ZWEI
Dienstag
Die beiden Ermittler trafen sich in der Frühe in Weilheim und waren um kurz nach acht am Haus von Leandra Melles-Grote. Es lag auch in einem Weiler, nicht allzu weit weg von Mair, wahrscheinlich für etwas längere Hundespaziergänge ideal. Das Haus war eines der Marke »quadratisch, praktisch, gut«. Es war zweistöckig und besaß einen Windfang. Es war komplett eingezäunt, im Garten gab es ein Gartenhaus mit einer Voliere, da lebten bestimmt diese Meersauen.
Sie drückten die Klingel außen am Gartentor, wenig später öffnete sich die Tür im Windfang. Man sollte keine Vorurteile haben, wäre Weinzirl Schriftsteller oder Filmregisseur, würde man ihm Klischeehaftigkeit vorwerfen, aber Frau Melles-Grote sah aus wie aus dem »Ich bin betroffen und zeige das auch«-Bilderbuch. Sie war irgendwo zwischen fünfzig und sechzig, nahm Weinzirl mal an. Sie trug das schulterlange Haar lockig und demonstrativ grau, was sie älter machte.
Weinzirl verstand die Attitüde dahinter nicht: Warum wollte man unbedingt alt aussehen, wenn es doch schöne Produkte zum Färben gab? Er kannte die Argumente, dass man sich nicht vom gängigen Schönheitsideal unterjochen lassen wolle. Aber das mit den inneren Werten war in seiner Jugend schon eine Lüge gewesen, und wenn man älter wurde und es eh schon an allen Ecken und Enden ausließ, musste man sich doch nicht absichtlich hässlicher machen. Die Hose, die sie trug, war eine Pumphose in Türkis, das Oberteil geringelt, beides schien aus Leinen oder Hanf oder sonst was Nachhaltigem zu sein. Und die Latschen, in denen sie schlappte, hatten Pünktchen. Hinter ihr kamen zwei hochbeinige dürre Hunde heraus, die mächtig bellten.
»Frau Melles-Grote?«, brüllte Weinzirl gegen das Gebell an.
Sie nickte.
»Weinzirl und Straßgütl von der Polizei, dürften wir kurz?«
»In welcher Sache?«, brüllte sie zurück. »Still jetzt, ihr zwei!«
»In einer Mordermittlung«, rief Evi.
Sie hatte die Stirn gerunzelt, öffnete das Gartentor, was die beiden spitznasigen Hunde verstummen ließ, aber auch sofort veranlasste, das Weite zu suchen. Sie stieß in eine schrille Hundepfeife, dass Evi zusammenzuckte und Weinzirl hoffte, er hätte keinen Hörsturz erlitten. Sie brüllte nun auch.
»Pedro, Alonso!«
Aber weder Pedro noch Alonso kamen zurück.
»Na, die hören aber gut«, sagte Weinzirl.
»Sie sind erst kurz da. Aus einer spanischen Tötungsstation, die beiden Schätzchen. Sie müssen noch lernen.«
»In der Zeit, in der die aus Ihrem Einflussbereich weg sind, kann sonst was passieren. Nicht gut«, sagte Weinzirl, dem so etwas früher gar nicht aufgefallen war.
Aber in der Zeit, in der er Hundebesitzer gewesen war, hatte er bemerkt, dass die wenigsten Einfluss auf ihre »Schätzchen« nehmen konnten. Immer wieder waren bei ihm im Salzgraben Hunde frei gelaufen und hatten das Gebrüll von Frauchen und Herrchen überhört. Sie hatten Katzen gejagt, Rehe aus dem Wald gesprengt. Seppi hatte solche Kandidaten mehrfach gestellt und ihnen die Meinung gesagt. Kurz und knapp ohne Bellen. Ein Knurren hatte gereicht. Ein Hund v