»OPERNBALL?«, rief Finn durchs Wohnzimmer. Das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er konnte einfach nicht glauben, was seine Eltern ihm und seiner älteren Schwester Joanna soeben mitgeteilt hatten. »Ihr wollt mit uns zu einem OPERNBALL?«
»Nun beruhige dich doch!«, forderte seine Mutter ihn auf. »Ihr sollt natürlich nicht mit zum Opernball, sondern nur mit nach Wien!«
»Kinder sind auf dem Opernball gar nicht zugelassen«, erklärte ihm sein Vater. »Ich habe eine Einladung über die Akademie der Künste bekommen. Das ist etwas ganz Besonderes. Da gehen eigentlich nur Promis oder reiche Leute hin, die sich sündhaft teure Karten leisten können. Und wenn wir so eine Gelegenheit bekommen, möchten eure Mutter und ich die auch gern wahrnehmen.«
»Kein Problem«, erwiderte Finn. »Fahrt doch. Joanna und ich bleiben hier!«
»Tickst du nicht mehr richtig?«, fuhr Joanna ihren Bruder an. »Ich will unbedingt mit nach Wien. Was denkst du denn? Das ist eine voll coole Stadt!«
»Ach ja?«, hakte Finn skeptisch nach. »Was ist denn dort so cool? Die Jungs oder wie?«
Joanna, die sich eigentlich gerade gemütlich in den bequemen Lesesessel ihrer Mutter gefläzt hatte, sprang auf wie eine Furie. »Sag mal, haben sie dich gebissen? Was denn für Jungs?« Während sie auf Finn losging, huschte ihr Blick schnell zu ihrer Mutter hinüber. Die würde doch Finns Behauptungen keinen Glauben schenken?
Eigentlich hatte ihr Bruder nicht geschwindelt, sondern nur eine Wahrheit unpassend ausgesprochen. Bei allen Städtereisen, die sie in der Vergangenheit unternommen hatten, war zweierlei geschehen: Erstens waren sie immer auf geradezu mysteriöse Art und Weise in einen Kriminalfall verwickelt gewesen, zweitens hatte sich seine Schwester jedes Mal in einen ortsansässigen Jungen verguckt und aufs Heftigste mit ihm geflirtet. Das Erste war gefährlich, das Zweite nervig.
Finn konnte auf beides gut verzichten, weshalb er lieber zu Hause geblieben wäre. Vielleicht hätte er eine Chance gehabt, seine Eltern umzustimmen, wenn seine Schwester mitgezogen hätte. Da sie aber unbedingt mit nach Wien wollte, hatte er verloren. Nie und nimmer würden seine Eltern ihm erlauben, mit seinen dreizehn Jahren mehrere Tage allein zu Hause zu bleiben. Trotzdem versuchte er es noch mal.
»Aber dann sind wir den ganzen Abend und die halbe Nacht ohne euch in Wien«, argumentierte er. »Und ihr wisst, was passiert, wenn ihr uns in einer fremden Stadt alleine lasst: irgendetwas Gefährliches.«
Natürlich wussten ihre Eltern von den vielen Kriminalfällen, in die ihre Kinder verstrickt gewesen waren. Aber nach wie vor hielten sie es für Zufall, dass Finn und Joanna so oft in Gefahr gerieten.
»Ihr werdet keineswegs allein in Wien sein, wenn wir zum Opernball gehen«, widersprach seine Mutter. »Ihr werdet allein im Hotelzimmer bleiben. Das ist ein Unterschied. Dort seid ihr wohlbehütet und die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt. Nichts kann passieren.«
»Im Hotelzimmer?« Das wurde ja immer schöner! Finn hatte seinen Widerstand noch nicht auf