Rita liegt in ihrem Bett. Sie schläft. Eigentlich nichts Ungewöhnliches an einem Samstagmorgen wie diesem. Auch das leise Knarzen der Dielen vermag Rita nicht aus dem Schlaf zu reißen. Ihr Traum ist viel zu schön, um ihn schon zu verlassen. Rita träumt von ihrem zehnten Geburtstag: Die Vorbereitungen für ihr Fest sind in vollem Gange. Rita hat ihre ganze Klasse eingeladen, sogar ihre Lieblingslehrerin Frau Bredda. Auch den alten Georg, ihre Eltern und ihre beste Freundin Leonie natürlich. Obwohl die Feier erst in ein paar Stunden beginnen soll, ist für die Segelregatta-Schatzsuche schon alles vorbereitet. Die Schwimmwesten liegen bereit, Seekarten und Proviantkörbe sind auf die einzelnen Boote verteilt. Ritas Mutter Julia holt die mannsgroße Marzipantorte aus dem Keller und Rita schreit vor Freude.
»Mamaaa, die ist ja der Wahnsinn! Können wir schon ein kleines Stück essen? Nur ein klitzekleines? Bitte!«
Julia balanciert die riesige Torte ins Wohnzimmer. Rita tanzt so aufgeregt um sie herum, dass Julia beinahe das Gleichgewicht verliert. Und dann passiert es: Rita stößt rücklings gegen den Tisch, gerade als ihre Mutter die Torte darauf abstellen will. Der Tisch rutscht zur Seite und Julia stellt die Torte ins Leere.
Mit einem dumpfenPlonk landet die Torte auf dem Boden. Rita blinzelt. Ihre Mutter steht mit leeren Händen da. Die Augen zugekniffen, von oben bis unten mit Torte bekleckert. Julia öffnet die Augen, lacht laut und ruft: »Ach du meine Güte. Wie siehst du denn aus?«
»Guck dich mal an!«
Rita stecken noch ein paar Geburtstagskerzen in den Haaren. Julia leckt genüsslich ihre Finger ab. Rita tut es ihr gleich.
Der ganze Raum ist mit Buttercreme gesprenkelt.
»Aufwachen, du Schlafmütze«, dringt da eine vertraute Stimme an Ritas Ohr.
»Zu früh!«, murmelt Rita.
Der Tortentraum rutscht in immer weitere Ferne. Rita öffnet die Augen. Ihre Mutter schließt gerade das Fenster. Auf ihrer Nase klemmt eine erdbeerrote Wäscheklammer. Rita weiß genau, was das heißt, und hält sich blitzartig die Nase zu.
»Wenn’s nach Kuh stinkt …«, näselt ihre Mutter.
»… kommt der Wind aus Westen«, ergänzt Rita.
Julia setzt sich neben sie aufs Bett und fragt liebevoll durch ihre Wäscheklammer: »Hast du gut geschlafen?«
Rita nickt. »Das ganze Wohnzimmer war voller Marzipantorte.«
Julia grinst. »Das klingt nach einem Spitzentraum«, sagt sie und streicht Rita übers Haar, wie sie es immer macht. »Ich muss los. Wenn was ist, funkst du mich an, ja?«
Rita greift nach ihrem Funkgerät auf dem Nachttisch. »Rita für Mama, bitte kommen. Das Haus steht unter Wasser. Mama Bergmann. Bitte kommen.«
Julia schüttelnd belustigt den Kopf. »Frühstück steht auf dem Tisch.«
Kaum ist die Haustür hinter ihrer Mutter ins Schloss gefallen, springt Rita aus dem Bett. Sie rutscht auf dem Treppengeländer hinunter in die Küche und schnappt