: Jasminka Petrovi?
: Der Sommer, als ich fliegen lernte
: Tulipan Verlag
: 9783641329273
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein feinsinniger und vielschichtiger Coming-of-Age-Roman - berührend, leicht, spannend! Ab Frühjahr 2023 im Kino. Endlich Sommerferien - eigentlich die schönste Zeit des Jahres für die dreizehnjährige Sofija. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Statt mit ihren Freundinnen in Belgrad abzuhängen, muss sie mit ihrer Oma auf die kroatische Insel Hvar zu Omas Schwester Lucija fahren. Für die beiden Frauen ist es das erste glückliche Wiedersehen seit dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Für Sofija hingegen ist es ein absoluter Teenager-Albtraum: Um sie herum nur alte Leute, Mücken ohne Ende, keine Freunde. Wie soll sie es hier bloß zwei Wochen aushalten? Doch alles verändert sich, als Sofija sich zum ersten Mal richtig verliebt, neue Freunde findet und sogar mit einem Familiengeheimnis konfrontiert wird, das auf den Krieg in Jugoslawien zurückgeht ...

Jasminka Petrovi?, 1960 in Belgrad geboren, hat über 30 Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben, von denen viele ausgezeichnet wurden, unter anderem mit der Empfehlung auf der White Ravens-Liste 2016.

Erste Nacht


Oma schnarcht. Ich raste aus. Und die Mücken bringen mich erst recht auf die Palme. Sie attackieren meine Nase und meine Augen. Gleich wird es hell und ich bin immer noch wach. Und Hunger hab ich auch. Ich wälze mich im Bett hin und her. Das Nachthemd hat sich um mich gewickelt wie ein Bonbonpapier ums Bonbon.

Dabei hab ich mich so auf den Sommer und die Ferien gefreut! Ich dachte, Mama und Papa erlauben mir, mit Luka und seiner Clique zu zelten. Die zweite Variante wäre gewesen, mit Saška zu ihrer Cousine nach Kraljevo zu fahren. Falsch gedacht!

An einem Nachmittag hat mich meine Mutter richtig bequatscht: »Wie blass du bist, schau dich nur an! Den ganzen Tag starrst du auf den Computer. Hör mal, du begleitest Oma diesen Sommer nach Hvar. Das wird bestimmt super: Insel, Meer, Sonne, nette Leute, verliebt sein … Ich habe in Stari Grad die schönsten Sommer meines Lebens verbracht, ach, wenn ich nur anfange mich zu erinnern …«

Bla, bla, bla … Und ich biss auch noch an, schnappte nach ihrem Köder wie ein dummer Fisch und willigte ein. Sobald ich im Bus saß, bereute ichs natürlich sofort, doch zu spät: Oma holte ein Kissen aus dem Beutel, allerdings nicht so ein fancy Reisekissen zum Aufblasen, nein, ein richtig großes fürs Bett. Mit dem Riesenkissen verbaute sie den Durchgang und die anderen Reisenden konnten sich kaum noch zu ihren Sitzplätzen durchzwängen. Voll peinlich! Ich presste mein Gesicht ans Fenster und tat so, als ob ich nicht zu ihr gehören würde. Die Situation auf dem Bussteig war jedoch kein bisschen besser. Mama und Papa gaben mir die letzten Anweisungen vor der Reise und schrien, als hätten sie sich im Wald verirrt. Weil ich nicht darauf reagierte, fingen sie an, wie wahnsinnig zu hüpfen und an die Scheibe zu klopfen. Im selben Moment bekam ich auch noch eine Nachricht von Saška:

Schöne Reise dir, hast dus gut! Ivana und ich hängen hier vor der Schule rum. Grüß uns das Meer und sag ihm, dass wirs auch irgendwann noch kennenlernen! Wenn wir mal berühmt und reich sind. Kuss

Ich wollte ihnen schnell zurückschreiben, dass die Dinge ganz anders standen, als sie dachten. Gut haben es die, die auf der Mauer im Schulhof sitzen und chillen, nicht die, die mit Oma in den Sommerurlaub fahren. Ich schickte noch hinterher, dass ich am liebsten aus dem Bus springen, oder besser gesagt, im Erdboden versinken würde … Als ich gerade aufSenden drücken wollte, fuhr der Bus los und Mama und Papa fingen an, neben meinem Fenster herzulaufen. Ich dachte: ›Okay, dann laufen sie halt ein bisschen mit, die werden schon gleich wieder aufhören. Ich fahr ja nicht mit der Grundschule ins Schullandheim.‹ Falsch! Die beiden rannten durch den ganzen Busbahnhof hinter uns her und noch weiter die Straße entlang, während wir an der Am pel standen und dann über die Kreuzung fuhren ... Dieses dumme Familienritual ziehen Mama und Papa jedes Mal durch, wenn Luka und ich irgendwo hinfahren. Wir haben ihnen schon hundertmal gesagt, sie sollen das lassen, aber es bringt nichts. Luka denkt, sie versuchen so, ihre elterlichen Sünden wiedergutzumachen. Ich dachte in