Staffel:
Maria Rosalia Auguste »Rosemarie« Nitribitt.
Geboren am 1.2.1933,
verstorben am 29.10.1957
Es gibt wohl kaum einen Kriminalfall, der im Nachkriegsdeutschland so viel Aufsehen erregt hat, wie der Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt. Noch heute gibt es kaum eine Stadtführung durch Frankfurt am Main, bei der das Leben und der nie aufgeklärte Mord, an der damals 24-jährigen nicht thematisiert wird. Und ihre Bekanntheit führt noch immer weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Rosemarie Nitribitt wurde nur 24 Jahre alt, als sie in ihrer eigenen Wohnung von vermutlich einer Person brutal ermordet wurde. Bis heute ist der Fall ungelöst und führt bis in die höchsten Kreise der Frankfurter Gesellschaft. 1957 schien die Polizei mehr zu vertuschen, als aufklären zu wollen.
Professor Verhoff und Franziska Franz widmen dem Fall drei Folgen. Außerdem wird Franziska Franz mit der Leiterin des Frankfurter Kriminalmuseums, Anja Lange, ein Interview führen.
Folge 1
Rosmarie Nitribitt ist nie ein glücklicher Mensch gewesen. Sie wuchs bei einer minderjährigen Mutter auf, den Vater kannte sie nicht. Sie hatte zwei jüngere Geschwister, ist aber nur kurze Zeit in der Familie, besser gesagt bei der Mutter geblieben, da diese straffällig geworden ist und eine Gefängnisstrafe verbüßen musste. Alle drei Kinder kamen daraufhin in Kinderheime, wurden aber von dort aus in unterschiedliche Familien vermittelt.
Rosemarie hatte Glück. Sie wurde von einem kinderlosen Ehepaar aus Niedermendig in der Eifel adoptiert. Die Pflegemutter war bereits 50 Jahre alt, der Pflegevater 70. Die Adoption hatte für das Ehepaar zwei Gründe: Zum einen bekam man damals für ein Pflegekind 30,- DM im Monat, was für damalige Verhältnisse viel Geld war. Zum anderen mochte das Ehepaar Kinder und freute sich über das kleine Mädchen, das sich dort schnell geborgen fühlte. Rosemarie verbrachte dort die glücklichsten Jahre ihres Lebens, vielleicht sogar die einzigen Jahre, in denen sie je glücklich war. Sie ging von da an regelmäßig zur Schule und die Pflegeeltern waren sehr lieb zu ihr. Rosemarie dankte es, indem sie aufgeschlossen war. Außerdem knüpfte sie zu dieser Zeit viele Freundschaften. Sie fühlte sich rundum wohl.
Doch ein paar Jahre später, als sie elf Jahre alt war, wendete sich das Blatt. Sie wurde von einem 18-jährigen Nachbarsjungen vergewaltigt. Das war ein Skandal für diesen kleinen beschaulichen Ort. So wurde die Tatsache, die vermutlich jedem bekannt war, unter den Teppich gekehrt. Rosemarie zeigte in ihrem Wesen von dem Tage an deutliche Veränderungen. Sie begann zu lügen und sich zurückzuziehen. Mit dreizehn Jahren befreundete sie sich dann mit zwei Prostituierten und hat sich wenig später selbst vor französischen Soldaten ebenfalls prostituiert. Sie soll mit vierzehn Jahren das erste Mal abgetrieben haben. Die Pflegeeltern waren mit der Situation und der Veränderung ihrer Pflegetochter völlig überfordert, und Rosie musste zurück ins Heim. Dort jedoch hielt sie es nicht lange aus und ist weggelaufen. Zuerst ging sie nach Koblenz, bald darauf aber nach Frankfurt.
Sie hat sich dort ebenfalls prostituiert, außerdem als Kellnerin versucht, Fuß zu fassen. Vor allem aber wollte sie ihren Traum verwirklichen und Model werden. Dieser Traum jedoch ließ sich nicht realisieren, da sie sich offenbar nicht gut benehmen konnte und noch dazu einen starken Eifler Dialekt hatte. Sie begann aus diesem Grund Geld in Benimm- und Sprachkurse zu investieren, denn sie w