Kapitel 1
Warum es von Nachteil ist, in einer Bibliothek einzunicken
Lieber Leser, liebe Leserin, ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber ich, ich bin verrückt nach Bibliotheken. Mir sind Bibliotheken angenehmer als Strände, Skipisten, Schwimmbäder, Freizeitparks, als jedes Restaurant oder Bonbongeschäft, natürlich wichtiger als jedes Fußballstadion und sogar,sogar!, als mein Bett, das ich wirklich sehr gernhabe. Um es auf den Punkt zu bringen: Bibliotheken sind meine Lieblingsorte auf der ganzen Welt. Also echt, ich verstehe ehrlich überhaupt nicht, was es Besseres geben könnte als eine Bibliothek. Wenn Madame Livre neue Bücher bekommen hat und ich diese durchblättere, reise ich innerhalb eines Nachmittags von den Tropen bis an den Nordpol und von der chinesischen Küste zum Ärmelkanal, überquere den Atlantik, den Golf von Bengalen und die Wüste von Judäa. Ich begegne Bären, stoße auf Wölfe, schwimme mit kleinen Tümmlern und entwische Löwen, Anakondas, Quallen sowie allerlei anderen Lebewesen, die stechen, beißen, zerreißen, lähmen. Und das alles ohne jegliche Gefahr, gestochen, gebissen, zerrissen oder gelähmt zu werden, schön im Warmen in den großen Kissen der Bibliothek.
Was will man mehr im Leben, als Tausende Abenteuer an nur einem Nachmittag zu erleben? Das soll mir mal einer erklären …?
Mal ganz davon abgesehen, wie unglaublich hoch die Zahl der berühmten Menschen ist, denen man in einer Bibliothek zwangsläufig begegnet. Eines Tages habe ich hinter einem Bilderbuch sogar Gott getroffen. Er war jung und sah zugleich dem berühmten alten französischen Schriftsteller Victor Hugo und dem modernen belgischen Sänger Stromae ähnlich.
Ich weiß natürlich, dass ich