: Beate Dölling
: Ab in die Rakete
: Tulipan Verlag
: 9783641329150
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Freundschaft kennt kein Alter Ausgerechnet in den Ferien, muss Luis' Mama zu einem Rettungseinsatz auf See - und damit sind natürlich alle Ausflüge gestrichen, auf die sich Luis schon gefreut hatte. Statt ins Weltraum-Museum geht es nun ins Altenheim Haus Erlengrund, in dem die beste Freundin seiner Mutter arbeitet. Doch selbst für einen angehenden Astronauten ist es dort alles andere als Langweilig: Zwischen den Rivalitäten der Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Liga und der Canasta-Runde, dem Bademeister mit der Trillerpfeife und der etwas verwirrten Frau Rot, scheint nur Luis zu bemerken: Viele Bewohner vermissen Gegenstände. Liegt das wirklich nur daran, dass die alten Leute eben vergesslich sind? Luis hat da so seine Zweifel, und findet in dem 104-jährigen Karl einen Verbündeten, der seinen Verdacht teilt: Da geht etwas nicht mit rechten Dingen zu! Und schon steckt das ungleiche Team mitten in den Ermittlungen, die sie auf nächtliche Streifzüge auf den Dachboden führen, zu Hehlerlagern und heimlichen Geldübergaben.

Beate Dölling, 1961 in Osnabrück geboren, ist Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendromane, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Außerdem schreibt sie für das Deutschlandradio Hörspiele und Geschichten und gibt Schreibworkshops. Beate Dölling lebt in Berlin und Spanien.

KAPITEL 1,


in dem Luis ins Altenheim geht und für
einen Nichtschwimmer gehalten wird


»Haus Erlengrund« steht auf einem Messingschild an einer großen, hölzernen Eingangstür, die nur über einen Knopf an der Wand zu öffnen ist. Luis steht neben Julia, Mamas Busenfreundin, und drückt auf den Knopf. Die riesige Holztür surrt auf. Gleich hinter dem Eingang hängt ein Desinfektionsspender an der Wand. Damit soll er sich die Hände gründlich einreiben. Na gut. Das müssen Astronauten auch, damit sie keine Keime mit ins All nehmen.

Er geht mit Julia durch den Flur. Es riecht nach diesem Desinfektionsmittel und Brokkoli. An den Türen links und rechts hängen verschiedene Blumen- und Tierbilder mit Namensschildern.

»Runter von der Leine!«, ruft ein alter Mann, der ihnen entgegenkommt und genau auf sie zusteuert. Er hat eine Trillerpfeife im Mund und pfeift so laut, dass Luis zusammenfährt. Der Mann wedelt wild mit einem Arm in seine Richtung. Was hat der denn?

»Hallo, Herr Dollmann«, spricht Julia ihn an. »Das Schwimmbad ist doch schon geschlossen.«

Sie streckt die Hand aus. Der Mann zögert erst ein bisschen, rückt dann die Trillerpfeife raus. Er trägt eine grüne, an den Knien ausgebeulte Trainingshose und blaue Badelatschen. Das weiße Poloshirt hat in der Mitte einen dicken blau-roten Fleck. Kirsch- oder Brombeermarmelade – erkennt Luis sofort.

»Was macht denn der Nichtschwimmer hier?« Der Mann deutet mit dem Kinn auf ihn.

Julia lächelt nur und sagt: »Aber Herr Dollmann, Luis ist doch kein Nichtschwimmer.«

»So? Was hast du denn, einen Freischwimmer oder einen Fahrtenschwimmer?«, wendet sich der Mann an ihn.

Luis versteht gar nichts mehr. »Einen was?«, fragt er.

»Früher hießen die Schwimmabzeichen so«, sagt Julia. »Du hast doch eins, oder?«

»Ein Schwimmabzeichen? Ja, klar. Sogar Silber.«

»Und was musstest du dafür machen?«

Luis überlegt kurz. »400 Meter schwimmen, zehn Meter streckentauchen. Ohne Schwimmbrille! Im tiefen Becken Ringe hochholen, auch ohne Schwimmbrille! Und vom Dreimeterbrett springen.«

»Sehen Sie, Herr Dollmann, er hat sogar schon den Fahrtenschwimmer«, sagt Julia.

Der Mann nickt anerkennend und geht weiter.

»Warum wollte er denn wissen, ob ich ein Schwimmabzeichen habe?«, fragt Luis.

»Herr Dollmann war früher Bademeister. Er denkt halt manchmal, das sei hier sein Schwimmbad. Es gibt einige Senioren bei uns, die ein bisschen durcheinander sind. Aber pfeifen darf er nicht im Haus. Nur zu bestimmten Zeiten, hinten, im Garten.« Julia deutet auf die Trillerpfeife in ihrer Hand. »Hat er sich bestimmt wieder aus dem Schwesternzimmer stibitzt.«

Sie geht mit Luis in einen Raum, der ein bisschen aussieht wie ein Arztzimmer und ein bisschen wie eine Kommandozentrale in einem Raumschiff. Bis zur Decke weiße Schränke, auf den Ablagen liegen Tabellen,