: Thomas Franke
: Noch besser als Schokolade Eine Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln
: Gerth Medien
: 9783961226399
: 1
: CHF 9.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der verwitwete Romanschriftsteller Johann Weißborn versucht, sich und seine vier Kinder über Wasser zu halten. Der Trubel einer fünfköpfigen Familie fordert ihn jeden Tag aufs Neue heraus. Beruflich kann er nicht an den großen Erfolg seines Erstlingswerks anknüpfen, was ihn zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Eine neue Beziehung erscheint ihm weder vorstellbar noch realistisch und sein Vertrauen in Gott ist schwer angeschlagen. Doch ausgerechnet ein in der Nacht ausgeräuberter Adventskalender bewirkt eine unerwartete Wendung, die sein Leben und das seiner Familie auf wundersame Weise verändert.

Thomas Franke ist Sozialpädagoge und bei einem Träger für Menschen mit Behinderung tätig. Als leidenschaftlicher Geschichtenschreiber ist er nebenberuflich Autor von Büchern. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. www.thomasfranke.net Foto: © Studioline Erlangen

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Johann zog die Kapuze über den Kopf. Ein eisiger Wind schüttelte die nackten Äste der Bäume. Es war der vorletzte Tag im November; einige Schneeflocken trieben in der Luft. Kies knirschte unter seinen Sohlen, als er die wenigen Schritte den Pfad entlanglief. Schließlich blieb er stehen.

»Hallo, Schatz, da bin ich wieder.« Er lächelte und nickte Linda zu.

Sein Handy klingelte. Er nahm es aus der Tasche, warf einen kurzen Blick darauf und wies den Anrufer ab. »Die Bank«, sagte er entschuldigend. »Wahrscheinlich geht es um die ausstehende Kreditrate.« Er setzte ein Lächeln auf. »Aber das krieg ich schon hin. Bestimmt können wir die Rate abstottern.« Er grinste schief. »Hilfreich wäre natürlich, wenn auch etwas zum Stottern da wäre. Erfahrungsgemäß kommt die Jahresabrechnung erst Mitte Februar und einen zweiten Vorschuss werde ich dem Verlag nicht aus den Rippen leiern können. Nach allem, was ich bislang gehört habe, läuft der Einverkauf meines letzten Buches ziemlich schleppend. Aber das betrifft laut Juliane im Grunde alle Titel, nicht nur meinen. Die ganze Buchbranche leidet. Ich gehe davon aus, dass sie die Intention hatte, mich zu trösten, als sie mir diese Information weitergab. Allerdings habe ich die Vermutung, dass es die Bank nicht gnädiger stimmen wird, wenn ich ihnen erkläre, dass andere Autoren auch Probleme haben, ihre Kredite zu bedienen.«

Er lauschte. Manchmal sprach Linda sehr leise.

»Wie es den Kindern geht? Sie machen das toll. Wirklich! Die Zwillinge sind richtig groß geworden. Luisa hat gestern für uns gekocht. In solchen Momenten kommt sie mir fast wie eine Erwachsene vor. Ich weiß noch nicht, wie gut ich das finde. Manchmal ist sie mir etwas zu still und ernst für eine 13-jährige. Aber ich glaube, die Schule fordert sie gerade sehr. Jakob hat gestern einen Job angenommen. Er trägt jetzt neben der Schule Werbeblättchen aus. Bevor du allerdings vorschnell stolz auf ihn bist: Er macht das nur, damit er sich den mittlerweile dritten Streamingdienst leisten kann – was übrigens, laut seinen eigenen Worten, absolut alternativlos sei, da er nur durch die Kombination aller drei Dienste in der Lage wäre, alle Spiele der Bundesliga, Champions League und Premier League zu sehen. Schade, dass er selber nicht mehr spielt. Aber was soll ich dazu sagen?« Johann seufzte. »Solange Fußballgucken sein einziges Laster ist, können wir dankbar sein, denke ich. Jungen in seinem Alter stellen weit Schlimmeres an. Till hat in der Schule ziemlich zu kämpfen, aber das wussten wir ja, als wir uns für die Inklusionsklasse entschieden haben. Ich finde, seine Aussprache ist wirklich super geworden und mit dem Lesen klappt es auch recht gut. Nur Mathe ist bedauerlicherweise eine absolute Vollkatastrophe. Sobald er ein Reche