: Bettina Mittelacher, Klaus Püschel
: Totenmoor - Ich sehe dich Thriller
: Gmeiner-Verlag
: 9783734930409
: Kriminalkommissarin Emma Claasen und Rechtsmediziner Kai Plathe
: 1
: CHF 11.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 438
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Er hat die Person, die als Nächstes auf seiner Liste steht, bereits ausspioniert. Er weiß, wo der Mann wohnt, kennt seine Gewohnheiten. Wenn er es darauf anlegt, kann er ihn schon morgen in seine Gewalt bringen. Es wird ihm ein Vergnügen sein. Doch damit ist er noch nicht am Ziel. Er will mehr. Er will sie alle.« Zwei Moorleichen im Hamburger Westen. Eine Mordserie, die die Metropole erschüttert. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Die Journalistin Bettina Mittelacher hat sich auf die Schilderung von Kriminalfällen spezialisiert. Als Gerichtsreporterin berichtet die Ururenkelin des Dichters und Juristen Theodor Storm über spektakuläre Verfahren. Seit 2016 ist Bettina Mittelacher auch Buchautorin. Neben mehreren True-Crime-Titeln und einem Thriller, die sie zusammen mit Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel verfasst hat, betreibt das Duo auch den True-Crime-Podcast des Hamburger Abendblattes namens 'Dem Tod auf der Spur'. Rechtsmediziner Klaus Püschel hat als Fachmann mit nationalem und internationalem Renommee an der Aufklärung diverser legendärer Todesfälle und Verbrechen mitgewirkt. Bis 2020 war er Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und arbeitet noch heute als Gutachter in komplexen und komplizierten Kriminalfällen. Püschel ist Ehrenkommissar der Hamburger Polizei, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Autor zahlreicher Bücher sowie Berater für True-Crime-Formate im Fernsehen.

Kapitel 2


Schwere, nasse Flocken segeln aus dem Himmel herab. Längst hat sich die Dunkelheit über das Moor gesenkt. Der Mond steht als fahle Sichel am Himmel, immer wieder halb verdeckt von dunklen Wolken, die der stetige Wind vor sich hertreibt. Kahle Birken und andere Bäume, auf denen Spuren von Frost ruhen, recken ihre Äste empor und wirken wie bizarre Gerippe. Hier und da hat eine dünne Schneeschicht die Landschaft zugedeckt. Wie störrische, dunkle Haarbüschel ragen Flecken von abgestorbener Heide oder Gräsern aus den weißen Flächen.

Nur wenige Kilometer von der mächtigen Elbe und vom mondänen Blankenese entfernt wirkt das Schnaakenmoor am westlichen Rand von Hamburg wie eine urzeitliche, verwunschene Landschaft. Sie nimmt dich in sich auf, sie umarmt dich. Mit jedem Meter, den der Besucher in diese Region vordringt, entfernt er sich von dem Trubel der Me­tro­pole und erlebt ein kostbares, empfindliches Idyll. Büsche, Heide, Bäume, Moose und Flechten haben vor Tausenden von Jahren das Terrain erobert. Und mit ihnen die Sümpfe und Moorregionen, mit all ihren Geheimnissen und Mythen.

»Immer wenn ich hier in dieser Gegend bin, habe ich das Gefühl, in die Vergangenheit einzutauchen. Die Landschaft fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Geheimnisvoll und schattenhaft.« Emma Claasen starrt in den ellipsenförmigen Ausschnitt, den die Scheinwerfer ihres Autos aus der Finsternis des Schnaakenmoors in Hamburg-Rissen herauslösen. Die Kriminalhauptkommissarin hat mehr vor sich hin gesprochen, doch sie weiß, dass der Mann neben ihr auf dem Beifahrersitz aufmerksam zuhört. Sie spürt, wie Kai Plathe sie mustert, den prüfenden Blick aus seinen mokkafarbenen Augen auf ihr Profil gerichtet. Der Rechtsmediziner ist ein besonnener Begleiter, jemand, dem kaum etwas entgeht. Er scheint äußerst feine Antennen für Stimmungen zu haben, für das Ungesagte.

»Ich bin auch jedes Mal aufs Neue fasziniert vom Moor. Ich habe ganze Regale voller Bücher darüber, wissenschaftliche und fantasievolle.« Der 48-Jährige streicht sich über seinen Dreitagebart. »Es gibt Unmengen von Geschichten, die davon erzählen, dass die gefährlichen Sümpfe die Unbedachten in ihren Schlund ziehen und auf ewig verborgen halten. Viele davon haben sicher einen wahren Kern. Schon seit Menschengedenken sind diese besonderen Lebensräume dazu missbraucht worden, um sich anderer Personen zu entledigen – für lange Zeit, vielleicht sogar für immer. Wer das Böse will, findet in den Mooren schweigsame Verbündete.« Kai Plathe macht eine bedeutungsschwere Pause. »Aber manchmal taucht eben doch ein Verstorbener wieder aus den Tiefen auf.«

»Und heute, zwei Tage nach der der längsten Nacht des Jahres, ist offenbar genau so ein Moment.« Emma deutet nach vorn, wo sich der Weg schon nach wenigen Metern im düsteren Nirgendwo zu verlieren scheint. »Jetzt im Winter und so spät am Abend sieht es hier wirklich gespenstisch aus. Ganz anders als sonst.« Plathe wirft ihr einen fragenden Blick zu. »Ich wohne ja nicht weit entfernt, in Sülldorf«, erklärt die 37-Jährige. »Und deshalb bin ich häufiger in dieser Gegend unterwegs, zum Joggen, Spazierengehen oder wenn ich eine Tour mit dem Mountainbike mache. Die Landschaft bietet so viele Möglichkeiten zum Abschalten – für den Körper und für die Seele. Im Moment kann von Entspannung allerdings keine Rede sein!« Sie streicht sich ungeduldig eine Strähne ihrer schwarzbraunen Haare aus dem Gesicht. »Noch wenige Minuten Fahrt, und wir müssten am Ziel sein.«

Dort, wo das Moor zwei Tote freigegeben hat.

Über lange Zeit waren die Leichname verborgen gewesen vor den Augen der Welt. Welche Geheimnisse haben die Verstorbenen mit in ihr nasses Grab genommen? Hat die Hamburger Polizei einen neuen Kriminalfall?

»Mein Bauchgefühl sagt