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Ich mag meine Lehrerin Miss Omar, nur nicht, wenn sie eine Ewigkeit braucht, um die Anwesenheit zu prüfen.
Die Heizung unter meinem Tisch bollert und macht mich schläfrig, obwohl der Schultag gerade erst begonnen hat. Und sonderlich lang war ich gestern Nacht auch nicht wach. Trotzdem lege ich meinen Oberkörper auf den Tisch, stütze mein Kinn auf meine Faust und starre aus dem Fenster.
Unser Klassenzimmer liegt auf einem Hügel, von dem ich bis zum Kriegsdenkmal und dem Kaulquappenteich hinunterschauen kann. Außerdem sehe ich das Klettergerüst und – auf der anderen Seite des Schulhofs – den Fußballplatz, wo ein paar Kinder aus der Dritten Sport haben. Aus der Entfernung wirken sie wie kleine Flöhe, die immer wieder auf und ab hüpfen.
Ich vermisse es, in der dritten Klasse zu sein. Denn das Einzige, worüber man sich mit acht Jahren Sorgen machen muss, ist, ob man beim Fußball ein Tor schießt oder ob der Vanillepudding beim Mittagessen eklige Klumpen hat. Damals war ich noch mit allen anderen aus meiner Klasse befreundet, und wir haben in der Pause zusammen Fangen gespielt oder uns nach der Schule gegenseitig besucht.
Doch jetzt kann ich niemanden mehr zu mir nach Hause einladen. Schließlich könnte eins der Kinder zu laut sein oder etwas Unüberlegtes sagen, wodurch sich Mums Symptome verschlimmern würden. Natürlich geht es mir trotzdemgut, denn es ist sowieso leichter, die Mittagspause allein zu verbringen. Dann kann ich nämlich meine Lieblingsbücher lesen und muss mir keine Ausreden ausdenken, warum bei Mum und mir die Dinge nicht mehr so sind wie früher.
Gerade, hier in der Klasse, werden meine Lider schwer, und ich schwitze in meinem warmen Schulpullover. Mein Rücken beginnt zu jucken.
Ich blinzle träge, doch kurz bevor ich die Augen ganz schließe, sehe ich etwas aufblitzen: einen regenbogenbunten Schwanz, der hinter der Winterkirsche neben dem Kaulquappenteich verschwindet.
Ich richte mich so ruckartig auf, dass ich dabei meine Federmappe vom Tisch fege. Miss Omar hält einen Moment inne. »Nora, könntest du bitte deine Stifte nicht durch die Gegend werfen?«
Hitze schießt mir ins Gesicht, und o