: Victoria Holt
: Das Geheimnis der Engländerin - oder: In der Nacht des siebenten Mondes Roman
: dotbooks
: 9783989522336
: 1
: CHF 4.50
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 431
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine starke Frau auf der Suche nach der Wahrheit und dem Mann, den sie liebt 19. Jahrhundert: Die junge Helena Trent wächst als Tochter eines Buchhändlers in Oxford auf, doch für ihre Ausbildung schicken ihre Eltern sie nach Deutschland, die Heimat ihrer Mutter. Von Anfang an ist Helena fasziniert von der verzaubernden Einsamkeit des Schwarzwaldes - und als sie hier schließlich auf den Adeligen Maximilian trifft, ist es um ihr Herz bald geschehen. In einer geheimen Zeremonie heiraten die beiden - aber nach zwei Tagen ist Maximilian plötzlich verschwunden?... Jahre später tritt Helena eine Stelle auf einem abgelegenen Schloss an: Als Englischlehrerin soll sie die illegitimen Kinder eines Grafen unterrichten. Doch weshalb erinnert dieser sie so sehr an ihren geliebten Maximilian? Während Helena versucht, hinter das Geheimnis des mysteriösen Anwesens zu kommen, spürt sie, wie die traumhafte Landschaft des Schwarzwaldes sich nach und nach in einen Albtraum verwandeln?... Der mitreißende historische Roman »Das Geheimnis der Engländerin« von Victoria Holt wird alle Fans von Katherine Webb und Felicity Whitmore begeistern.

Kapitel 1


Wenn ich heute – im reifen Alter von siebenundzwanzig Jahren – auf das fantastische Abenteuer meiner Jugend zurückblicke, halte ich selbst kaum mehr für möglich, was ich damals so fest glaubte. Doch manchmal erwache ich noch jetzt mitten in der Nacht, weil eine Stimme im Traum nach mir ruft: Die Stimme meines Kindes. Die Leute in diesem Kirchspiel halten mich für eine alte Jungfer. Ich aber weiß im tiefsten Herzen, dass ich eine Frau bin, obwohl ich mir immer wieder die gleiche Frage stelle: Litt ich damals an einer Geistesverwirrung? Stimmte das, was sie mir einzureden versuchten – dass ich, ein romantisches und ziemlich schwaches Mädchen, wie so viele andere verführt worden war und mir eine wilde Geschichte ausgedacht hatte, weil ich der Wahrheit nicht ins Auge sehen konnte – eine Geschichte, die keinem außer mir glaubhaft erschien?

Es ist von größter Wichtigkeit für mich, zu begreifen, was in der Nacht des siebenten Vollmondes wirklich geschah. Deshalb habe ich mich entschlossen, die Ereignisse bis in alle Einzelheiten niederzuschreiben; so, wie sie mir im Gedächtnis geblieben sind.

Schwester Maria, die freundlichste der Nonnen, sagte oft kopfschüttelnd: »Helena, mein Kind, du wirst dich in Acht nehmen müssen. Es ist nicht gut, so unbekümmert und leidenschaftlich zu sein, wie du es bist.«

Schwester Gudrun, die bei weitem nicht so wohlwollend war, pflegte ihre Augen zu einem Spalt zu verengen und bedeutungsvoll zu nicken, wenn sie mich betrachtete. »Eines Tages wirst du zu weit gehen, Helena Trant!«, prophezeite sie.

Mit vierzehn wurde ich zur Ausbildung in das Damenstift geschickt und blieb vier Jahre dort. Während dieser Zeit war ich nur einmal zu Hause in England, als meine Mutter starb. Meine beiden Tanten kamen damals, um für meinen Vater zu sorgen. Ich konnte sie vom ersten Augenblick an nicht ausstehen, weil sie so ganz anders als meine Mutter waren. Tante Caroline hielt ich für die unangenehmere von den beiden. Sie schien kein anderes Vergnügen zu kennen, als auf die Fehler ihrer Mitmenschen hinzuweisen.

Wir lebten in Oxford, im Schatten der Akademie, die mein Vater einst besucht hatte, bis sein ungestümes, leichtsinniges Betragen ihn zwang, sein Studium aufzugeben. Vielleicht bin ich nach ihm geraten; ich glaube es jedenfalls. Unsere Abenteuer ähnelten sich in gewisser Weise, obwohl man die seinen nie anders als achtbar nennen konnte.

Er war der einzige Sohn, und seine Eltern hatten beschlossen, ihn zur Universität zu schicken. Seine Familie hatte große Opfer dafür gebracht, was Tante Caroline weder vergeben noch vergessen konnte. Während seiner Studienzeit unternahm er zusammen mit einem Freund eine Wanderung durch den Schwarzwald, und dort lernte er ein wunderschönes Mädchen kennen, in das er sich unsterblich verliebte. Von nun an gab es für die beiden kein anderes Ziel mehr, als zu heiraten. Ihre Geschichte glich fast einem der Märchen, die ihren Ursprung in jenem Teil der Welt haben. Meine Mutter war von adliger Herkunft; dieses Land war reich an kleinen Herzog- und Fürstentümern. Natürlich stieß ihre Liebe bei beiden Familien auf Widerstand. Mutters Eltern wünschten nicht, dass sie einen mittellosen englischen Studenten heiratete; seine Eltern hatten sich abgearbeitet, um ihm eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Man hoffte, dass mein Vater auf der Universität Karriere machen würde, denn trotz seiner romantischen Natur hatte er das Zeug zu einem Gelehrten, und seine Tutoren setzten große Hoffnungen in ihn. Aber für das junge Paar gab es nun nichts Wichtig