Es ging gerade erst auf sechs Uhr in der Früh zu. Die Sonne kletterte eben über die charakteristische Spitze des Schwarzbergs und ließ das goldene Gipfelkreuz vor dem klaren Sommerhimmel strahlen.
Katharina Strohfuß betrachtete dieses Schauspiel immer wieder gern. Seit über vierzig Jahren war sie nun die Hauserin auf dem traditionsreichen Tannenhof in Oberaudorf. Sie war morgens stets die Erste in der Küche und verließ ihr »Reich« erst, wenn alles blitzte und blinkte und an seinem Platz stand. Flink und geschickt, nimmermüde und sehr gewissenhaft, so konnte man die gute Seele des Tannenhofes ohne Übertreibung charakterisieren.
Als Katharina seinerzeit beim Hofacker-Bauern eingestanden war, war sie erst dreiundzwanzig Jahre alt gewesen, eine hübsche, unbeschwerte Frau, patent und fleißig. Sie hatte sich leicht in die Männerwirtschaft eingefunden und alles wieder auf Vordermann gebracht. Der damalige Bauer, Vinzenz Hofacker, hatte seine Frau früh verloren und seinen Sohn Lukas allein großgezogen.
Katharina erinnerte sich noch gut an den feschen Lukas, der damals allen Madeln den Kopf verdreht hatte. Dann aber hatte es ihn selbst erwischt, und er hatte die schöne Christel Moosbacher heimgeführt. Die beiden hatten zwei Söhne bekommen, Andreas, den Älteren, und seinen um zwei Jahre jüngeren Bruder Sebastian.
Die Ehe war sehr glücklich gewesen, die Bäuerin eine Seele von einem Menschen. Katharina hatte sich wirklich gut mit ihr verstanden, die beiden waren Freundinnen geworden.
Dann, als Andreas gerade zehn Jahre alt geworden war und sein Bruder acht, hatte ein schreckliches Unglück den Buben die Eltern genommen. Bei einem späten Lawinenabgang waren Lukas und Christel Hofacker mit ihrem Wagen von der Straße abgekommen und in die Schwarzbergklamm gestürzt.
Für den Altbauern kam zu dem schmerzhaften Verlust die Bürde, die ihn letztendlich nicht alt hatte werden lassen. Er musste den Hof nun für seine Enkel führen und ihnen zugleich Vater und Mutter sein, eine beinahe unmögliche Aufgabe für den herzkranken Mann. Er hatte tapfer durchgehalten, bis Andreas volljährig geworden war.
Katharina hatte sich um die Bu