1. KAPITEL
Unglaublich, wie schnell sich so viel Papier ansammeln kann. Verdrossen betrachtete Nick Trask die Stapel auf seinem Schreibtisch. Er war zur Feuerwehr gegangen, weil er Brände bekämpfen wollte, nicht um sich mit ödem Schreibkram abzugeben.
Wenn ihn die Leute fragten, warum er mit Leib und Seele Feuerwehrmann war, zuckte er mit den Schultern und erklärte, es sei eine dankbare Aufgabe. Das stimmte, aber er sagte nicht, was ihn daran noch reizte – der Kampf mit den Flammen, das unbeschreibliche Gefühl des Triumphs, wenn er Leben gerettet hatte, der Adrenalinrausch, während er alles riskierte, um den gefräßigen, rot glühenden Drachen zu bändigen.
Solche Momente entschädigten ihn für Tage wie diesen. Gleich nach Schichtbeginn hatten sie zu einem Brand ausrücken müssen, nur ein paar Häuserblocks von der Wache entfernt. Bruce Jackson war aufs Dach geklettert, um ein Loch hineinzuschneiden, damit der Qualm abziehen konnte. Mit beiden Händen an der Kettensäge musste er feststellen, dass die sechs Meter lange Leiter eine kaputte Sprosse hatte. Alles in allem hatte er Glück gehabt – sofern man ein gebrochenes Schlüsselbein als Glück bezeichnen konnte.
Von da an war der Tag den Bach runtergegangen.
Unfallberichte, Schadensberichte, Berichte über Ausrüstungsmängel … Nick war versucht, mit dem Feuerzeug kurzen Prozess zu machen. Natürlich wäre es kein Thema, einen Haufen Formulare auszufüllen, wenn nicht ständig das Telefon geklingelt hätte. Ein Rettungseinsatz, ein Wagenbrand, drei medizinische Notrufe. Obwohl er in jeder freien Minute über den Berichten gesessen hatte, war er erst zur Hälfte damit fertig. Der Schichtwechsel stand kurz bevor, und dann musste alles tipptopp sein.
Er schüttelte den Kopf, während er einen Blick auf die Fachbücher warf, die er in der Hoffnung aufgeschlagen hatte, für seine Prüfung lernen zu können. Dazu standen die Chancen denkbar schlecht.
„He, Cap, ich brauche mal deine Hilfe!“ Der Ruf kam von unten aus der Garage. Schwere Stiefel trampelten die Stufen hinauf. „Captain?“ Ein bulliger Feuerwehrmann mittleren Alters steckte den Kopf ins Büro.
Nick legte den Stift hin. „Tut mir leid, O’Hanlan, ich sitze immer noch über den Berichten.“
„Neulich hast du mich gefragt, warum ich nicht auch die Prüfung mache, um meine Beförderungschancen zu verbessern. Da hast du’s. Ihr Chefs müsst euch mit dem Papierkram herumschlagen. Ich bin ein Mann der Tat.“
Nick schmunzelte. „Ein Mann der Tat, soso.“
„In jeder Minute des Tages.“
„Kein Wunder, dass deine Frau immer so ängstlich dreinschaut. Hör zu, ich muss mich hier durchwühlen, wenn ich rechtzeitig fertig werden will. Versuch, jemand anderen zu finden, der dir hilft, okay?“
„Kein Problem. Hab ver