: Josi Wismar
: Wildest Dreams Roman - Josi Wismar ist #BookTok Autorin des Jahres 2024!
: Heyne Verlag
: 9783641302597
: Die Wild-Hearts-Reihe
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn wilde Herzen und atemberaubende Natur aufeinandertreffen

Zwei Jahre sind vergangen, seit Tara Kanada überstürzt verlassen musste. Zwei Jahre, seit Jaimie und sie sich zuletzt gesehen haben. Auch wenn die Zeit in Kanada mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist, wagt sie einen Neuanfang und zieht nach Vancouver. Als sie dort auf Jaimie trifft, ist sie schockiert. Obwohl sie weiß, dass er immer noch verletzt ist, kann sie sich nicht von ihm fernhalten. Doch er hat sich verändert. Was ist passiert, dass er so gebrochen wirkt? Während Tara sich bemüht, einen Job in einer Tierklinik zu finden, kämpft Jaimie zusehends mit den Schatten seiner Vergangenheit. Bei einem gemeinsamen Ausflug in die Berge flammen alte Gefühle wieder auf, und einen wunderbaren Moment lang sieht es so aus, als würde ihre Liebe eine zweite Chance bekommen. Doch manche Wunden heilen nie vollkommen ...

Josi Wismar ist #BookTok Autorin des Jahres 2024!

Josi Wismar ist SPIEGEL-Bestsellerautorin und wurde bei den TikTok Book Awards 2024 als #BookTok Autor:in des Jahres ausgezeichnet. Sie studierte Buchwissenschaft in Mainz, und fast ihr gesamtes Leben ist mit der Buchbranche verknüpft. Auf ihren Social-Media-Kanälen tauscht sie sich gerne mit ihren Leser*innen aus, schreibt in Livestreams gemeinsam mit der Community an ihrem neuesten Buch und verbringt einen gefährlich großen Teil ihrer Bildschirmzeit auf BookTok. Wenn sie nicht gerade versucht, für ihren Buch-Podcast #Ausgelesen mehr zu lesen als ihre Podcast-Partnerin Sarah, steht sie auf dem Fußballplatz oder vermisst die Berge, in die sie ganz dringend mal wieder fahren muss.

KAPITEL 1


Tara


Packlisten zu schreiben, war mir schon immer leichtgefallen.

Aber wie schreibt man eine Packliste, wenn man nicht mehr zurückkommt? Wenn das kein Urlaub ist, für den man packt, sondern ein neues Leben?

Ich schob den Gedanken an später beiseite und konzentrierte mich auf den Computer vor mir. Einen letzten Tag hatte ich in der Praxis meiner Eltern gearbeitet. Einen letzten Tag hatte ich Haustiere behandelt, während die Stimme meines Bruders durch die dünne Wand seines Behandlungszimmers zu mir rübergedrungen war. Ich speicherte zum dritten Mal meinen Behandlungsordner auf dem Praxis-PC ab und schaltete ihn dann aus. Ab Montag würde eine neue Ärztin hier anfangen, die die Praxis zusammen mit meinem Bruder Matty leiten würde. Mich ersetzen, während ich nach Kanada auswanderte.

Ich ging immer und immer wieder durch, was ich hier noch erledigen musste. An meinem letzten Tag in der Praxis. Ich schielte auf die Notiz auf meinem Handy und war froh, dass ich als Einzige länger geblieben war, während es verdächtig hinter meinen Augen brannte. Kurz und schmerzlos hatte ich mich von allen verabschiedet.Es ist ja nicht für immer, aus Gewohnheit gesagt, auch wenn das eine Lüge war. Es war für immer. Ich verließ diese Praxis, ich verließ Deutschland, ich verließ meine Familie. Zumindest den Teil, der noch davon übrig war.

Licht ausschalten und abschließen.

Der einzige Punkt, vor den ich noch keinen Haken gesetzt hatte. Also ließ ich meine Hand ein letztes Mal über den Lichtschalter gleiten und starrte in die Dunkelheit vor mir. Die Ruhe, die über der Tierarztpraxis lag, war selten und doch seltsam vertraut. Die Befriedigung, die mich überkam, breitete sich in meinem ganzen Körper aus, und ich deutete es als Zeichen, dass ich das Richtige tat. Dass die Last, die da war, seit ich gesagt hatte, dass ich die Praxis zusammen mit Matty übernehmen würde, endlich abfiel.

Der Schlüssel drehte sich klirrend im Schloss, und ich atmete ein letztes Mal ein und aus.

Das war’s. Das war es wirklich gewesen.

»Hast du auch an alles gedacht?« Mein Vater saß mir gegenüber an unserem massiven Esstisch, der mir viel zu groß vorkam, seit wir nur noch zu dritt waren.

»Ich vergesse ja immer meine Ladekabel. Hast du die alle? Für Laptop und Handy und eReader und was du sonst noch alles hast?« Er tippte ein paarmal mit der Gabel in der Luft herum, und die Kartoffel, die darauf aufgespießt war, wackelte gefährlich.

»Ja, Papa.« Ich lachte leise, während sich die Erinnerung an meinen letzten Flug nach Kanada in den Vordergrund schlich. Am Abend davor hatten wir auch an diesem Tisch gesessen und gegessen. Gemeinsam mit meiner Mutter. Sie und mein Vater hatten vehement so getan, als würde ich nicht fliegen. Weil sie es nicht gewollt hatten. Heute verstand ich, warum. Zumindest teilweise. So ganz würde es nie in meinen Kopf gehen, warum man seinem Kind so etwas verheimlichte, auch wenn man glaubte, die eigenen Kinder auf diese Weise zu schützen.

»Was ist los, Tara?« Matty lehnte sich zu mir rüber und schaute mich besorgt an.

»Es ist gerade alles etwas viel«, antwortete ich wahrheitsgemäß, auch wenn diese Worte wenig hilfreich waren. »Ich frage mich einfach, ob ich das Richtige tue.« Mein Blick glitt zu dem leeren Platz neben meinem Vater. »Ich weiß, dass ihr beide immer wolltet, dass Matty und ich die Praxis übernehmen.« Schuldbewusst musterte ich meinen Vater. »Und jetzt … gehe ich einfach … schon wieder.« Ich wollte diese starke, selbstbewusste Frau sein, die zu ihren Entscheidungen stand. Schließlich hatte ich nicht leichtfertig beschlossen, nach Kanada zu ziehen