: Antje Herden
: Korianderkuss
: Tulipan Verlag
: 9783641330231
: 1
: CHF 10.80
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Scheiß, scheiß, scheiß Liebe! Ohne die gäbe es da nämlich nicht diese riesengroße Lücke in Rosas Leben, seitdem ihre beste Freundin nur noch mit ihrem neuen Freund rumhängt. Doch dann ändert sich Rosas Leben schlagartig. Zum einen kommt Kim neu in ihre Klasse und Rosa ist von jetzt auf gleich fasziniert. Und Kim scheint es mit Rosa genauso zu gehen. Und dann ist da noch dieser Brief von Rosas unbekanntem Vater, der ihr einen verwilderten Garten schenkt. Rosa und Kim richten den Garten zu einem kleinen Paradies her, bauen Gemüse an, fühlen sich frei und unabhängig. Und Rosa spürt: Das zwischen ihr und Kim ist mehr als Freundschaft. Doch ist es normal, dass sie in Kim verliebt ist, wenn Kim sich weder als Junge noch als Mädchen fühlt? Ein bewegender Coming-of-Age-Roman über Pubertät, Identität, Queerness, Freundschaft, erster Liebe, Gemeinschaft - und Klimakrise

Antje Herden, 1971 in Magdeburg geboren, studierte etwas Chemie und viel Architektur. Seit 2004 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten für Erwachsene und Reportagen für Stadtmagazine und seit 2010 hauptberuflich Kinder- und Jugendbücher. Antje Herden reist am liebsten durch die Welt. Ansonsten arbeitet und lebt sie in Darmstadt.

2

Am nächsten Morgen ist einfach der Sommer da. Mitten im April. Im Schrank hängt noch das Kleid, das mir Fred geschenkt hat. Es ist ein hellblaues Trägerkleid mit einem gesmokten Oberteil. Fred hatte es nur zweimal angehabt, dann war sie herausgewachsen. Vor allem obenrum. Ich habe es nie getragen. Erst war es noch zu kühl dafür und als es wärmer wurde, waren wir keine Freundinnen mehr. Obwohl das Kleid und ich ein gutes Team gewesen wären.

Weil wir ihr nicht mehr passen,

hat Fred uns zurückgelassen.

Meine Hand zögert, danach zu greifen. Aber dann gewinnt eine komische Wut in meinem Bauch. Ich ziehe das Kleid heftig vom Bügel und dann noch heftiger über meinen Kopf. Soll es doch zerreißen. Tut es aber nicht. Stattdessen stehe ich meinem Spiegelbild gegenüber und finde das gar nicht so schrecklich.

»Bis heute Nachmittag, mein Schatz.« Mam lehnt in der Tür zu meinem Zimmer und sieht irgendwie überhitzt aus.

»Bist du nicht zu warm angezogen? Es sollen 25 Grad werden«, sage ich.

Sie blickt an ihrem dicken Sweatshirt hinunter, die wollene Hose entlang, auf die gestrickten Socken mit den Schneekristallen.

»Du hast recht. Beim Jahreszeitenwechsel schaffe ich irgendwie nie den Absprung«, seufzt sie und geht noch einmal in ihr Zimmer, um sich umzuziehen.

Nicht nur beim Jahreszeitenwechsel, liebe Frau Retter, wir beide könnten längst wieder Sonnental heißen, so wie Omi und Opi.

»Du siehst übrigens sehr hübsch aus«, ruft Mam durch den Türspalt. »Das sage ich natürlich nur unter größtem Vorbehalt. Wir alle wissen ja, dass die Reduzierung auf Äußerlichkeiten absolut nicht korrekt ist.«

Zur Sicherheit schlüpfe ich noch in meinen Hoodie.

Als ich mich auf meinem Rad der Schule nähere, bin ich plötzlich aufgeregt. Was wird Fred zu dem Kleid sagen? Dann ärgere ich mich, dass ich darüber auch nur nachdenke. Ist doch völlig egal, was diese Verräterin zu meinem Kleid sagen wird. Auch wenn das einst ihr gehörte.

Zudem bin ich ein klitzekleines bisschen zu spät un