: Colleen McCullough
: Die Stadt der Hoffnung Roman
: dotbooks
: 9783989522084
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 418
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Manchmal muss man fallen, bevor man fliegen kann ... Sydney in den 1960er Jahren. Nach außen führt die junge Harriet als Tochter einer wohlhabenden Familie das perfekte Leben - doch insgeheim sehnt sie sich nach mehr als einer Zukunft als brave Ehefrau. Eines Tages wagt sie den Schritt ins Ungewisse: Sie lässt die Sicherheit ihres Elternhauses hinter sich und zieht in eine kleine Wohnung im Armenviertel der Stadt. Hier kämpft Harriet für ihr neues, selbstbestimmtes Leben und lernt auch nach und nach die Bewohner des Wohnhauses kennen - allen voran Flo, die kleine Tochter ihrer Vermieterin, die sie schon bald ins Herz schließt. Als ein schwerer Schicksalsschlag Flo in große Gefahr bringt, setzt Harriet alles daran, das Mädchen wiederzufinden - und muss dabei mehr Stärke beweisen, als jemals zu vor ... »Große Erzählkunst, Mrs. McCullough!« Bild am Sonntag Von der Autorin des Bestsellers »Die Dornenvögel«: Ein ebenso gefühlvoller wie mitreißender Roman für die Fans von Katharina Fuchs oder »Die Wunderfrauen«.

Colleen McCullough (1937-2015) wurde in Wellington geboren und wuchs in Sydney auf. Nach einem Studium der Neurologie arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern in Australien und England, bevor sie einige Jahre nach Amerika ging, um an der Yale University zu forschen und zu lehren. Hier entdeckte sie auch ihre Liebe zum Schreiben, wobei ihre ersten beiden Romane, »Eine Liebe an der roten Küste« und »Die Dornenvögel«, direkt zu internationalen Bestsellern aufstiegen. Colleen McCullough veröffentlichte bei dotbooks Ihre Romane »Die Frauen von Missalonghi«, »Die Stadt der Hoffnung« und »Eine Liebe an der roten Küste«. Außerdem erschien von der Autorin das mitreißende Historienepos »Masters of Rome« mit den Einzeltiteln »Adler des Imperiums«, »Die Krone der Republik«, »Günstlinge der Götter«, »Das Blut des Spartacus«, »Caesars Frauen«, »Tochter des Adlers« und »Die Wasser des Rubikon«.

Kapitel 7:
Samstag, 9. Januar 1960


Kings Cross war keinesfalls eine Enttäuschung. Ich stieg an der Haltestelle vor dem Taylor Square aus dem Bus und ging den Rest des Wegs zu Fuß, wobei ich mich an Pappys Wegbeschreibung hielt. Offenbar isst man am Kings Cross nicht besonders zeitig zu Abend, denn ich sollte erst um acht Uhr auftauchen, und so war es schon ziemlich dunkel, als ich aus dem Bus stieg. Als ich dann am Vinnie’s Hospital vorbeikam, fing es zu regnen an – nur ein Nieseln, nichts was mein pinkfarbener Rüschenschirm nicht abhalten konnte. Als ich die riesige Kreuzung erreichte, die meines Wissens das eigentliche Kings Cross darstellt, war dies zu Fuß bei nassen Straßen und den blendenden Neonlichtern und Autoscheinwerfern, die sich gebrochen im Wasser spiegelten, ein gänzlich anderer Anblick, als wenn man mit einem Taxi darüber hinweg sauste. Es ist wunderschön. Ich weiß nicht, wie die Geschäftsinhaber die Ladenschlussgesetze von Sydney umgehen, denn selbst an einemSamstagabend haben sie geöffnet. Ein wenig enttäuscht war ich, als ich entdeckte, dass mich meine Route nicht entlang der Geschäfte an der Darlinghurst Road führte – ich musste die Victoria Street hinuntergehen, an der DAS HAUS lag. So nennt Pappy es nämlich. »DAS HAUS«, und zwar mit Großbuchstaben. Als wäre es eine Institution. Und ich muss zugeben, dass ich zielstrebig an den Mietshäusern der Victoria Street vorbeiwanderte.

Für die alten viktorianischen Mietshäuser, welche das Innenstadtbild von Sydney prägen, kann ich mich immer wieder begeistern – obwohl sie heutzutage nicht mehr gut in Stand gehalten sind. All das hübsche Gusseisengitterwerk hat man abmontiert und durch Fiberglasplatten ersetzt, um aus den Balkonen zusätzliche Räume zu gewinnen, und die stuckierten Mauern sind schmuddelig. Aber auch so sind sie sehr geheimnisvoll. Die Fenster sind mit Manchester-Spitzenvorhängen und Packpapierrollos verhängt und sehen aus wie geschlossene Augen. Sie haben so viel gesehen. Unser Haus in Bronte ist erst zweiundzwanzig Jahre alt, Papa hat es gebaut, als die schlimmste Phase der Depression vorbei war und sein Laden langsam was abwarf. Außer uns ist nichts darin passiert, und wir sind langweilig. Unsere größte Krise war die mit Willies Teller – jedenfalls war dies das einzige Mal, dass die Polizei bei uns auftauchte.

DAS HAUS lag im hinteren Teil der Victoria Street, und auf meinem Weg fiel mir auf, dass hier noch einige der Häuser ihre Gusseisenverzierungen behalten hatten, frisch gestrichen und gut erhalten waren. Ganz am Ende, hinter der Challis Avenue, weitete sich die Straße zu einem halbkreisförmigen Wendekreis. Offenbar war der Stadtverwaltung hier der Teer ausgegangen, denn die Straße war mit kleinen Holzblöcken gepflastert, und mir fiel auf, dass im Wendekreis keine Autos parkten. Dadurch wirkte der Halbmond mit den fünf Mietshäusern wie aus einer anderen Zeit. Sie hatten alle die Nummer 17 – 17a, b, c, d und e. Das in der Mitte, 17 c, war DAS HAUS. Seine fabelhafte Eingangstüre war aus rubinrotem Glas, in das ein Lilienmuster bis auf die durchsichtige Glasfläche darunter geätzt war, dank der Innenbeleuchtung glitzerten die Kanten bernsteinfarben und violett. Die Tür war nicht abgeschlossen, also stieß ich sie auf.

Aber die Märchentür führte in eine Wüste. Ein schmuddeliger Flur in schmutzigem Cremeton, eine rote Zederntreppe, die nach oben führte, ein paar mit Fliegendreck gesprenkelte nackte Glühbirnen an langen, verdrehten braunen Kabeln, fürchterlich altes braunes Linoleum mit Pfennigabsatzmuster. Von den Scheuerleisten bis zu einer Höhe von etwa einem Meter dreißig war jedes Stückchen Wand, das ich sehen konnte, von Gekritzel bedeckt, ziellosen Bögen und Wirbeln in den verschiedensten Farben, wächsern wie von Malkreide.

»Hallo!«, rief ich.

Hinter der Treppe tauchte Pappy auf und lächelte einladend. Ich glaube, ich starrte sie ziemlich unverschämt an, sie sah so anders aus. Anstatt ihrer wenig schmeichelhaften malvenfarbenen Uniform und der Kappe, unter der sich das Haar verbarg, trug sie ein hautenges Schlauchkleid aus pfauenblauem Satin, bestickt mit Drachen, und über dem linken Bein so hoch geschlitzt, dass ich ihren Strumpfsaum und einen rüschenbesetzten Spitzenstrumpfhalter sehen konnte. Ihr Haar ergoss sich i