: Antje Herden
: Parole Teetee
: Tulipan Verlag
: 9783641329105
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Teetee ist verschwunden! Den Kindern der Klasse 4a fehlt die nette alte Dame, die zu ihrem Viertel einfach dazugehört. Genau wie ihre beinah magische Handtasche, aus der sie immer genau das zieht, was jemand gerade gebrauchen könnte. Die Erwachsenen scheint es nicht zu kümmern, dass Teetee nicht mehr da ist. Denn nicht allen gefällt, was sie tut. Doch die Kinder wissen, dass jedes Viertel jemanden braucht, der wirklich zuhört und sich kümmert - und Wünsche erfüllt, von denen man selbst noch gar nichts ahnte. In ihrer neu gegründeten Kommandozentrale in Herrn Mansurs Laden schmieden sie einen Plan. Mit detektivischem Gespür, Pistazien, Pfefferminztee und guten Freunden werden sie das Rätsel um Teetees Verschwinden schon knacken! Parole: Teetee!

Antje Herden, 1971 in Magdeburg geboren, studierte etwas Chemie und viel Architektur. Seit 2004 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten für Erwachsene und Reportagen für Stadtmagazine und seit 2010 hauptberuflich Kinder- und Jugendbücher. Antje Herden reist am liebsten durch die Welt. Ansonsten arbeitet und lebt sie in Darmstadt.

KAPITEL 1 –
stellt fast alle kurz vor


Teetee –


Alle fanden Teetee merkwürdig: die Kinder, die Erwachsenen und die anderen ebenfalls. Sogar der dicke Hund vom alten Hofmann war außer Rand und Band und bellte die ganze Straße zusammen, wenn sie vorbeilief. (Der alte Hofmann und sein dicker Hund werden in dieser Geschichte allerdings nicht noch einmal auftreten.)

Teetee war lang und dünn wie eine Bohnenstange. Alt war sie auch. Vielleicht siebenundachtzig oder zweiundsechzig. Wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Sie hatte jedenfalls viele Falten.

An Teetee vorbeizugehen fühlte sich ein bisschen ungemütlich an. Obwohl niemand sagen konnte, wieso. Daran war ganz sicher nicht die Ähnlichkeit mit einer Bohnenstange schuld. Die sind ja meist ziemlich harmlos. Auch alte Leute sind im Großen und Ganzen nichts Beunruhigendes.

Teetee roch fremd, aber nicht zu sehr und fast sogar gut. Nach Rauchwerk, Käsecrackern und Zuckerwatte. Das konnte es also auch nicht sein.

Sie trug einen grauen Mantel. Im Winter war der zugeknöpft und eine karierte Wolldecke war fest drum herum geschlungen. Im Sommer wehten die offenen Mantelschöße im Wind um Teetee. Sie glänzten von innen violett. Aber auch ein Mantel, egal wie oft oder wie selten er angezogen wird, ist nicht besonders beängstigend.

Genauso wenig wie ein Badekappenturban aus lila Samt. Den trug Teetee auf dem Kopf. Ob sich darunter Haare verbargen und ob die kurz oder lang, weiß, lila oder schwarz waren, hatte noch niemals jemand gesehen.

Teetee lächelte immer. Entweder jemanden an oder vor sich hin. Die Kinder grinsten kurz zurück oder schauten auf den Boden, wenn sie ihr begegneten. Teetees Lächeln war sanft, aber seltsam. Als wüsste sie etwas, wovon niemand sonst auch nur eine Ahnung hatte. Vielleicht war es das.

Doch das Auffälligste an Teetees Erscheinung war ihre große, bauchige Tasche. Diese Tasche trug sie immer mit sich herum. Sie war aus schwarzem Leder und hatte es in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn egal was passierte, egal was gebraucht wurde, Teetee zog immer das genau Passende daraus hervor. Auch wenn kaum einer sofort erkannte, dass das Herausgezogene das genau Passende war. Was aber nur daran lag, dass die meisten Menschen eben nicht wissen, was sie gerade wirklich brauchen.

Unter den Kindern kursierte das Gerücht, Teetees Tasche sei magisch. Eine Zaubertasche, die Wünsche erfüllte. Noch nie gedachte, vernachlässigte, verloren gegangene Wünsche.

Wegen der magischen Tasche und wegen ihres gewissen wissenden Lächelns fürchteten sich manche Kinder ein wenig vor Teetee. Man könnte sogar sagen, dass der ungemütliche Grusel, den sie bei Begegnungen mit Teetee empfanden, die Kinder des ganzen Viertels miteinander verband.

So unterschiedlich sie sonst auch waren.

Lene –


Lene ging in die vierte Klasse. Sie hatte ein hübsches Lächeln und dunkelbraune Locken, die ihr über die Schultern fielen. Meistens trug sie jedoch einen Zopf.

Morgens war sie fast immer zu spät