: Berna Gonzalez Harbour
: Roter Sommer Comisaria Ruiz ermittelt in Madrid. Kriminalroman
: Pendragon Verlag
: 9783865328892
: 1
: CHF 17.10
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 392
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Comisari María Ruiz ermittelt in Madrid Der Sommer in Madrid ist rot: Von den Flaggen bis zu den Trikots, überall bekennt man Farbe für La Furia Roja, die spanische Nationalmannschaft. Auch Comisaria María Ruiz lässt sich von der Stimmung mitreißen. Doch ausgerechnet am Tag eines wichtigen Spiels wird eine Leiche gefunden und María wird zum Tatort gerufen. Die eigenwillige Comisaria hat bislang jeden ihrer Fälle gelöst und ist bekannt dafür, mit allen Regeln zu brechen. Das rätselhafte Tattoo des Toten führt sie zu einer katholischen Schule, hinter deren Türen sie düstere Geheimnisse wittert. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, wird eine zweite Leiche gefunden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. »Roter Sommer« (»Verano en Rojo«) wurde 2023 in Spanien prominent verfilmt. Der Roman »Roter Sommer« ist seit dem 27.6.2024 in Deutschland unter dem Filmtitel 'Blutroter Sommer - Im Bann des Killers' als DVD und Stream erhältlich. »Das Thema kann aktueller nicht sein, der Spannungsbogen ist großartig aufgebaut. Berna González Harbour gehört für mich zu den interessantesten Stimmen der aktuellen spanischen Literatur« Walter Vennen | Buchhandlung Schmetz am Dom, Aachen

Berna González Harbour, geboren 1965, startete ihre Karriere als Journalistin bei der spanischen Zeitung El País, wo sie später Chefredakteurin wurde. Ihre Karriere war schon immer mit internationalem Journalismus verbunden und sie war als Sonderberichterstatterin in mehreren Ländern unterwegs. Ihre Liebe für Krimis ließ sie 2012 ihr erstes Werk schreiben, »Verano en Rojo« (»Roter Sommer «). Im Pendragon Verlag ist bereits erschienen: »Goyas Ungeheuer«.

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María saß am Frühstückstisch und blätterte genüsslich in der Zeitung. Nach einer Joggingrunde auf dem Pasillo Verde, zehn Bahnen im Schwimmbad und einer ausgiebigen Dusche fühlte sie sich entspannt. Dazu kamen der Ausblick auf einen arbeitsfreien Samstag und das, was sie stattdessen erwartete: Um drei würde sich die Familie in ihrem Haus in Alcobendas treffen. Sie würde ihre Mutter, ihre Geschwister, Nichten und Neffen sehen, Paella essen und literweise Kaffee trinken, während alle darauf warteten, dass um neun das Spiel gegen Paraguay begann. Sie liebte diese dämliche Weltmeisterschaft. Man musste kein großer Fußballfan sein, um die freudige Erwartung und den ansteckenden Enthusiasmus zu teilen, die Kriminelle und Polizeibeamte in seltener Einigkeit verbanden. Die gelöste Stimmung tat allen gut.Spanien hält im Viertelfinale den Atem an. Das Land verlässt sich auf euch. Ganz Spanien ist ein Fußballverein, lauteten die Schlagzeilen vor ihr auf dem Tisch. Selbst die Zeitungen waren freundlich gestimmt und mit einem Mal herrschte eine versöhnliche Atmosphäre. Wer wollte zu Zeiten der Finanzkrise schon auf eine Gelegenheit zu guter Laune verzichten?

Sie leerte die winzige Kaffeetasse und war gerade dabei, ihr feuchtes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammenzubinden, als das Handy neben der Zeitung vibrierte. Vielleicht ihre Mutter, der in letzter Minute eingefallen war, dass noch eine Zutat fehlte oder jemand, der die Großmutter in Chamberí abholen musste – aber María, bitte nicht mit dem Motorrad! Doch dafür war es zu früh. Die Anzeige auf dem Display bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen: 8800. Die Zentrale.

Comisaria Ruíz?“

„Am Apparat.“

„Ich stelle Sie zu Esteban durch.“

Mist, dachte sie,nicht ausgerechnet heute.

„Chefin, weißt du noch, dass wir uns einen guten Fall gewünscht haben, damit wir uns den Sommer über nicht langweilen?“

„Na ja, also gewünscht … das klingt ein bisschen heftig. Wen hast du denn umgebracht?“

„Es ist ein Junge.“

„Wie bitte?“

„Wir haben einen toten Jugendlichen gefunden.“

„Und weiter?“

„Vermutlich minderjährig.“

„Und weiter?“

„Ertrunken.“

„Und weiter?“

María hatte es nie geschafft, Esteban das abzugewöhnen, was sie seinen „Fortsetzungsroman“ nannte: Wenn ihre Nummer zwei etwas wusste, ließ er sich die Informationen mühsam aus der Nase ziehen. „Im Sommer ertrinken viele Leute.“

„Aber nicht so wie der hier“, rückte er schließlich mit der Sprache heraus. „Den hier haben wir gefunden …“

„Nun spuck’s schon aus.“

”… in einem See …“

„Raus mit der Sprache!“

”… der nur achtzig Zentimeter tief ist.“

Der Reinigungstrupp im Park Juan Carlos I war frühmorgens lustlos dabei, im Dickicht und auf den Parkwegen rund um den See für Ordnung zu sorgen, als sie die Leiche fanden. Die erste Samstagsschicht war dafür verantwortlich, den Müll wegzuräumen, die Grünflächen zu bewässern und alles herzurichten, bevor die Familien mit ihren Drachen, Fahrrädern, Bällen, tragbaren Kühlschränken und Picknickdecken anrückten. Winston Enrique war in seiner orangefarbenen Uniform mit dem Wägelchen unterwegs. Mit Kopfhörern im Ohr las er ab und zu ein Papierchen auf, sorgfältig darauf bed