: Andreas Schlüter
: City Crime - Puppentanz in Prag Puppentanz in Prag
: Tulipan Verlag
: 9783641329945
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Auf nach Prag! Finns Schwester Joanna hat Karten für ihre Lieblingsband in der Goldenen Stadt gewonnen. Aber der Kurzurlaub wird zum Albtraum: Erst verschwinden die Karten. Dann bricht jemand in das Hotelzimmer der Geschwister ein und Finn und Joanna werden erpresst. Steckt etwa der gut aussehende Puppenspieler von der Karlsbrücke dahinter? Doch Finn und Joanna verfolgen bald eine andere heiße Spur. Und die führt sie mitten in die gefährliche Welt der Drogenmafia.

Andreas Schlüter, geb. 1958 in Hamburg, lernte nach dem Abitur Kaufmann, arbeitete dann mit Kinder- und Jugendgruppen, gründete 1989 das Journalistenbüro und die Fotoagentur SIGNUM. 1994 erstes Buch: 'Level 4-die Stadt der Kinder', das ein Bestseller wurde und mittlerweile schon zu den modernen Kinderbuchklassikern gehört.
Seit 1996 ausschließlich Kinder- und Jugendbuchautor, seit 2004 auch Drehbuchautor u. a. für den 'Tatort' (zusammen mit Mario Giordano). Er hat mehr als 40 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und einige Kinderkrimipreise erhalten.
Andreas Schlüter lebt in Hamburg und auf Mallorca.

Ein herrlicher Tag! Da konnte man wirklich nicht meckern. Der Himmel war eine einzige, strahlend hellblaue Fläche – wie ein frisch gestrichenes Schwimmbad. Finn setzte sich seine neue Sonnenbrille auf, von der ihm alle in der Klasse bestätigt hatten, dass sie »cool« wäre, blinzelte in die Sonne und schaute über das Panorama der Stadt.

Aber das Tollste war: Zur Feier des Tages lud Papa die ganze Familie zum Essen ein. Und zwar nicht einfach in einen Imbiss oder zu McDonald’s – was Finn und Joanna allerdings auch recht gewesen wäre –, sondern in ein typisches Prager Restaurant, wie Papa behauptete. Finn war zunächst skeptisch. Er kannte das: Wenn irgendwo auf Ferienreisen etwas »landestypisch« war, dann waren das meistens Dinge, die er nicht mochte. In Frankreich hatte es mal Schnecken gegeben, auf Mallorca seltsame Innereien und in Griechenland lauwarmes Essen.

Aber als dann der Teller serviert wurde, war Finn hin und weg: dampfender Apfelrotkohl mit köstlichsten Semmelknödeln und einer gebratenen Ente, wie Finn sie noch nie gegessen hatte. »Die gute böhmische Küche!«, wie Papa es nannte, ließ Finn sich gefallen. Genau so musste Essen seiner Meinung nach sein: kräftig, voller Geschmack und – große Portionen!

Nur Mama verzog das Gesicht. »Da hätte ich mir meine Frühjahrsdiät ja sparen können!«, nörgelte sie und griff zum dritten Mal zur Speisekarte, um zu schauen, ob sie nicht doch noch einen leckeren Salat finden konnte.

Papa genoss ein großes Bier, sattdunkelgolden wie flüssiger Honig, mit hellem Schaum drauf, trank mit einem Schluck das halbe Glas leer, lehnte sich genüsslich zurück und seufzte: »So muss ein frisch gezapftes Bier schmecken. Die Tschechen machen das beste Bier der Welt!«

Joanna hatte sich Palatschinken bestellt, was Finn wunderte, denn für gewöhnlich aß sie nicht besonders gern Fleisch. Doch dann sah er, dass dieser »Schinken« nichts mit Fleisch zu tun hatte: Joanna bekam herrlich frisch zubereitete Eierpfannkuchen, bestrichen mit Aprikosenkonfitüre. Papa ließ sich zu seinem Bier einen warmen »Prager Schinken« schmecken, der auch wirklich ein Schinken war. Dazu eine deftige Portion Sauerkraut. Und Mama suchte in der Karte immer noch vergeblich nach etwas, das weniger als tausend Kalorien zählte, wie sie griesgrämig behauptete.

»Gar nichts essen hat null Kalorien!«, kicherte Papa.

Aber das fand Mama überhaupt nicht witzig. Und schon hing die Stimmung wieder auf halbmast.

»Ipf pfreu mipf pfon auf die Karlpfsbrücke!«, versuchte Joanna mit vollem Mund für gute Laune zu sorgen.

Aber niemand verstand sie.

Stattdessen rief Finn: »Bei mir regnet’s Pfannkuchen!« Er meinte die Sprenkel, die aus Joannas Mund flogen.

Mamas Mundwinkel rutschten noch weiter nach unten.

Joanna schlang ihren Bissen hinunter und wiederholte diesmal mit leerem Mund: »Ich freue mich schon auf die Karlsbrücke!«

»Ich auch!«, behauptete Finn, obwohl er nicht wusste, was ihn dort erwartete. Die Seite hatte er im Reiseführer übersprungen.

Mama hatte sich endl