ALLE GEGEN EINE
Die erste Doppelstunde Latein nach den Osterferien und gleich ein Test. Ist das zu fassen?! Fritzi drückt ihrem Klassenlehrer Herrn Mollenhauer ihr mittelmäßig bis gar nicht ausgefülltes Blatt in die Hand und rauscht ohne ein weiteres Wort aus dem Klassenraum. Natürlich ist sie die Letzte im Zimmer. Sie hat sich gezwungen, bis zum bitteren Ende auf ihr Blatt zu starren, als ob das was nützen würde. Sie ist mit Abstand die Schlechteste in Latein. Dabei geben Chiara und Peti ihr seit letztem Herbst regelmäßig Nachhilfe, aber Fritzi wird einfach nicht besser. Sie sprintet die letzten Stufen hinunter, stößt die große Tür zum Schulhof auf und saugt die frische Frühlingsluft ein. Ihre Mitschüler stehen in Grüppchen zusammen, lachen und erzählen sich aufgeregt von den Ferien.
Sie steuert geradewegs auf die Bank neben dem Kiosk zu. Kurz vor Weihnachten wurde diese Bank genau an der Stelle aufgestellt, an der Fritzi ohnehin immer saß. Sie kam den drei Chaosköniginnen wie gerufen und so haben sie sie zu »ihrer Bank« auserkoren. Wahrscheinlich war die Schulleiterin Frau Doktor Fleck so glücklich darüber, dass Fritzi in der Lateinklasse geblieben und sich mit Chiara und Peti angefreundet hat, dass sie die Bank extra für sie dort hat hinstellen lassen.
Fritzi bahnt sich ihren Weg durch die ellenlange Kioskschlange, als ihr völlig unerwartet ein Skateboard vor die Füße rollt. Mit einem geübten Schritt stoppt sie das Board und hebt es auf. Sie weiß genau, wem es gehört, und plötzlich fühlt sich ihr Magen schrecklich leer an.
Petis Bruder Jannik war die ganzen Osterferien hier, genau wie Fritzi. Sie sind sich ein paar Mal zufällig begegnet. Jedes Mal war sie drauf und dran, ihm Hallo zu sagen, aber ohne Peti war das merkwürdig schwer. Kurz vor Ostern, am Gründonnerstag, hatte sie es dann im Schreibwarenladen einfach gewagt. Jannik probierte gerade ein paar Tags mit Filzstiften aus, sie lief bloß so durch die Reihen auf der Suche nach nichts Bestimmtem. Ihre Blicke trafen sich und sie sagte: »Hey, alles klar?« Als wäre es das Normalste auf der Welt. Doch dann waren Lou und die Eiscafé-Tussis lauthals lachend in den Laden gestürmt. Sie hatten Jannik ohne jede Scham in ein Gespräch verwickelt und Fritzi war kurzerhand geflüchtet. Ein letzter Blick, bevor sie den Laden verließ, war alles, was sie von Jannik mitgenommen hatte. Seither hatte Fritzi sich beinahe jeden Tag gefragt, ob er sie nun für völlig bescheuert hielt, da sie einfach verschwunden war? Oder hatte er ihr Verschwinden überhaupt bemerkt?
Und jetzt steht er vor ihr, spricht sie einfach an - vor allen anderen: »Ah cool, danke!«
Fritzi nickt perplex.
Jannik sieht sie schief an und deutet erwartungsvoll auf sei