: Beate Dölling
: Nur über meine Leiche
: Tulipan Verlag
: 9783641329303
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 100
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Oma Traudl ist Lilas Zuhause. Schon immer wohnt sie bei ihr, in der kleinen Wohnung über ihrem Friseursalon, der so viel mehr ist, als nur ein Ort zum Haareschneiden. Nicht nur, weil dort der gesamte Kiez zusammenkommt, um sich auszutauschen, zu lachen und zu tanzen. Seitdem die 'Pinken' auf dem Vormarsch sind und plötzlich nur noch Likes und Follower zählen, ist der Friseursalon zu einer Keimzelle des Widerstands geworden. Oma Traudl lässt sich doch nicht von einer Horde uniformer, seelenloser Hochglanztussis einschüchtern. Aber dann passiert das Unbegreifliche: Oma Traudl soll bei einem Unfall ums Leben gekommen sein? Lila kann es einfach nicht glauben. Warum haben die Pinken verhindert, dass sie ihre Oma noch mal sehen kann? Warum sind sie so hinter ihrem Erbe, dem Friseursalon, her? Da stimmt doch etwas nicht. Mit der Hilfe ihrer besten Freunde und der Unterstützung des gesamten Kiezes kommt Lila der riesigen Ungerechtigkeit auf die Spur.• Abgedreht, schrill, turbulent• Ein Plädoyer für eine bunte Gesellschaft und nachbarschaftlichen Zusammenhalt• Reales Kiezleben statt digitale Konsumwelt

Beate Dölling, 1961 in Osnabrück geboren, ist Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendromane, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Außerdem schreibt sie für das Deutschlandradio Hörspiele und Geschichten und gibt Schreibworkshops. Beate Dölling lebt in Berlin und Spanien.

Kapitel 5 - Unerwünschte Gäste


Das Beerdigungsinstitut, Space-PP-Compact GmbH& Co. PP, das den Pinken gehörte, hatte Edeltraud Lockes Leichnam gleich kremiert. Als Lila und Jada dort angekommen waren, war Oma bereits in der Urne gewesen. Lila hätte sie so gern noch einmal gesehen, aber eine gewisse SierraMD
hatte über ihren Kopf hinweg zu Jada gesagt, dass Frau Lockes Anblick einem Kind ohnehin nicht zuzumuten sei.

Jada hatte einen riesigen Aufstand gemacht, aber das verwandelte die Asche auch nicht wieder in Oma zurück.

»Dann nehmen wir die Urne mit.«

»Da muss ich Sie leider enttäuschen«, hatte SierraMD geantwortet und sich die rosa Gummihandschuhe ausgezogen. »Das ist in Deutschland verboten.«

Als Lila am nächsten Tag zum Beerdigungsinstitut zurückkehrte, in der festen Absicht, Omas Asche zu klauen, war die Urne bereits von einem gewissen NovemberMF in der Erde versenkt worden.

Jada, die Anwältin war, hing nun ständig am Telefon, um sich zu beschweren, weil niemand Lila gefragt hatte, ob sie nicht lieber eine Erdbestattung hätte haben wollen, also mit Sarg und Samtkissen. Man hatte sie ja nicht einmal über den Beerdigungstermin informiert und ihr so die Chance genommen, sich zu verabschieden. Lila hingegen war wie gelähmt. Es war einfach zu viel auf einmal, was gerade um sie herum passierte. Scheinbar teilnahmslos saß sie neben Jada, die erneut telefonierte.

»Lila ist die einzige Verwandte von Frau Locke und somit rechtmäßige Erbin des Friseursalons sowie der Wohnung darüber«, sagte Jada. Sie hatte ihr Handy wieder auf laut gestellt, damit Lila mithören konnte. Es ging um die jüngste Schikane der Pinken: Sie behaupteten, sie hätten einen Anspruch auf den Friseursalon. Jada war eine gewiefte Rechtsanwältin, aber auch die Pinken hatten jede Menge Anwälte, die alle Tricks kannten, um das Gesetz geschickt zu umgehen, ohne sich strafbar zu machen.

»Hat sie denn ein Testament?«, fragte eine der Pink-Anwältinnen. »Für den Erbfall ohne Testament wäre eine Genanalyse notwendig, die beweist, dass das Mädchen tatsächlich die leibliche Enkeltochter der Verstorbenen ist. Bedauerlicherweise lässt sich aus der Asche ja nun kein Genmaterial mehr entnehmen undDNA-Proben aus der Wohnung der Verstorbenen können leider nicht akzeptiert werden, da sie zu manipulationsanfällig sind. Das verstehen Sie sicher.« Ohne Jada Gelegenheit zu geben, auf diese Aussage zu reagieren, fuhr die süßliche Stimme der Pink-Anwältin fort. »Des Weiteren möchten wir Sie darüber informieren, dass das Jugendamt in Kürze einen Vormund für das Mädchen bestellen wird. Dieser wird dann ihre Interessen in jeder Angelegenheit vertreten. Dazu sind Sie leider nicht legitimiert.«

›Hilfe‹, dachte Lila. ›Was, wenn das Jugendamt auch schon von den Pinken unterwandert ist?‹

»Nix da, Vormund«, sagte Jada. »Ich werde Lila adoptieren.«

Die Pink-Anwältin lachte nur höhnisch und sagte: »Wenn Sie meinen, die Bedingungen für eine Adoption zu erfüllen, Frau Florestal, nur zu.«

Damit war