: Andreas Schlüter
: City Crime. Strichcode in Stockholm
: Tulipan Verlag
: 9783641329037
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Geschwister Finn und Joanna sind aufgeregt. Zwar sind sie schon oft verreist, aber noch nie ohne ihre Eltern. Sie besuchen Onkel Thomas, Tante Agneta und Cousin Oscar für eine Woche in Stockholm. Gemeinsam mit Oscar erkunden die Urlauber die Innenstadt von Stockholm und besichtigen die berühmte Altstadt Gamla Stan, das Königsschloss und das Nobel-Museum. Auf ihrem Weg sehen sie einen Obdachlosen, der zusammengekauert in einer Ecke sitzt. Die drei machen sich Sorgen um den Mann, der erfrieren könnte, weil es im März noch sehr kalt in Stockholm ist. Deswegen sprechen sie ihn an, aber der Obdachlose reagiert nicht. Der Mann ist tot! Die Kinder haben mitten in Stockholm eine Leiche entdeckt. Schnell rennen sie zur Polizei und holen Hilfe. Doch als sie mit Verstärkung zurückkommen, ist die Leiche verschwunden. Die Neugier der drei ist geweckt. Was geht hier vor sich? Wohin wurde die Leiche gebracht? Oder war der Mann gar nicht tot? Und was hat die Zahlenkombination in der Streichholzschachtel zu bedeuten, die sie am Tatort gefunden haben? Sie beschließen, dem Rätsel nachzugehen, und beginnen in der Obdachlosenszene Stockholms zu ermitteln. Ein neuer Fall für die Geschwister Joanna und Finn, in dem sie Teil eines echten Schweden-Krimis sind!

Andreas Schlüter, geb. 1958 in Hamburg, lernte nach dem Abitur Kaufmann, arbeitete dann mit Kinder- und Jugendgruppen, gründete 1989 das Journalistenbüro und die Fotoagentur SIGNUM. 1994 erstes Buch: 'Level 4-die Stadt der Kinder', das ein Bestseller wurde und mittlerweile schon zu den modernen Kinderbuchklassikern gehört.
Seit 1996 ausschließlich Kinder- und Jugendbuchautor, seit 2004 auch Drehbuchautor u. a. für den 'Tatort' (zusammen mit Mario Giordano). Er hat mehr als 40 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und einige Kinderkrimipreise erhalten.
Andreas Schlüter lebt in Hamburg und auf Mallorca.

Finn schaute aus dem Flugzeug auf eine gewaltige Seenlandschaft.

»Fantastisch!«, schwärmte er.

Ein großer Teil des Wassers war noch gefroren. Die Übergänge zwischen dem Eis und den aufgetauten Wasserflächen bildeten die bizarrsten Formen und Farben. An manchen Ufern standen einzelne kleine Holzhäuser, zum Teil noch mit Schnee bedeckt, andere, gänzlich schneefrei, verhießen den bevorstehenden Frühling. Es war März, der Himmel strahlend blau, aber in Schweden herrschten noch weitgehend Minus-Temperaturen. Aus dem Fenster des Flugzeugs heraus konnte Finn genau erkennen, welche Flächen dort unten mehr Sonne abbekamen und welche im Laufe eines Tages lange im Schatten standen. Noch nie hatte er den Übergang vom Winter zum Frühling so bildhaft vor Augen gehabt wie hier im Anflug auf Stockholm.

Seine ältere Schwester Joanna saß neben ihm auf dem Mittelsitz. Zwar schaute sie auch gern aus dem Fenster, trotzdem hatte sie ihrem Bruder den Platz überlassen, weil es ihr letztlich doch wichtiger war, sich im Reiseführer auf den bevorstehenden Aufenthalt vorzubereiten. Das machte sie zwar immer, wenn sie verreisten, aber dieses Mal noch intensiver und mit noch größerer Leidenschaft. Denn dies war ihre erste Reise ohne ihre Eltern. Bisher waren sie entweder zu viert oder zumindest mit ihrer Mutter oder ihrem Vater zusammen geflogen oder hatten einen von beiden vor Ort getroffen. Dieses Mal aber waren die Eltern zu Hause geblieben und hatten ihre Kinder allein ins Flugzeug gesetzt. Natürlich blieben die beiden nicht ohne Aufsicht. Dafür waren Finn mit seinen zwölf und Joanna mit ihren dreizehn Jahren noch zu jung. Sie besuchten ihren Onkel Thomas, den Bruder ihres Vaters, der seit fünfzehn Jahren mit einer Schwedin verheiratet war und in Stockholm lebte. Die beiden hatten einen Sohn in Finns Alter. Finn und Joanna hatten ihren Cousin seit drei Jahren nicht mehr gesehen, aber sie wussten, dass sie sich gut mit ihm verstanden, und freuten sich auf die gemeinsame Zeit mit ihm. Durch seinen deutschen Vater konnte Oscar recht gut Deutsch, was ihnen vor Ort sicher nützen würde, denn selbst Joanna, die sehr sprachbegabt war, verstand kein einziges Wort Schwedisch. Finn sowieso nicht, der tat sich generell mit Fremdsprachen sehr schwer.

Joanna überlegte gerade, welche Sehenswürdigkeit sie sich als Erstes anschauen wollte. Das Königsschloss oder …

»Ich will ins Nobel-Museum«, wurde sie von Finn in ihren Gedanken unterbrochen.

»Okay«, stimmte Joanna ihm zu. Sie fand das Museum auch interessant, in dem man nicht nur etwas über den ­Stifter des berühmten Alfred-Nobel-Preises erfahren konnte, sondern auch noch über alle Nobelpreisträger, die es jemals gegeben hatte. »Aber erst das Königsschloss!«

»Ja, gut.« Finn war einverstanden.

Er schaute wieder aus dem Fenster und fragte sich, wie wohl ihre Unterkunft sein würde. Sie hatten ihren Onkel und Oscar zwar schon mehrmals getroffen, aber immer nur in Deutschland. Zum ersten Mal statteten sie ihnen einen Besuch in Stockholm ab.

»Was gibt es in Schweden eigentlich Besonderes zu essen? Außer die Köttbullar, die man von IKEA kennt, meine ich«, fragte Finn.

Bestimmt hatte seine Schwester auch darüber etwas gelesen. Finn aß zwar – egal, welches Land sie gerade besuchten – überall am liebsten Burger, aber es interessierte ihn doch, was es Landestypisches zu essen gab. Obwohl er das meiste schon von zu Hause her kannte. Bei ihnen gab es eine solche Auswahl an italienischen, türkischen, griechischen, spanischen, thailändischen und anderen Restaurants und Imbissbuden aus aller Welt, dass ihn auf Reisen nichts mehr wirklich überraschen konnte. In Prag allerdings waren die Braten und Knödel schon eine Entdeckung gewesen, während Finn in Paris, mit