Gut gebrüllt, Löwe!
Omar nervt. Erst will er, dass ich mit ihm Fußball spiele. Kaum sind wir aufm Sportplatz, sieht er irgendeinen Knirps mit einem Bobbycar und er muss unbedingt sofort seines haben, da führt kein Weg dran vorbei. Weil ich aber genau weiß, dass Mama auch genervt ist, wenn er jetzt wieder reingeht, um es zu holen, mache ich das. Natürlich steht es vollkommen eingekeilt in der Abstellkammer, schließlich ist er ewig nicht damit gefahren. Und als ich nach fünfzehn Minuten zurückkomme, ist der Knirps samt Bobbycar verschwunden und Omar nicht mehr interessiert an seinem Babyspielzeug. Den Sportplatz haben inzwischen die Checker erobert, die angefixt vom Slalomfahren am Freitag schon wieder ihre Kurven drehen. Omar gafft und will jetzt unbedingt sofort Fahrradfahren lernen. Und zwar genau so! Einer von den Jungs kriegt das mit und lacht meinen Bruder aus, der wütend wird und »Doofmann!« auf den Platz brüllt. Was sich zugegebenermaßen ziemlich niedlich anhört, weshalb die Jungs auf ihren Rädern Omar noch lauter abfeiern und Omar noch wütender wird, weshalb er genau jetzt um den Käfig und durch das Drehkreuz auf den Platz rennt und brüllt. Womit ich kein Schimpfwort meine, Omar brüllt einfach Brülllaute. So wie Tiere es tun. Wobei es bei Tieren natürlich auch Sprache sein könnte, das weiß ich aber nicht, müsste ich mal googeln, aber nicht jetzt, denn jetzt hat Omar meine ganze Aufmerksamkeit, obwohl ihn die ausnahmsweise mal nicht interessiert. Er will die der Checker. Das mit dem Brüllen macht mein Bruder seit ein paar Tagen jedes Mal, wenn er wütend wird, und zwar urplötzlich, aber dann mit Ausdauer und Karacho. Er brüllt genau so lange, bis er kriegt, was er will, oder bis das, was ihn stört, beendet wird. Als diese Taktik noch nicht als solche zu erkennen war, haben wir uns zu Hause jedes Mal absolut erschrocken, weil wir dachten, es sei etwas wirklich Schlimmes passiert. Also m