Den Winter überstehen
In den Hohlräumen der kahlen Bäume von Schönrinde und bis hinein in die Erdhöhlen, in denen Nüsse und Kastanien gesammelt wurden, hatten alle Bewohner seit einigen Tagen nur noch eine einzige Sorge im Herzen: Wie würden sie den Winter überstehen? In der schönen Zeit des Jahres, wenn das Wasser und die Sonne durch das Blätterdach rieselten, bot der Wald Essen im Überfluss. Doch wenn es kalt wurde, hieß es, schnell seine Vorratskammern zu füllen und die Früchte zu kandieren oder einzukochen. So konnte man dann auf den Frühling warten. In den überfüllten Küchen aller Grafschaften, von den gepflasterten Alleen Zartsteins bis zu den höher gelegenen Häusern von Sternenstieg, versahen die Tiere ihre Kissen mit den Düften der vergangenen Jahreszeiten: Zimtstangen, Kardamom und Lavendel ließen sie gut einschlafen und schöner träumen. Wäre an jenem Morgen ein neugieriger Wanderer an dem von Blauregen überwucherten Haus, in dem Familie Fuchs lebte, vorbeigekommen, so hätte er durch das Fenster sehen können, wie ein kleiner Fuchs am Küchentisch saß. Im Gegensatz zu allen anderen freute der Fuchswelpe sich auf den Winter, denn der würde ihm etwas wiederbringen, worauf er sich seit vielen Wochen riesig freute: seine geliebten Eltern.
»Wonach sieht es aus, Bartholomäus? Wovon werden wir diesen Winter träumen?«
»Das weiß ich noch nicht, Opa Gerwin«, antwortete der kleine Fuchs, dessen Fell mit getrockneten Blüten übersät war. »Aber bei dir werden es vermutlich Berge von Naschereien sein!«
»Mmmmh, ja … Das ist ziemlich wahrscheinlich.«
»Ich komme sofort wieder, ich gehe draußen Kiefernnadeln holen!«
»Pass gut auf dich auf, mein Kleiner, und zieh dich warm an!«
Bartholomäus Fuchs war kein Fuchswelpe wie alle anderen. Hinter der behutsamen Art, wie er seine Krallen auf das unter Raureif gefangene Gras setzte, steckte der Wunsch, keine Insekten zu zertreten, die zwischen den Halmen versteckt waren, und vor allem auch das Bedürfnis, bloß niemandem Sorgen zu machen … Unter seinem Fell füllte sich die Lunge manchmal nur mühsam mit Luft und schaffte es kaum, ihn im tiefsten Winter aufzuwärmen. Sein Herz war winzig und schlug immer ein wenig zu schnell. Was ihn jedoch nicht daran gehindert hatte, seinen Onkel Archibald auf der Suche nach der eigenen Familiengeschichte zu begleiten. Er war auch alles andere als nur ein Gehilfe gewesen, sondern hatte eine entscheidende Rolle gespielt! In diesem Augenblick wankte eine krumme Gestalt auf das Haus zu, die Mühe hatte, den wackeligen Stapel Holzscheite in ihren Pfoten festzuhalten, und seinem geliebten Onkel zum Verwechseln ähnlich sah.
»Zum Kiefernzapfen aber auch! Vielleicht habe ich mir zu viel vorgenommen …«
Eingehüllt in einen bis oben zugeknöpften gefütterten Gehrock und einen Flanellschal, schien der nun berühmte Inhaber derBuchhandlung von Schönrinde seine körperlichen Fähigkeiten vorf