: Barbara Edelmann
: Mordsärger Allgäu Krimi
: Emons Verlag
: 9783987072154
: Sissi Sommer, Klaus Vollmer
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein launiger Kriminalroman, herrlich skurril und liebenswert böse. In Legau herrscht mal wieder Bombenstimmung, das ganze Dorf feiert ausgelassen beim Musikfest - nur einem ist der Spaß vergangen: Der leichtlebige Frauenheld Julian liegt neben dem Bierzelt, erschlagen mit einem Maßkrug. Bald darauf findet eine weitere Person ein mysteriöses Ende, und alle Verdächtigen beschuldigen sich gegenseitig. Sissi Sommer und Klaus Vollmer vom K1 in Memmingen kämpfen sich durch ein Dickicht aus Halbwahrheiten - und stoßen auf einen Täter, mit dem sie nie gerechnet hätten.

Barbara Edelmann ist in Mindelheim geboren und aufgewachsen. Seit Jahrzehnten lebt sie glücklich und zufrieden im Allgäu. Ihre Erfahrungen und Beobachtungen verarbeitet sie in ihren Allgäu-Krimis. Außerdem liebt sie Rothenburg ob der Tauber und widmet der Stadt ihre zweite Krimireihe.

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Schon längst waren die meisten Lichter in Legau erloschen. Wer jetzt nicht schlief, amüsierte sich noch im Bierzelt oder spekulierte über die Festnahme von Patrick Brandstetter und den tragischen Tod von Julian Weidner.

Gelegentlich hörte man auf einer Weide das melodische Läuten einer Kuhglocke. Leise plätscherte die Iller in ihrem Flussbett vor sich hin, wie sie das seit Jahrtausenden tat. Still ruhte die Nacht.

Nur in einem Fenster der luxuriösen Seniorenresidenz Moserhof, die sich nicht weit entfernt von Legau in die hügelige Landschaft schmiegte, brannte noch Licht. Imposant zeichnete sich die Silhouette des weitläufigen, vor etlichen Jahren zum Ruhesitz für solvente Rentner und Pensionäre umgebauten ehemaligen Bauernhofs zwischen saftigen Weiden und blühenden Feldern ab.

Die breiten, mit teuren Teppichböden ausgelegten Gänge wurden um diese Uhrzeit lediglich von wenigen Energiesparlampen mit Bewegungssensor erleuchtet und waren menschenleer. Hinter jeder schlichten, nur mit einer Nummer versehenen Zimmertür verbarg sich ein prätentiöses Appartement für den gehobenen Geschmack mit jedem erdenklichen Luxus: Smart-TV, italienisch gefliestem barrierefreiem Bad mit Dampfdusche, elektrisch verstellbarer Couchgarnitur und vollwertig ausgestatteter Küche inklusive hochwertiger Geräte.

Wer im Moserhof residierte, durfte das Beste von allem erwarten und bekam es auch – und dazu an klaren Tagen einen atemberaubenden Blick auf die Alpen. Hier wohnte ausschließlich zahlungskräftige Klientel vorwiegend aus dem Norden Deutschlands, und ein Appartement war mittlerweile schwerer zu bekommen als eine Privataudienz beim Papst. Wenn man es denn überhaupt auf die Warteliste schaffte. Diese wurde von der klapperdürren rothaarigen Renate Reismann, ihres Zeichens gar nicht so stille Mitinhaberin und ebenfalls Bewohnerin der Anlage, und ihrer Freundin Frauke unbarmherzig überwacht.

Es war ein herrlicher Sommertag gewesen. Etliche Bewohner des Moserhofs hatten das Festzelt besucht und lagen nun, müde geschunkelt und abgefüllt mit König Ludwig Dunkel, in ihren bequemen Boxspringbetten, wo sie den Schlaf der Gerechten schliefen und einem neuen, unaufgeregten Tag entgegendämmerten.

Inmitten des gepflegten Gartens spiegelte sich der Mond im gekräuselten Wasser des Pools. Auf einem der massiven Liegestühle aus Teakholz, die allmonatlich mit Öl poliert wurden, lag zerknittert ein vergessenes, noch feuchtes Handtuch. Jeder einzelne der bequemen Korbsessel, auf denen die Bewohner morgens auf der riesigen Terrasse ihr opulentes Frühstück einnahmen, stand vor einem mit einer Glasplatte versehenen Tisch akkurat an seinem Platz. Alles wirkte aufgeräumt und idyllisch. Das Quaken der Frösche in dem großen Zierteich am Ende des Gartens war mittlerweile verstummt.

Nur aus einem gekippten Fenster im Erdgeschoss drang gedämpft das Jaulen einer Bassgitarre, gefolgt von einem langen Schlagzeugsolo. Die Töne bildeten mit den Geräuschfetzen der Stimmungsmusik vom einige Kilometer entfernten Bierzelt, die durch die laue Sommernacht waberten