Manche fühlen sich nur in der Sonne wohl, andere kommen auch mit Schatten zurecht. Einige Pflanzen sind genügsam und andere extrem pingelig, was den Boden angeht, in den sie gesetzt werden. Es gibt ein paar Allrounder und die meisten Vertreter der Pflanzenwelt kommen auch mit nicht ganz so optimalen Bedingungen klar, sie wollen ja alle überleben. Dann blühen sie vielleicht nicht ganz so üppig, das fällt kaum auf. Wenn die Umgebung allerdings so gar nicht zu den Ansprüchen passt oder man sich ein Mimöschen ins Magerbeet holt, dann wird es schwierig und die »Extrawürste« – beispielsweise Nährstoffzufuhr durch Düngung, regelmäßiges Gießen, weil es zu sonnig und trocken ist – machen ganz schnell wieder das, was es zu vermeiden gilt: Arbeit.
Dann gibt es Pflanzen, die per se in die Kategorie »pflegeleicht« fallen, und welche, von denen man im pflegeleichten Vorgarten lieber die Finger lässt, allen voran die berühmt-berüchtigten Wucherer. Das sind Gewächse, die unseren Vorgarten auf ihre ganz eigene Weise selbstständig erobern wollen. Einige bilden Wurzelausläufer und nehmen so schnell einen Platz ein, der ihnen gar nicht zusteht u