Kapitel 1 - Antonia und Paul
Paul sah rüber zu Antonia, die gerade das Frühstücksgeschirr in die. Spülmaschine räumte. „Möchtest du wirklich nicht mitkommen mein Schatz?“
Lächelnd beobachtete er, wie ihre Hand immer wieder, fast wie unbewusst über ihren sich schon ganz leicht rundenden Bauch strich. Sie wussten erst seit Kurzem, dass sie in ungefähr sechs Monaten zum allerersten Mal Eltern werden würden. Und beide waren einfach nur überglücklich. Sie waren seit vier Jahren ein Paar und verliebt wie am ersten Tag. Vor drei Wochen waren sie vom beschaulichen Steindorf in Schwaben ins quirlige Berlin gezogen. Paul hatte als IT-Berater einen sehr gut bezahlten Job in einer großen Firma in Charlottenburg angeboten bekommen und Antonia gebeten, mit ihm nach Berlin zu gehen. Sie wollten in Berlin völlig neu durchstarten. Antonia hatte eine Stelle als Rechtsreferendarin in einer renommierten Kanzlei in Berlin Mitte gefunden. Dort würde sie bis zu ihrem Mutterschutz arbeiten können. Pauls Firma hatte den beiden angeboten, in eines der firmeneigenen Häuser in Charlottenburg zu ziehen. Zurzeit wohnten sie allerdings noch übergangsweise in Friedrichshain, einem lebhaften Stadtteil von Berlin. Antonia fühlte sich dort ziemlich wohl, die Menschen waren offen, herzlich, mit der fast schon berühmt-berüchtigten Berliner Schnauze. Mit Charlottenburg konnte sie sich gedanklich noch nicht so ganz anfreunden, sie war sich nicht ganz sicher, ob es die geeignete Umgebung sein würde, um ein Kind großzuziehen. Paul trat hinter sie und umfasste sie mit seinen Armen.
„Ich werde das Haus genauestens unter die Lupe nehmen, immerhin wird dort unsere kleine Prinzessin aufwachsen.“ Antonia musste lachen.
„Vielleicht wird’s ja auch ein kleiner Prinz, das wissen wir ja beide schließlich noch nicht. Ich bin mal sehr gespannt, was du nachher erzählst. Und ich erwarte natürlich, dass du mir ganz viele Bilder machst.“
Sie drehte sich zu ihm um und schlang die Arme um seinen Hals. „Ich werde später mal einen kleinen Ausflug in die umliegenden Geschäfte machen und gucken, mit was ich uns kulinarisch die nächsten Tage über die Runden bringen werde.“
Dann drückte sie ihm einen Kuss auf die Lippen und schloss den Geschirrspüler. Noch kannten sie sich beide hier in Berlin nicht wirklich gut aus, waren sich aber sicher, dass die Hauptstadt ein neues Zuhause für sie werden könnte. Sie waren noch verhältnismäßig jung und flexibel genug, um sich auf dieses Abenteuer fast unvoreingenommen einzulassen. Antonia war 28 Jahre, Paul 29 Jahre alt. Sie hatten sich in Stuttgart auf einem Konzert kennen gelernt und festgestellt, dass sie gerade einmal 20 Kilometer voneinander entfernt wohnten. Es war die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick. Antonia hatte sofort Schmetterlinge im Bauch beim Anblick des großen, dunkelhaarigen Mannes, dessen Augen sie so unglaublich sanft ansahen und dessen Stimme ihr eine Gänsehaut verursachte. Beide hatten vom ersten Moment an das Gefühl, in dem jeweils anderen seinen Seelenpartner gefunden zu haben. Sie hatten die gleichen Interessen, mo