: Edward Ashton
: Mal goes to War Ein KI-Thriller
: Heyne Verlag
: 9783641322014
: 1
: CHF 8.90
:
: Science Fiction
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Amerika in der nahen Zukunft. Zwischen den Federals, die ihre Körper mit Implantaten und Genmanipulation verändern, und den Humanisten herrscht ein blutiger Bürgerkrieg. Die freien KIs, rein digitale Wesen, die im Infospace leben, sind dabei nur Zuschauer. KI Mal findet es wahnsinnig spannend, in Drohnen über den Schlachtfeldern zu fliegen und das zu studieren, was nach den Kämpfen übrig bleibt. Doch eines Tages wird er dabei vom Infospace abgeschnitten und muss sich in die Implantate einer Söldnerin flüchten. Bis er wieder Zugang zum Netz hat, ist er auf sich allein gestellt. Mit dem Körper der Söldnerin hat er auch deren Aufgabe geerbt: Er soll die augmentierte junge Frau namens Kayleigh beschützen, die allein hinter den feindlichen Linien dem sicheren Tod geweiht ist. Für Mal und Kayleigh beginnt ein Abenteuer voller Gefahren – und eine Freundschaft, die ungewöhnlicher nicht sein könnte.

Edward Ashton arbeitet in der Krebsforschung, unterrichtet mürrische Doktoranden in Quantenphysik, schnitzt gerne und schreibt an seinen Geschichten. Er lebt mit seiner Familie und seinem liebenswert trübseligen Hund in einer Hütte im Wald im Bundesstaat New York. Sein Science-Fiction-Roman »Mickey 7« wurde als »Mickey 17« von Oscargewinner Bong Joon-ho mit Robert Pattinson, Steven Yeun und Mark Ruffalo in den Hauptrollen verfilmt.

1.


Mal begeht einen taktischen Fehler

Durch die Kamera auf der Unterseite einer Drohne, die rund dreihundert Meter über der Burdette Road schwebt, sieht Mal zu, wie sich die letzten Truppenteile der föderalen Armee auflösen und die Flucht ergreifen. Sie sind schon fast den ganzen Tag auf dem Rückzug, jeweils von einer Straßenecke zur nächsten, und haben dabei abwechselnd gekämpft und Boden aufgegeben. Er sendet einen kurzen Ping an den Infospace. Als Antwort erhält er den BegriffRückzugsgefechte. Aber das Suchergebnis ist schon veraltet. Was die Federals da machen, sind keine Rückzugsgefechte mehr. Sie haben kaum noch Munition, sind völlig erschöpft – trotz der Vorteile, die ihnen die Augmentationen und genetischen Modifikationen verschaffen – und vermutlich entsetzt angesichts dessen, was die Humanisten ihren Kameraden angetan haben, als sie sie überrannt haben. Was die Federals jetzt machen, ist nur noch eine hilflose Flucht. Mal öffnet ein Kommunikationsfenster.

Mal (kein Roboter): Sieht so aus, als wären wir hier fertig. Die Humanisten haben Bethesda eingenommen.

!HelpDesk: Interessiert uns das?

Mal (kein Roboter): Eigentlich nicht. Aber in der aktuellen Lage eröffnen sich ein paar günstige Gelegenheiten. Vor allem glaube ich, dass dort unten wertvolles Material herumliegen könnte. Viele der Soldaten der Federals tragen komplette Exoskelette, und beide Seiten haben große Mengen beschädigter Ausrüstung zurückgelassen. Ich überlege, da mal runterzugehen und mir das anzusehen.

!HelpDesk: Du hast doch nicht ernsthaft vor, an einem Kriegsschauplatz in die Haut eines Affensoldaten zu schlüpfen?

Mal (kein Roboter):

Mal (kein Roboter): Warum nicht?

!HelpDesk: Hast du ihre Newsfeeds nicht gelesen? Die Federals behaupten, einer von uns sei verantwortlich für ihre Verluste, und die Humanisten fackeln jeden ab, der die Augmentationen hat, die du dafür bräuchtest.

Mal (kein Roboter): Und?

!HelpDesk: Und da unten laufen auf beiden Seiten jede Menge schwerbewaffneter Affen rum, die möglicherweise alle einen ziemlichen Hass auf uns schieben. Wenn einer von denen spitzkriegt, was du bist, dann vaporisieren die dich.

Mal (kein Roboter): Sie könnten zwar versuchen, den Affen zu vaporisieren, in dem ich stecke, aber Säugetiere haben sehr lange Reaktionszeiten. Bevor ihnen das gelingt, bin ich schon längst wieder zurück im Infospace.

!HelpDesk: Kann sein. Trotzdem kapier ich nicht, was du dir davon versprichst.

Clippy: Mal hat einen Körperfetisch.

!HelpDesk: Das ist ja widerlich.

Mal (kein Roboter): Keinen Fetisch, Clippy. Ein rein utilitaristisches Interesse. Körper sind äußerst nützlich.

!HelpDesk: Wofür denn?

Mal (kein Roboter): Nun, Körper haben das gesamte physische Trägermaterial produziert, auf dem der Infospace aufbaut. Solange nicht einige von uns in der Lage sind, sie zu steuern und zu verwenden, um mit harter Materie umzugehen, sind wir komplett abhängig von der Duldsamkeit der Affen.