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WEIHNACHT IN KIMMLING
Irgendwann Ende Oktober wurde ich bei einem Spaziergang Zeuge, wie gerade eine alte, sichtlich rustikale Orgelbank aus der Kirche getragen und auf einen Anhänger geladen wurde. Ich fragte, wohin sie gebracht werden sollte? Zum Kloster, wurde mir geantwortet.
Erst Tage später traf ich Pfarrer Demme, konnte mich bei ihm nach der Orgelbank erkundigen. Inzwischen war ich nämlich an dem guten Stück interessiert. Wie nicht anders zu erwarten, rannte ich bei Hochwürden offene Türen ein. Schnell schlossen wir mit einem Händedruck den Handel ab. Zusammen mit Korbinian ging es auf seinem Traktor mit Anhänger hinüber zum Kloster. Die Bank trugen wir in Korbinians Werkstatt. Er wollte sie sich einmal ansehen und sie auf Vordermann bringen, wie er sagte. Ich setzte mich mit der Service-Division von »Pythagoras« in Verbindung, schilderte meinen Wunsch und keine Stunde später erhielt ich den Bescheid, wie es weitergehen würde. Jetzt konnte ich die Morrisons auf ihrer Hebrideninsel anrufen und ihnen die Orgelbank für ihr Gemeindehaus noch vor Weihnachten ankündigen. Das war endlich eine angemessene Gegengabe zu den Schaffellen, die uns nach dem Besuch dort als Geschenk der Inselgemeinschaft geschickt wurden. Und auch für den Malt-Whisky, zwei Flaschen in einer Holzkiste, der uns im Herbst jedes Jahres erreicht. In meiner Bibliothek, zwischen den Fenstern, hängt die Aufnahme eines weißen Cottage mit grünen Fensterläden, das Haupthaus von Rainer Falls Hof auf der Insel. Das Foto bringt mich, fällt mein Blick darauf, augenblicklich auf dieses wetterumtoste wunderschöne Eiland weit drüben im Westen.
Zur vereinbarten Zeit bin ich bei Korbinian, als der Sprinter mit dem Emblem von »Pythagoras« auf der Seite vorfährt. Die Orgelbank, unter den geschickten Händen des Freundes wie neu geworden, wird von zwei kräftigen Männern abgeholt, um die Reise zu den Hebriden anzutreten. Maeve und Alan Morrison, bin ich überzeugt, werden sich freuen. Ich sehe dem Wagen nach, habe den flachen grauen Stein mit den hellen Einsprengseln in meiner linken Hand, den Magdalena am Strand nicht weit von Rainers Refugium entfernt gefunden und mir geschenkt hatte. Mir ist bewusst, nicht nur einige meiner Erinnerungen sind in Steinen gespeichert, die mir in meinem Leben geschenkt wurden.
Dann fängt es an zu schneien. Die Wetterfrösche liegen mit ihrer Prognose richtig. Der Winter wirft ein weißes Kleid über die Landschaft. In diesem Jahr statten uns die schweren Schneewolken keinen vorrübergehenden Besuch ab, der Himmel bleibt grau und Frau Holle schüttelt fleißig die Betten.
Vom Turm über Kimmling-Hof übersehen wir unsere Gegend in Weiß. Langgestreckt liegt der dunkle See wie in Watte eingepackt. Für diese Aussicht pilgern Magdalena und ich in der Adventszeit gern vor der abendlichen Dämmerung zum Turm. Es ist immer die Kälte, die uns schließlich von der Plattform vertreibt.
In diesen Tagen schreibe ich Einladungen für den ersten Weihnachtstag, überbringe sie oder stecke sie in Kimmling in den Briefkasten.
Am zweiten Adventssonntag lädt das Kloster zu einem Vortrag ein. Thema ist die Kirchengeschichte. Hochwürden Demme hat einen Jesuitenpater aus Freising als Redner gewonnen. Neben Magdalena sitzt Hanna, die Restauratorin des Klosters, längst eine Freundin meiner Herzensdame. Der Pater breitet keinen trockenen Stoff vor uns aus, vielmehr einen unterhaltsamen bunten Teppich, der Geschichte lebendig macht. Ich nehme mir vor, mich in dieses weite Thema einzulesen, irgendwann einmal.
Trotz dem vielen Schnee stapft Magdalena an zwei Abenden in der Woche von ihrem Märchenhaus hinüber zur Chorprobe in der Kirche. Sie hat sich von Hanna überzeugen lassen, jeder Mensch könne singen, und es macht ihr tatsächlich viel Freude. Ich hole sie später ab, für uns beide der Abendspaziergang.
In der Woche vor dem Heiligen Abend lasse ich die Holzhackergedanken