: Georg Brun
: Venusgold Ein München-Krimi
: Bookspot Verlag
: 9783956692147
: 1
: CHF 7.10
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 312
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach schweren Verlusten hat Olga Swatschuk ihre Kanzlei geschlossen und lehrt nun an der Universität. Doch die Ruhe endet abrupt, als ihre Studentin Caroline, die als Escort-Dame arbeitet, verzweifelt um Hilfe bittet. Ein unerwünschter Kunde, ein Banker, stalkt sie. Sie hat Angst, ihren Job zu verlieren, wenn sie sich weigert, ihn zu bedienen. Während Olga sich darauf konzentriert, Caroline zu schützen, ist ein geheimnisvolles Team auf der Spur eines Netzwerks aus Geldwäsche und digitaler Währung, das bis in die Kreise der russischen Mafia reicht. Erst am Ende kreuzen sich ihre Wege, als der Banker tot aufgefunden wird und Caroline spurlos verschwindet. Kann Olga die Wahrheit ans Licht bringen und Caroline retten, bevor es zu spät ist? Nach 'Bodenloser Fall', 'Gewissenlose Wege' und 'Grenzenlose Gier' bietet 'Venusgold' nicht nur eine fesselnde Fortsetzung der München-Krimi-Reihe rund um Anwältin Olga Swatschuk, sondern markiert einen spannenden Neuanfang.

In München im Jahr 1958 geboren, ist Georg Brun mit einigen Abstechern stets ein »Münchner Kindl« geblieben. Auf mehrere Jahre im Bayerischen Landeskriminalamt und das Jura-Studium folgte eine langjährige Tätigkeit im Wissenschaftsministerium. Als Georg Brun im Jahr 1988 mit »Das Vermächtnis der Juliane Hall« sein erstes Buch veröffentlichte und dafür den Bayerischen Förderpreis für Literatur erhielt, begann sein erfüllendes Doppelleben als Jurist und Schriftsteller. Mit »Bodenloser Fall« und »Gewissenlose Wege« eröffnete er seine München-Krimi-Reihe rund um die junge Anwältin Olga Swatschuk. Es folgte der dritte Band »Grenzenlose Gier«. Nun ermittelt Olga in ihrem vierten Fall »Venusgold«. Spannende Fälle mit dem pensionierten Kommissar Nathan Weiß sind in Bruns Büchern »Spüre meinen Zorn« und »Liebe meine Farben« zu lesen. Beide erschienen ebenfalls im Bookspot Verlag. Mehr über den Autor unter www.georgbrun.de oder auf Instagram unter: @brungeorg

1


Dumpfes Dröhnen. In der Ferne krächzt ein Rabe. Ein zuckender Blitz erhellt das Dunkel und zeigt ein blasses Gesicht. Gebrochene Augen starren sie durchdringend an. – Schreiend wachte Olga auf. Sonja drehte sich im Bett und umarmte ihre Freundin.

»Alles ist gut, ich bin bei dir«, flüsterte sie.

»Gott sei Dank«, antwortete Olga und kuschelte sich in Sonjas Arme. Bald darauf hörte sie den gleichmäßigen Atem ihrer Lebensgefährtin. Sonja war eingeschlafen.

Olga war ebenfalls wieder in einen unruhigen Schlaf gefallen, denn es dämmerte bereits, als sie die Augen aufschlug und ihren wirren Träumen nachspürte. Immer noch, obwohl es schon mehr als vier Monate her war, erschien ihr Alex’ bleiches Totengesicht im Traum, und nach wie vor erschütterte sie sein sinnloser Tod. Doch sie hatte sich vorgenommen, nach vorne zu blicken und gemeinsam mit Sonja ihr Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wehmütig zwar, aber mit kühner Entschlossenheit hatte sie vor drei Wochen ihre Anwaltskanzlei endgültig geschlossen und eine Assistentenstelle am Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie und Rechtsphilosophie angetreten. In ihrer kleinen Wohnung hatte sie das Wohnzimmer zu einem Arbeitsraum umfunktioniert und war bei Sonja eingezogen. Was sie sich vor neun Monaten nie hätte träumen lassen, war eingetreten: Olga hatte ihr Glück in einer Beziehung mit einer Frau gefunden. Gemeinsam mit Sonja wollte sie durchs Leben gehen. Es fühlte sich stimmig an, auch beruflich eine Zäsur zu machen und das harte Brot der Strafverteidigerin gegen die Abenteuer der Wissenschaft einzutauschen. Zugegeben, das Thema ihrer Dissertation klang etwas sperrig:Der Begriff der Gerechtigkeit bei Hegel in Bezug auf die moderne Jurisprudenz. Sie hatte sich die letzten Monate etwas eingelesen und wusste über die Herausforderung Bescheid, die es zu meistern galt. Hegel war keine leichte Kost. Aber das spornte Olga nur noch mehr an, ihren verspäteten Anlauf zu einer wissenschaftlichen Karriere schwungvoll zu gestalten.

Neben ihr atmete Sonja immer noch sanft und ruhig, und Olga beschloss, ihre Lebensgefährtin weiterschlafen zu lassen. Leise rollte sie sich aus dem Bett, zog die Schlafzimmertür hinter sich zu und ging ins Bad. Aus dem Spiegel blickte ihr ein tief gebräuntes Gesicht entgegen, nachträglicher Beweis für das Traumwetter, das sie gestern und vorgestern auf ihren Skitouren in den Stubaier Alpen gehabt hatten. Wenn Olga die Lachfältchen, die von ihren Augenwinkeln abstrahlten, auf den fantastischen Pulverschnee der steilen Nordflanken zurückführte, dann trug sie das gelungene Bergwochenende tatsächlich im Gesicht. Olga schmunzelte bei diesem Gedanken und putzte sich die Zähne. Sie zog sich an, lauschte kurz an der Schlafzimmertür und ging zum Bäcker, um Brötchen und Croissants zu holen.

»Mich zwickt ein ordentlicher Muskelkater«, bemerkte Sonja, während sie einen dicken Löffel Erdbeerkonfitüre auf ihr Croissant strich. »Es war ein fantastisches Wochenende. Was erwartet dich heute an der Uni?«

»Meine erste Seminarrunde, die ich selbständig leiten darf«, nuschelte Olga und schluckte den letzten Bissen ihres Croissants hinunter. »Bin schon aufgeregt.«

»Das schaffst du mit links«, beruhigte Sonja. »Um was geht es denn?«

»Um die Frage von Beweiserhebung und Beweisverwertung.«

»Ha«, lachte Sonja, »da kennst du dich ja aus.«

Olga verzog das Gesicht zu einer schmerzhaften Grimasse. »Das ist unser wunder Punkt. Genau deshalb widme ich mich jetzt der reinen Lehre der Gerechtigkeit, anstatt ihr nachzuhelfen.«

»Du weißt, wie sehr ich dich für diesen Schritt bewundere und wie sehr ich unsere Ermittlungsabenteuer vermisse«, erwiderte Sonja und gab Olga einen flüchtigen Kuss.

»Ohne diese Abenteuer«, flüsterte Olga wehmütig, »würde Alex noch leben. Ich habe i